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Zukunft mit oder ohne Arbeit?

(Advertorial) Dass die Arbeitswelt sich gegenwärtig rasant verändert, hört man allenthalben. Doch in welche „Richtung“ verändert sie sich eigentlich? Was ist bzw. könnte in Zukunft anders sein und warum? Welche Berufe könnten wegfallen und welche könnten bleiben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich dieser Artikel.

Die Frage nach der Zukunft der Arbeit ist wohl genauso alt, wie die Geschichte der Arbeit selbst. Mit Arbeit ist hier natürlich vor allem die Erwerbsarbeit gemeint.  In früheren Zeiten stellte man sich Fragen über die Zukunft der Arbeit nicht, denn sie schien unveränderlich. Die Erwerbsarbeit als zentrale Sphäre der Bewährung des individuellen Lebens sowie der Beziehung von Anerkennung über sozial anerkannte Leistungen ist erst mit der Industrialisierung und damit mit der Etablierung des kapitalistischen Wirtschaftssystems zum Dreh- und Angelpunkt eines jeden Bürgers und einer jeden Bürgerin geworden. Fortan war man zumindest „formell frei“, einer Erwerbsarbeit nachzugehen und wurde dazu nicht qua sozialem Status gezwungen.

Dabei war die Erwerbsarbeit von Beginn an teils subtilen und teils radikalen Veränderungen unterworfen: Die Einführung des Fließbandes durch Henry Ford, die wissenschaftliche Arbeitsorganisation nach Frederick Taylor, die Durchsetzung von fundamentalen Arbeitnehmerrechten wie der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (jedenfalls in Deutschland), die Einführung von Arbeitszeitbegrenzungen und nunmehr von flexiblen Arbeitszeitmodellen haben es stets zu einer spannenden Frage gemacht, wie die Zukunft der Arbeit wohl demnächst aussehen wird. Eine definitive Antwort konnte natürlich noch nie jemand geben. Versuche gab es allerdings viele.

Vom Ende der Gesichte zum Ende der Arbeit

Karl Marx prophezeit dem Kapitalismus bekanntlich kein gutes Ende, zumindest insofern, als dieser irgendwann automatisch in den Kommunismus münden würde, wodurch, so Marxens Vorstellung, wiederum jeglicher Ausbeutung und sozialen Ungleichheit ein Ende bereitet wäre. Es kam bekanntlich anders. Die international je etwas unterschiedlich verfassten kapitalistischen Systeme haben es geschafft, das haben etwa die französischen Soziologen Boltanski und Chiapello gezeigt, die Kritik an ihnen zu absorbieren: Die sogenannte Künstlerkritik an der Entfremdeten Arbeit wurde umgewandelt in „kreativ“ und „locker“ daherkommende Arbeitsverhältnisse, die angeblich der Selbstverwirklichung der Arbeitenden nunmehr freien Lauf lassen würde. Und flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit von Home Office und der Abbau von Hierarchien etwa boten eine Antwort auf die Kritik der Arbeitenden an den mannigfaltigen Abhängigkeiten, denen sie sich in der Arbeitswelt ausgesetzt sahen. Faktisch kam natürlich (fast) alles anders.

Ohne Zweifel haben neue Arbeitszeitmodelle viele neue Freiheiten für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gebracht. Aber sie haben eben auch neue Abhängigkeiten etabliert: Mehr individuelle Verantwortung für das unternehmerische Risiko, hohe Flexibilitätsanforderungen, Vermarktlichung des individuellen Lebens in allen nur denkbaren Dimensionen (gleichsam von der Wiege bis zur Bahre), dauerhaft prekäre Arbeitsverhältnisse durch Leiharbeit und befristete Arbeitsverträge etc. pp. In diesem Kontext hat auch die Kritik an der herausgehobenen Stellung der Erwerbsarbeit im Leben von Menschen sowie am Leistungsprinzip als solchem, die bereits in den 1970er und 1980er Jahren mitunter zu einer Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen und das Ende der Arbeit geführt hat, nicht viel an dieser herausgehobenen Stellung verändern können. Erwerbsarbeit ist heute wichtiger denn je. Und die Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen und das Ende der Arbeit ist ebenfalls immer noch da.

Schafft die Digitalisierung neue Jobs oder vernichtet sie bloß die alten?

Fakt ist, dass die Digitalisierung heute in der Tat zu einem radikalen Wandel der Arbeitswelt führt: Standardisierbare bzw. routinisierbare Tätigkeiten drohen Algorithmen und Robotern zum Opfer zu fallen. Vor allem im digitalen Sektor entstehen daher viele neue Jobs. Arbeitssuchende in diesem Bereich sind immer mehr auf Personalberatungen angewiesen, da sie keinen Überblick mehr über die zahlreichen Stellenangebote haben (verschaffen Sie sich einen Überblick mit Hilfe der Personalberatung von Techminds). Die Befürchtung, dass alte Jobs wegfallen, ist entsprechend groß. Und so verwundert es nicht, dass heute wieder allenthalben Propheten aus dem Boden sprießen, die erneut das Ende der Arbeit, wie wir sie bisher kannten, prophezeien.

Doch ob dies so kommen wird, steht nach wie vor mehr denn je in den Sternen. Zwar haben wir tatsächlich den Wegfall gewisser Tätigkeiten zu verzeichnen; zugleich jedoch gibt es immer mehr sogenannte „Bullshit Jobs“ (David Graeber). Dabei handelt es sich um Tätigkeiten, die völlig sinnlos sind, aber zwecks Repräsentativität (nach dem Motto: „je mehr Stellen ein Unternehmen hat, desto wichtiger muss es sein“) dennoch beibehalten werden. So gibt es zum Beispiel immer noch viele Beraterstellen in Banken, die problemlos automatisiert werden könnten. Dies wird allerdings ganz bewusst nicht forciert, aus Angst, das eigene Unternehmen würde nach außen als nicht bedeutsam genug erscheinen. Außerdem entstehen, wie erwähnt, eben viele neue Jobs im IT-Sektor (inwieweit diese auch tatsächlich sinnvoll sind, darüber muss noch diskutiert werden), und es ist gegenwärtig somit noch nicht absehbar, ob sie den Wegfall der alten Jobs werden aufwiegen können oder eben nicht.

Für verlässliche Zukunftsszenarien gibt es aktuell also noch zu wenige Anhaltspunkte. Diskussionen über die Zukunft der Arbeit soll dies aber natürlich keineswegs Abbruch tun. Denn unabhängig davon, ob es eine Zukunft mit oder ohne Erwerbsarbeit gibt – eine moralisch wünschenswerte Zukunft kann es nur geben, wenn Menschen konkrete Utopien von ihr entwerfen und mit der zwanglosen Macht des besseren Arguments im Diskurs um sie streiten.

Stand: 20.02.2020 13:59