Anstieg der Personalausgaben ist 2023 ein entscheidender Kostenfaktor

Der zunehmende Mangel an Arbeitskräften aller Qualifikationsstufen beschäftigt Öffentlichkeit, Wirtschaftswelt und Politik nun bereits seit einiger Zeit. Die Auswirkungen werden für Unternehmen immer deutlicher spürbar. So ist es nicht nur schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden, auch die Kosten für das Personal steigen weiter an. Eine Studie der Managementberatung Horváth, die leitende Mitarbeiter von mehr als 400 großen Unternehmen befragte, kam nun zu dem Ergebnis, dass 2023 Personalkosten das größte wirtschaftliche Risiko werden könnten.

Personalkosten steigen 2023 durchschnittlich um 7,5 Prozent

So ergab die Auswertung der Interviews, dass die Verantwortlichen durchschnittlich eine Steigerung der Personalausgaben um 7,5 Prozent erwarten. Im Vergleich dazu rechnen die Firmen im Bereich Material- und Ressourcenkosten „nur“ mit einem Anstieg von 4,5 Prozent, nachdem hier in den Vorjahren die größten Risiken und Kosten gesehen wurden. Besonders besorgt zeigen sich die Automobil-, Energie , Telekommunikations-, Öl- und Chemiebranche.

Das schlägt sich auch in den Schwerpunkten der Unternehmensleitungen nieder. 92 Prozent der befragten Manager gaben an, dass in ihrer Firma Fragen rund ums Personal eine sehr hohe oder hohe Bedeutung einnehmen. Damit stehen Sie noch vor den Digitalisierungs-Themen wie Cyber-Sicherheit (Platz 2), der Optimierung der Kostenstruktur (Platz 3) oder dem aktuell ebenfalls viel diskutierten Thema Nachhaltigkeit (Platz 4).

Standortnachteil droht

Der Anstieg an Personalkosten trägt in Kombination mit dem ausgedünnten Arbeitsmarkt dazu bei, dass hiesige Unternehmen Nachteile im Wettbewerb haben werden. Effizienz, Produktivität und Investitionsspielraum sinken. Diese Entwicklung schadet letztendlich dem gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland. Unternehmen ziehen vermehrt in Regionen, in denen das Personal nicht nur günstig ist, sondern wo auch mit ausreichenden Bewerberzahlen geplant werden kann. Standorte sind beispielsweise attraktiver, wenn die örtlichen Strukturen eine einfache Integration ausländischer Arbeitskräfte ermöglichen sowie die Umschulung und Weiterbildung von Mitarbeitern unterstützen.

Welche Maßnahmen versprechen Besserung?

Momentan hoffen viele darauf, dass digitale – insbesondere KI-gestützte – Anwendungen die Angestellten in Zukunft entlasten, unterstützen oder gar fehlendes Personal ersetzen. Horváth-Berater Heiko Fink warnt aber vor einer übertriebenen Hoffnung: „Neue digitale Möglichkeiten bringen natürlich Effizienz, aber auch neue Geschäftspotenziale. Und sie werfen neue datenschutzrechtliche Fragen auf. An Spezialisten in diesen Feldern, die mit den Digital Natives heranwachsen, wird der personelle Bedarf wachsen.“ Es könnte also durchaus Entlastungen in gewissen Arbeitsbereichen geben, allerdings steigt parallel der Bedarf an anders geschultem Personal wieder an, dementsprechend kann der KI-Aspekt auch nur eine Teillösung sein.

Ansonsten sind die Methoden, mit denen die Unternehmen versuchen, ihre Personalgewinnung und bindung zu verbessern vielfältig. Wichtigstes Instrument gegen Personalmangel ist momentan das Angebot flexibler Arbeitsmodelle, z.B. Teilzeit, Gleitzeit, Home-Office usw. An zweiter Stelle folgen Weiterentwicklungsmaßnahmen im Bereich Unternehmenskultur und Arbeitgeber-Branding, mit denen Unternehmen versuchen ihre Attraktivität für potenzielle Bewerber zu steigern sowie Mitarbeiter langfristig zu binden. Weiterbildung, Benefits-Programme, Digitalisierung und Leadership sind weitere Bereiche, die von den Studienteilnehmern häufiger genannt wurden. Die Möglichkeit, eigene Mitarbeiter umzuschulen, vernachlässigen viele Unternehmen aber noch. Hier besteht gemäß Fink „ein großes Gap an übergreifenden Lösungen und Best Practices“, obwohl es eigentlich unter den wichtigsten Maßnahmen landen müsste. Auch andere Projekte würden häufig mit zu wenig Zeit und Ressourcen verfolgt, wodurch sie leider wenig effektiv blieben.

In diesen Bereichen ist ein Umdenken angeraten. Immerhin wird es den momentanen Voraussagen zufolge in Zukunft nicht weniger schwierig, ausreichend gutes Personal zu bekommen.

Zum Autor

Karsten Köhler, Redakteur beim VSRW-Verlag


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