Berichtspflicht auch für mittelständische Unternehmen: Wie Unternehmen beim ESG-Reporting den Aufwand möglichst gering halten

Dass Unternehmen nachhaltig wirtschaften, wird immer häufiger von Investoren und Kunden verlangt. Doch das ESG-Reporting wird auch noch aus einem anderen Grund für immer mehr Unternehmen relevant. Denn die Berichtspflicht wird ab 2025 auf mittelständische Unternehmen ausgedehnt. Für die betroffenen Firmen stellt sich die Frage, wie sie berichten können, ohne übermäßigen Mehraufwand zu haben. Die klare Empfehlung lautet hier, dass Unternehmen bereits etablierte Meldewege, Prozesse und Kompetenzen nutzen sollten.

In der heutigen Geschäftswelt ist das Bewusstsein für Umwelt, Soziales und eine transparente, zur Rechenschaft selbstverantwortlich verpflichtete Unternehmensführung stark angestiegen. ESG steht dabei für die entsprechenden englischen Begriffe Environment, Social und Governance. Unternehmen stehen zunehmend im Fokus von Investoren, Kunden und der Öffentlichkeit, wenn es um ihre nachhaltige Unternehmensführung geht.

Nachhaltiges Handeln wird daher immer mehr zur Pflichtaufgabe: Das wurde bereits mit der Einführung des CSR-Richtlinie- Umsetzungsgesetzes deutlich. CSR ist die Abkürzung für Corporate Social Responsibility, womit die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen erfasst wird. Seitdem sind kapitalmarktorientierte Unternehmen, Kreditinstitute und Versicherungen zur Offenlegung von Angaben zu Umwelt-, Arbeitnehmer-und Sozialbelangen verpflichtet. Diese CSR-Berichtspflicht mündet im ESG-Reporting, das bereits für große kapitalmarktorientierte Unternehmen gilt und sukzessive auf einen immer weiteren Kreis ausgedehnt wird. So werden ab 2025 rund 15.000 mittelständische Unternehmen ein ESG-Reporting erstellen müssen. Dieses verpflichtet die Unternehmen im Zuge der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zur Abgabe eines Nachhaltigkeitsberichtes nicht nur mit finanziellen, sondern auch mit nicht-finanziellen Inhalten. Auf diese Weise lassen sich die Wirtschaftsaktivitäten eines Unternehmens hinsichtlich Nachhaltigkeit überprüfen.

ESG-Reporting ist mehr als die Ermittlung des CO2-Fußabdrucks

Das ESG-Reporting ist also der Prozess, mit dem Unternehmen ihre Leistung in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance transparent darlegen. Der Fokus liegt dabei auf der Offenlegung besagter nicht-finanzieller Informationen, die weit über die traditionellen Finanzberichte hinausgehen.

Doch was heißt das genau? Von Unternehmen wird erwartet, klare und verständliche Informationen zu Umweltauswirkungen, sozialen Initiativen und Aspekten der Unternehmensführung bereitzustellen. Im Umweltbereich könnte dies beispielsweise die Reduzierung von CO2-Emissionen, den verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen und Maßnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien umfassen. Im sozialen Bereich könnten Themen wie Mitarbeiterrechte, Vielfalt und Inklusion sowie soziales Engagement im Vordergrund stehen. Governance-Aspekte betreffen hingegen die Struktur des Unternehmens, seine ethischen Grundsätze und die Zusammensetzung des Vorstands.

Insgesamt soll die ESG-Berichterstattung kontinuierlich verbessert werden und den Dialog mit Interessengruppen fördern, um einen konstruktiven Austausch über nachhaltige Praktiken zu ermöglichen.

ESG-Reporting ist Pflicht und Chance

Zwar ist das ESG-Reporting eine mit zusätzlicher Arbeit verbundene Pflicht, es bietet für Unternehmen aber auch Chancen. Mit einer guten Klimabilanz stärken sie ihre Wettbewerbsposition. Immer mehr Kunden und Investoren legen Wert auf das Thema Nachhaltigkeit und verlangen nach einer entsprechenden Konzernberichterstattung inklusive ESG-Reporting. Nachhaltigkeit und Finanzwesen sind in dieser Hinsicht kaum mehr voneinander zu trennen. Deshalb ist es nur naheliegend, das ESG-Reporting an die Finanzprozesse anzubinden und in die bestehende Konzernberichterstattung aufzunehmen.

Naheliegend scheint zunächst auch der Gedanke, das ESG-Reporting im Unternehmensbereich Arbeitssicherheit (Health Safety Environment – HSE) aufzuhängen. Denn die Erfassung von ESG-Daten kann schließlich keine originäre Aufgabe des Controllings werden. In Produktionswerken z.B. wird kein Controller künftig die Stromzähler ablesen, um Daten zum Energieverbrauch zu erheben. Für die Erfassung solcher Daten sind in der Regel Energiebeauftragte zuständig, die im Zuge des systematischen Energiemanagements (nach Norm ISO 50.001) benannt werden müssen.

Doch die Erfassung der ESG-Daten ist nur der erste von vielen weiteren Schritten. Von den Prozessen, die sich an die Erfassung anschließen, ist HSE viel weiter entfernt als das Finanzwesen. Deshalb liegt es nahe, den Weg über das Controlling zu gehen, in dem bereits Prozesse zur Datenkonsolidierung und zum Berichtswesen vorliegen. Die Expertise für Finanz- oder auch Managementreports ist im Controlling bereits vorhanden; das ESG-Reporting ist prozessual nicht weit entfernt, denn auch Finanzdaten müssen konsolidiert aus verschiedenen Unternehmensbereichen berichtet werden. Deshalb ist das Controlling als zentrale Organisation aufgestellt, was für das ESG-Reporting elementar ist.

Vorhandene Tools für ESG-Reporting bereits jetzt nutzbar

Neben den Prozessen sind vor allem auch die digitalen Tools zur Konsolidierung und Berichterstellung bereits im Finanzwesen etabliert. Warum sollten Unternehmen daher entsprechende Programme an anderer Stelle einführen und Mitarbeiter im Umgang damit schulen?

Viele Unternehmen nutzen für die Konsolidierung beispielsweise „SAP S/4HANA for Group Reporting“, das die Konsolidierung direkt im operativen ERP ermöglicht. Für Kennzahlen außerhalb des Finanzbereichs, zu denen auch die des ESG-Reportings gehören, ist diese Funktion leider noch nicht vollständig ausgebaut, eine Erweiterung steht laut SAP aber an. Bislang haben sich Softwarehersteller mit der Entwicklung spezialisierter Tools ohnehin schwergetan, weil die Fluktuation in den Standards zum ESG-Reporting sehr hoch war. Dem Arbeitsprogramm der EU für 2024 ist jedoch zu entnehmen, dass das Reporting deutlich erleichtert werden soll (um 25 Prozent). Zudem werden die bislang noch unterschiedlichen Standards – in Deutschland sind derzeit die Rahmenwerke der Global Reporting Initiative und der Deutsche Nachhaltigkeitskodex beliebt – in den ESRS (European Sustainability Reporting Standards) zusammengeführt.

Ansiedlung des ESG-Reporting im Controlling ist geringster Aufwand

Softwarelösungen und Erweiterungen werden daher in absehbarer Zeit erwartet. Diese werden sich von denen für die Finanz- und Managementberichterstattung wohl kaum unterscheiden. Controller werden es daher leicht haben, sich schnell einzuarbeiten. Auch im Hinblick hierauf ist es deshalb nur logisch, das ESG-Reporting im Finanzwesen zu integrieren.

Dem Prozess als solchen tut der derzeitige Mangel an Tools oder Erweiterungen aber keinen Abbruch. Denn die Berichtspfade sind im Controlling etabliert und können auch jetzt schon für das ESG-Reporting genutzt werden. Solange eine entsprechende Erweiterung im Group Reporting fehlt, kann auch ein Data Warehouse angebunden werden. Zusätzlich lassen sich Tools nutzen, mit denen sich der CO2-Fußabdruck eines Unternehmens berechnen lässt. Das ESG-Reporting im Finanzwesen anzusiedeln, bedeutet für Unternehmen daher den geringsten Aufwand.

Fazit

Das ESG-Reporting ist für Unternehmen Pflicht und Chance zugleich. Denn mit dem ESG-Reporting befriedigen Konzerne den Wunsch von Investoren und Kunden nach nachhaltigem Handeln. Unternehmen wiederum wünschen sich, dass die Berichterstattung keine zusätzliche Mammutaufgabe wird. Daher ist es nur sinnvoll, das ESG-Reporting im Controlling anzusiedeln, weil die entsprechenden Meldewege und Prozesse hier bereits etabliert sind. Die vorhandenen Konsolidierungslösungen lassen sich mit etwas Aufwand auch bereits jetzt nutzen, zudem sind bei vielen Systemen seitens der Hersteller Erweiterungen für das ESG-Reporting geplant.

Dr. Patrick Bitter

Dr. Patrick Bitter arbeitet als SAP-Berater in den Bereichen Nachhaltigkeit und operatives Reporting bei der CALEO Consulting GmbH, einer international tätigen Unternehmensberatung. Das inhabergeführte Unternehmen mit Sitz in Gräfelfing bei München wurde 2002 gegründet und beschäftigt derzeit über 55 Berater. In der internen Zusammenarbeit legen die Mitarbeiter viel Wert auf ein offenes Miteinander und gegenseitige Unterstützung. Diese Kultur spiegelt sich auch im sozialen Engagement des Unternehmens wider.

Weitere Informationen unter:

www.caleo.com

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