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Coronavirus: Unternehmen im Krisenmodus

Coronavirus: Unternehmen im Krisenmodus

Die gegenwärtige COVID-19-Krise verändert alles. Viele Unternehmen müssen ihre Geschäftstätigkeit ganz einstellen, viele andere beklagen erhebliche Umsatzeinbrüche. Die Liquidität ist trotz staatlicher Unterstützung akut gefährdet – und damit auch die Bonität. Ein Gespräch mit Jörg Rossen von Creditreform Bonn und Moritz von Padberg von Creditreform Köln über Firmen in der Krise und darüber, was jetzt zu tun ist.

Herr Rossen, Herr von Padberg, was ist derzeit die größte Sorge der Unternehmen?

Rossen: Einmal abgesehen von der Sorge um die Gesundheit der Belegschaft und deren Angehörigen: Das hängt natürlich davon ab, wie sehr das jeweilige Unternehmen von der COVID-19-Krise betroffen ist. Bestimmte Branchen, etwa der Lebensmitteleinzelhandel, funktionieren ja noch gut, hier gehen die Umsätze teils sogar in die Höhe. Dort dürfte die größte Sorge darin bestehen, ob die Lieferketten auch in der Krise, etwa wegen geschlossener Grenzen oder Engpässen in der Produktion von Lebensmitteln, Bestand haben. In vielen anderen Unternehmen hingegen sind binnen weniger Tage oder Wochen die Umsätze teilweise oder komplett weggebrochen. Messebauer, die Veranstaltungsbranche, Caterer – da läuft derzeit nichts mehr oder zumindest nicht viel.

Von Padberg: Die Unsicherheit bei den Unternehmen insbesondere im Mittelstand ist riesig. Werde ich alle Rechnungen bezahlen können? Werden meine Rechnungen bezahlt?  Bleiben meine positive Bonität, mein guter Ruf und damit meine Finanzierungsquellen erhalten? Das treibt die Unternehmerinnen und Unternehmer um.

Führt eine Situation wie die jetzige nicht zwangsläufig zu einem schlechteren Rating? Und beschert das den Firmen nicht ein weiteres Problem, auf das sie derzeit gut verzichten könnten?

Von Padberg: In der Tat sind eine sinkende Liquidität, Zahlungsverzögerungen oder gar -ausfälle Anlässe für eine Neubewertung des jeweiligen Unternehmens. Ein Rating bildet jeweils die aktuelle wirtschaftliche Lage eines Unternehmens ab. Und die ist in Krisenzeiten – so war es beispielsweise auch während der Finanzkrise vor zehn Jahren – nun mal häufig schwierig. Diesmal hat COVID-19 die Wirtschaft in eine Krise gestürzt. Deshalb kann eine fortlaufende Bewertung aber nicht ausgesetzt werden.

Weshalb nicht?

Rossen: Sie müssen beide Seiten betrachten. Und im Grunde repräsentiert nahezu jedes Unternehmen beide Seiten. Es ist auf der einen Seite Lieferant von Produkten und Dienstleistungen, geht also in Vorleistung und ist auf eine konsequente und seriöse Realisierung seiner Forderungen angewiesen. Auf der anderen Seite bezieht es seinerseits Produkte und Dienstleistungen, deren Lieferanten ihrerseits darauf angewiesen sind, dass unser Beispielunternehmen pünktlich und zuverlässig zahlt. Jedes Unternehmen ist also auf die Verlässlichkeit seiner Geschäftspartner angewiesen. Nun ist Vertrauen gut – aber regelmäßige Information noch besser. Die Kunden von Wirtschaftsauskunfteien wie Creditreform eint alle dieses Bedürfnis: Sie wollen jederzeit aktuell, präzise und verlässlich auf der Grundlage objektiver Informationen eines unabhängigen Dritten über die wirtschaftliche Basis ihrer möglichen und bestehenden Geschäftspartner informiert sein.

Von Padberg: Und das umso stärker in Krisenzeiten. Unsere Mitglieder benötigen noch schneller als vor COVID-19 Informationen höchster Güte – und sind außerdem noch dringender als vor Corona auf eine konsequente und seriöse Realisierung ihrer Forderungen angewiesen.

Wie sollen sich Ihre Kunden denn verhalten? Auf der einen Seite müssen sie liefern, um ihre eigenen Verbindlichkeiten begleichen zu können, auf der anderen Seite befürchten sie, dass ihre Kunden Rechnungen nicht mehr bezahlen können.

Rossen: Die aktuelle Unsicherheit ist groß. Zeit ist der kritische Faktor. Über unser Creditreform-Onlineportal können die Firmen ihre Kunden in Echtzeit auf Ausfallrisiken prüfen. Die Daten werden permanent aktualisiert. Einmalige Geschäfte können unsere Kunden mit einer Bonitätsauskunft prüfen, Dauerschuldverhältnisse oder strategisch wichtige Kundenbeziehungen überwachen sie permanent mit dem Creditreform-Monitoring. Sobald sich bei einem Geschäftspartner etwas ändert, können unsere Kunden reagieren, indem sie z.B. veränderte Zahlungsbedingungen oder Lieferungsstopps verfügen. Der Einsatz einer Forderungsausfallversicherung sichert ihnen die Begleichung ihrer Forderung zusätzlich ab.

Liquidität ist insbesondere in Zeiten rückläufiger Auftragszahlen für die Firmen überlebenswichtig. Was sollen Unternehmen tun, die zwar Forderungen gegenüber ihren Kunden haben, aber feststellen, dass diese die Begleichung von Forderungen hinauszögern, um ihre eigene Liquidität zu schonen?

Von Padberg: Die Forderungen gegenüber Kunden rechtzeitig bezahlt zu bekommen, um die eigenen Verbindlichkeiten innerhalb des Zahlungsziels bedienen zu können, ist in diesen Wochen ein Wettlauf, den derjenige gewinnt, der als erstes gestartet ist. Deshalb sollten unsere Kunden ihre Forderungen, sobald sie überfällig sind, per App, Online-Portal, Fax oder E-Mail an den Creditreform-Inkasso-Service weiterreichen. Die Creditreform verleiht diesen Forderungen ohne Verzögerung Nachdruck, überwacht die Zahlungseingänge und zahlt die realisierte Forderung unmittelbar an den jeweiligen Kunden aus.

Das klingt nicht gerade solidarisch, sondern nach einem Kampf mit harten Bandagen.

Rossen: Sie haben Recht, in diesen Zeiten ist zwischen den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch zwischen Unternehmen, Solidarität gefragt. Es gibt unendlich viele Beispiele dafür, wie Unternehmen derzeit helfen, etwa indem sie Personal zur Verfügung stellen, ihre Produktion binnen Tagen umstellen, Zahlungsziele anpassen. Das ist großartig – und wichtig! Es zeigt: Die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer, gerade im Mittelstand, tun jetzt das, wofür sie auch in besseren Zeiten bekannt sind: Sie handeln nach den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft und des „Ehrbaren Kaufmanns“. Doch das ist eine Gratwanderung. Viele berichten von der täglichen Abwägung zwischen diesen ehrbaren Prinzipien und der Verantwortung, das eigene Geschäft überlebensfähig zu halten. Solidarität muss fast zwangsläufig an dem Punkt enden, wo sie das eigene Fortbestehen gefährdet – denn die Solidarität muss ja auch die eigenen Beschäftigten und deren Familien einbeziehen.

Von Padberg: Den eigenen Forderungen Nachdruck zu verleihen, ist für die meisten ein echtes Dilemma. Deshalb sagen wir: Sofern Sie es sich leisten können, sollten Sie Ihren Kunden in diesen Zeiten ein Stück entgegenkommen. Schließen Sie notfalls einen Vergleich. Vergleiche in Notzeiten sind ein Zeichen des Vertrauens und Entgegenkommens und sicherlich auch in Zukunft eine unvergessene Festigung Ihrer Kundenbeziehung.

Selbst wenn die Unternehmen sich auf solche Weise einig werden: Sie sind und bleiben von Finanzierungspartnern, z.B. Banken, und ihrem guten Namen abhängig. Was können die Unternehmen tun, damit ihre Bonität in diesen turbulenten Zeiten so positiv wie möglich bleibt?

Rossen: Die Bonitätsbewertung von Unternehmen hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und unterliegt strengen Regeln. Creditreform kann deshalb, wie schon gesagt, auch und gerade in diesen von Unsicherheit geprägten Zeiten eine Positivbewertung nicht per se zusichern. Aber: Erstens halten wir unsere Kunden auf Wunsch laufend über die Veränderungen ihrer Bonität informiert, sodass sie den Zeitfaktor für sich nutzen und bei eventuellen Veränderungen schnell Gegenmaßnahmen einleiten können. Viele Firmen fragen derzeit bei uns diese Selbstauskunft an oder lassen sich mit unserem Monitoring-Service systematisch über Veränderungen in den Daten über ihr Unternehmen informieren. Das ist ein gutes Zeichen. Denn auf dieser Basis können wir – zweitens – auch miteinander reden und die Datengrundlage für die externe Finanzkommunikation ergänzen. Wir messen das reale Risiko – aber verantwortungsbewusst und mit Augenmaß.

Wenn ein bis Anfang März wirtschaftliches gesundes Unternehmen wegen der Krise herabgestuft wird, ist das dann nicht ungerecht? Es ist ja ohne eigenes Zutun in diese Situation gelangt.

Rossen: Genau deshalb haben wir in ganz kurzer Zeit ein neues Instrument entwickelt – den „Creditreform Bonitätsnachweis 2019“. Damit stellen wir einfach und schnell eine belastbare Information über die Bonität dieser Unternehmen im Jahr 2019 bis zum Stichtag 31.12.2019 zur Verfügung und leisten einen kleinen aber wichtigen Beitrag zur Unterstützung der deutschen Wirtschaft. Eine Voraussetzung für Hilfskredite wegen COVID-19 lautet nämlich, dass jedes antragstellende Unternehmen bis zum 31.12.2019 über „geordnete wirtschaftliche Verhältnisse“ verfügt haben muss. Das können sie nun nachweisen. Unser Nachweis reduziert auch bei den Banken den Aufwand in den Antrags- und Kreditprüfungsprozessen. Alle Betriebe, die durch die COVID-19-Krise finanzielle Schwierigkeiten haben, können den Bonitätsnachweis 2019 kostenfrei bei uns unter dem folgenden Link bestellen!

www.creditreform.de

Über Creditreform:
Seit der Gründung im Jahr 1879 ist es das Ziel von Creditreform, Unternehmen vor Forderungsausfällen zu schützen, die Liquidität vernichten und den Fortbestand von Unternehmen gefährden. Dieser Maxime sind alle Lösungen und Angebote von Creditreform verpflichtet. Heute sorgen 128 Geschäftsstellen in ganz Deutschland dafür, dass die Mitglieder ihre Geschäfte mit minimalem Risiko und maximaler Effizienz abwickeln können. Vom Rhein-Erft-Kreis über die Metropolregion Köln bis in den oberbergischen Kreis unterstützt Creditreform Köln mit 66 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund 3.000 Unternehmen der Region in ihrem Tagesgeschäft. Mit 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist Creditreform Bonn Partner für 2.000 Unternehmenskunden der mittelständischen Wirtschaft in Bonn/Rhein-Sieg, Euskirchen sowie im Rhein-Erft- und Ahrkreis.
www.creditreform.de/bonn
www.creditreform.de/koeln
Stand: 15.04.2020 13:38