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Wirtschaftsstandort Bonn/Rhein-Sieg: Weiter im Mittelfeld
Creditreform

Wirtschaftsstandort Bonn/Rhein-Sieg: Weiter im Mittelfeld

Die Wirtschaftsdynamik in der Region Bonn/Rhein-Sieg zeigt gegenläufige Tendenzen: Vergleichsweise schwachem Wirtschaftswachstum und Gründergeschehen stehen eine geringe Ausfallgefahr und gute Zahlungsmoral hiesiger Unternehmen gegenüber. Die IT- und Gesundheitsbranche
gewinnt an Bedeutung. Das zeigt die vierte, aktuelle Auflage der Creditreform-Studie „Wirtschaftsdynamik in der Region Bonn/Rhein-Sieg“.

Verfügen die Firmen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis über eine ausreichende Bonität? Wie hoch sind die Ausfallquoten in den Branchen, die in Bonn und Rhein-Sieg besonders stark vertreten sind, also etwa in der IT- und der Gesundheitswirtschaft? Stimmt die Eigenkapitalquote? Und wie steht’s um das Gründungsgeschehen? Für Fragen wie diese interessieren sich nicht nur Statistiker und die Liebhaber von Städterankings. Die Antworten sind wichtig zur Beurteilung der wirtschaftlichen Dynamik einer Region. In diesem Fall: der Wirtschaftsregion Bonn/Rhein-Sieg. Sie steht im Standortwettbewerb zu anderen Metropolen, Städten und Städteregionen, es geht um Kunden und Aufträge, um mögliche Ansiedlungen neuer Unternehmen – und immer stärker um Fachkräfte. Auch die Firmen selbst möchten wissen, wo sie im Wettbewerb stehen. Wie also präsentiert sich Bonn/Rhein-Sieg in ökonomischer Hinsicht? Die Creditreform Bonn Rossen KG hat dazu gemeinsam mit der Creditreform Rating AG ihre 2015 erstmals vorgelegte Studie fortgeschrieben und dabei erneut sowohl große Städte als auch weitere Vergleichsregionen hinzugezogen, sodass sich die Wirtschaftsdynamik nicht nur in Relation zu den Vorjahren, sondern auch zu insgesamt 14 deutschen Metropolen und Metropolregionen bewerten lässt. „Zu erkennen ist: Die Dynamik in Bonn/Rhein-Sieg lässt stark nach. Bei vielen wichtigen Kennzahlen liegen andere Städte und Regionen im Standortwettbewerb deutlich vorn“, sagte Jörg Rossen, Geschäftsführer der Creditreform Bonn Rossen KG, im Juli vor der Presse. Insbesondere Wachstum und Gründungsgeschehen würden neue Impulse verlangen.

 Steigende Bedeutung der IT- und Gesundheitswirtschaft

Nichts geändert hat sich an der Wirtschaftsstruktur der Region Bonn/Rhein-Sieg: Sie ist kleinteilig und vielseitig. Gut vier von fünf  Unternehmen erzielen einen Jahresumsatz von unter 500.000 €, nur 2,82% hingegen einen Jahresumsatz von mehr als 5 Mio. €. Lediglich in Berlin und Dresden finden sich noch weniger Großunternehmen, während ihr Anteil in allen übrigen Vergleichsstädten und -regionen, etwa in Köln mit 3,32% oder Dortmund mit 3,82%, deutlich größer ist. In der NRWHauptstadt Düsseldorf sind es sogar 4%. Die meisten der in Bonn/Rhein-Sieg ansässigen Firmen sind alteingesessen, also mindestens zehn Jahre alt, oder gar Traditionsunternehmen, sprich: 25 Jahre oder älter.

Hiesige Ausfallgefahr auf Rekordtief und auf Augenhöhe mit dem Bundesdurchschnitt

Um die Dynamik in einer Wirtschaftsregion beurteilen zu können, ist eine ein gehende Risikoanalyse unerlässlich. Dabei wird das Ausfallrisiko betrachtet. Der Anteil der Unternehmen, die ihren Zahlungsverpflichtungen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht nachkommen können, sinkt seit 2013 und erreichte mit 1,52% den niedrigsten Stand seit 2010. In der Branchenbetrachtung schneidet unter Risikogesichtspunkten die Industrie am schlechtesten ab; deutlich verbessert haben sich dagegen die Sonstigen Dienstleistungen sowie die Immobilienwirtschaft. Im Städte und Regionenvergleich verzeichnet Bonn/ Rhein-Sieg die drittniedrigste Ausfallquote.

Eigenkapitalsituation hellt sich weiter auf, Profitabilität bleibt überdurchschnittlich hoch

2015 (aktuellere Zahlen sind noch nicht in ausreichender Abdeckung verfügbar) sind die durchschnittlichen Eigenkapitalquoten sowohl in der deutschen Gesamtwirtschaft als auch in Bonn/Rhein-Sieg weiter ihrem Aufwärtstrend gefolgt. Zwar liegt die Eigenmittelausstattung der Unternehmen in der hiesigen Region weiterhin unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt, doch hat sich der Abstand zuletzt weiter verringert. Zudem zeichnen sich die Unternehmen in Bonn/Rhein-Sieg durch eine deutlich bessere Ertragskraft aus als die deutsche Gesamtwirtschaft: Die durchschnittliche Gesamtkapitalrendite erhöhte sich 2015 von 6,2% im Jahr 2014 auf 7%, während sie bundesweit im selben Zeitraum nur von 5,6 auf 5,7% stieg.

Weiterhin gute Zahlungsmoral in der Region Bonn/Rhein-Sieg

Bei diesem wichtigen Strukturfaktor schneiden Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis gut ab. Seit dem vierten Quartal  2010 sank der Anteil überfälliger Rechnungsbelege deutlich von 37,7 auf 15,2%. Dennoch weisen die hiesigen Firmen eine etwas schlechtere Zahlungsmoral auf als die deutsche Gesamtwirtschaft, bei der der Anteil bis Ende 2016 sogar auf 12,7% geschrumpft war. Ende 2017 lag der Anteil überfälliger Rechnungen in Bonn/Rhein-Sieg allerdings wieder bei 19,4% – und damit um fünf Prozentpunkte über demjenigen der deutschen Gesamtwirtschaft. Rückläufig in der Region und bundesweit ist die durchschnittliche Zahlungsverzugsdauer. Ende 2017 lag sie in Bonn/Rhein-Sieg bei 11,4, in Deutschland bei 11,8 Tagen. Die guten Werte von Ende 2016 – 10,5 Tage in der Region, 9,2 Tage im Bund – konnten allerdings nicht ganz erreicht werden.

Vergleichsweise schwaches Wirtschaftswachstum in der Region

Im Städte- und Regionenvergleich wies Bonn/Rhein-Sieg ein relativ schwaches Wachstumstempo auf. Das durchschnittliche Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwischen 2010 und 2014 war in Bonn/Rhein-Sieg mit 1,2% am schwächsten. Gemäß den verfügbaren Daten ließ sich auch 2015 keine Belebung des Wirtschaftswachstums beobachten, als das reale BIP in Bonn/Rhein-Sieg um 0,5% wuchs. Im Gesamtvergleich mit den 14 übrigen Städten und Metropolregionen landet Bonn/Rhein-Sieg damit auf dem letzten Platz. Das reale BIP pro Kopf ist im Vergleich mit den 14 übrigen Städten und Regionen zwischen 2009 und 2015 ebenfalls nur schwach gewachsen. Metropolen liegen hier klar vorne: Die mit Abstand höchste Wirtschaftsleistung pro Einwohner verzeichnet Frankfurt/Main. „Auffällig ist dabei der beträchtliche Unterschied zwischen Stadt und Kreis“, erläutert Jörg Rossen: „In der Bundesstadt ist das reale BIP pro Kopf rund zweieinhalb Mal so hoch wie im umliegenden Landkreis. Das erklärt die mäßige Position der zusammengefassten Wirtschaftsregion Bonn/Rhein-Sieg.“ Bemerkenswert: Während das reale BIP pro Kopf in Bonn zwischen 2009 und 2015 um 8,5% sank, legte es im Rhein-Sieg-Kreis im selben Zeitraum um ein Fünftel zu.

Nur verhaltene Gründungsdynamik, aber weiterhin geringe Ausfallgefahr bei Start-ups

Die Gründungsdynamik ist in fast allen untersuchten Städten und Vergleichsregionen stärker ausgeprägt als in der Bonner Region. Besonders groß ist der Abstand zu Metropolen wie Hamburg und Frankfurt/Main, aber auch zu kleineren Vergleichsregionen und -städten wie Dortmund, Mannheim, Ludwigshafen und Hannover. Positiv hervorzuheben ist: Zwischen 2011 und 2016 reduzierte sich die Ausfallrate unter den Neugründungen deutlich, und 2017 nahm der Anteil der ausgefallenen Neugründungen an den gesamten Neugründungen eines Jahrgangs nur leicht zu. „Leider ist auch das Gründungsgeschehen im IT-Sektor in Bonn/Rhein-Sieg stark rückläufig“, bedauerte Rossen, „der Anteil von Neugründungen am gesamten Unternehmensbesatz sank von knapp 4% im Jahr  2012 auf 1,13% fünf  Jahre später.“ Dies sei umso ungewöhnlicher, als der Anteil der IT-Unternehmen am Unternehmensbesatz auf 3,37% gestiegen sei. Rossen vertraut hier allerdings auf die mittel- und langfristigen Wirkungen des Digital Hubs Region Bonn. Dessen Wirken werde nicht nur dafür sorgen, die Anzahl der Gründungen zu steigern, sondern vor allem auch die Rahmenbedingungen zu verbessern und Service-Angebote zu schaffen, die Gründungen und Digitalisierungsvorhaben benötigen, um dauerhaft erfolgreich sein zu können. „Deshalb unterstützt auch Creditreform Bonn aus voller Überzeugung den Digital Hub und hat sich als Aktionär beteiligt“, betonte Rossen. „Ich glaube an den mittel- und langfristigen Erfolg dieser spannenden Standortinitiative.“

Stand: 29.10.2018 14:31