Wirtschaftskrise: Deutsche Tafeln unter hoher Belastung

Der starke Preisanstieg für Güter des alltäglichen Bedarfs und Energie hat dafür gesorgt, dass viele Menschen mit ihrem monatlichen Einkommen nicht mehr alle anfallenden Kosten decken können. Deutschlandweit benötigen immer mehr Menschen Unterstützung. Das spüren gemeinnützige Vereine wie die Tafeln besonders deutlich. Die Probleme sind dabei vielfältig.

Ziel der Tafeln ist es seit jeher, die massenhafte Verschwendung von Lebensmitteln zu verhindern. Fast 18 Millionen Tonnen Nahrung landen jährlich im Abfall. Darunter sind jede Menge Waren, die zwar nicht mehr verkauft werden dürfen, aber noch problemlos verzehrbar sind. Diese Lebensmittel retten die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafeln und geben sie an bedürftige Menschen weiter. Die Tafeln bieten aber nicht nur ergänzende Hilfe bei der Versorgung. Sie sind auch ein Platz, an dem sich Menschen begegnen und austauschen. Mancherorts gibt es, oft in Zusammenarbeit mit weiteren Einrichtungen, zusätzliche Angebote. Dazu zählt etwa die Beratung von Suchtkranken oder Schuldnern. Rund 60.000 Helfer opfern alleine im Tafel Deutschland e.V. bereitwillig Teile ihrer Freizeit, um diesen Aufgaben nachzugehen.

Die Zahl der Hilfesuchenden wächst

Das scheint erst einmal viel, der Eindruck täuscht aber. Angesichts der wachsenden Zahl an Menschen in wirtschaftlicher Not geraten die Mitarbeiter an ihre psychischen und körperlichen Belastungsgrenzen. Die inzwischen mehr als zwei Millionen Antragsteller machen es vielerorts notwendig, dass die Tafeln länger geöffnet haben. Manche Vereine müssen mehr als doppelt so viele Leute versorgen wie in den Vorjahren. Außerdem müssen sie zunehmend Menschen abweisen oder kleinere Mengen pro Haushalt verteilen.

Die Ursachen für die Not sind zahlreich. Kriege, zuletzt der russische Angriff auf die Ukraine, haben zahlreiche Menschen zur Flucht gezwungen. Oft brauchen diese nach ihrer Ankunft erst einmal Unterstützung. Auch die Folgen der Corona-Pandemie haben sich bemerkbar gemacht. Jobverlust, Kurzarbeit und sinkende Einnahmen vieler Branchen führten zu Engpässen unter Betroffenen. Dazu kamen in den vergangenen Monaten noch die gestiegenen Lebenshaltungskosten; Inflation und Energiekrise treffen jeden, schmerzen aber vor allem diejenigen, die ein geringes Einkommen haben.

Rückgang der Spenden

Neben den gegenwärtigen wirtschaftlichen Krisen leiden die Tafeln auch darunter, dass immer weniger Lebensmittel gespendet werden. Das stärkere Bewusstsein der Deutschen für Lebensmittelverschwendung hat viele Supermarktketten und Lebensmittelgeschäfte dazu gebracht, fast abgelaufene Waren mit attraktiven Rabatten anzubieten. Viele Kunden greifen inzwischen gerne zu, ist es doch nicht nur eine Kostenersparnis, sondern auch die vermeintliche Möglichkeit, beim Einkauf etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Die Unternehmen erfüllen diesen Wunsch gerne, denn ein nachhaltiges Image kann auf dem Markt von Vorteil sein. Der Wunsch nach Kostenersparnis in Lebensmittelindustrie und -handel tut sein Übriges dazu, dass Lieferketten und Lagerung weiter optimiert werden. Das alles mag zwar im Sinne der Nachhaltigkeit positiv sein, kann aber in der gemeinnützigen Arbeit zu Versorgungslücken führen.

Unterstützung ist wichtig

Umso wichtiger ist die Unterstützung für die Tafeln, sei es durch Förderung, Spenden oder Mitarbeit. Die steigenden Lebenshaltungskosten führen nicht nur zu mehr Andrang, sie machen auch den Betrieb der Vereine kostspieliger, etwa durch die gestiegenen Strom- und Gaspreise. Mehr Menschen erfordern außerdem eine verbesserte und vergrößerte Logistik und Lagerung. Haben die Tafeln keinen Platz oder fehlen Mitarbeiter, können sie Großspenden nicht annehmen und diese müssen vernichtet werden.

Hier helfen nicht nur Förderprogramme des Staates. Auch Unternehmen und Privatleute können helfen. Einige Tafeln suchen händeringend nach ehrenamtlichen Helfern; aber auch Spenden – in Form von Lebens- oder Finanzmitteln – sind eine wichtige Säule ihrer Arbeit.

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