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Weihnachtsfeier 2018: Die steuerliche Behandlung
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Weihnachtsfeier 2018: Die steuerliche Behandlung

Rechtzeitig zu den anstehenden Weihnachtsfeiern im Dezember erinnern wir an die steuerliche Behandlung der damit zusammenhängenden Kosten. Zumal es einige Neuigkeiten aus der jüngeren Rechtsprechung der Finanzgerichte zu berichten gibt. Die Ausführungen gelten auch für andere Betriebsveranstaltungen.

Betriebsveranstaltungen sind Veranstaltungen auf betrieblicher Ebene, die das Betriebsklima fördern sollen. Hierzu gehören neben der Weihnachtsfeier auch:
–Betriebsausflüge,
–Jubiläumsveranstaltungen,
–Besichtigungen,
–der Besuch von Karnevalsveranstaltungen,
–ein Gaststättenbesuch mit Nutzung der Kegelbahn,
–Schiffahrten u.Ä.
Sportliche oder kulturelle Veranstaltungen sind nur dann begünstigt, wenn diese mit einem geselligen Beisammensein verbunden sind, z.B. wenn eine GmbH ihre Mitarbeiter vor oder nach einem Theaterbesuch zu einem gemeinsamen Essen einlädt. Bei einer Einladung zum Besuch eines Bundesligaspiels ist es erforderlich, dass anschließend alle Arbeitnehmer zusammen „in geselliger Runde“ zumindest einige Getränke zu sich nehmen. Ohne ein vorheriges oder anschließendes geselliges Beisammensein muss der Preis der Eintrittskarte als Arbeitslohn versteuert werden. Steuerpflichtig ist auch die bloße Übergabe eines Weihnachtsgeschenks am Arbeitsplatz anlässlich des bevorstehenden Weihnachtsfestes. Der Geschäftsführer darf nicht nur einen oder wenige Arbeitnehmer zur Weihnachtsfeier einladen. Er muss alle Betriebsangehörigen einladen. Es ist allerdings nicht erforderlich, dass alle Arbeitnehmer tatsächlich teilnehmen. Unternehmen können den Teilnehmerkreis begrenzen, wenn es sich bei der Begrenzung nicht um die Bevorzugung einer bestimmten Arbeitnehmergruppe handelt. Aus diesem Grund sind Betriebsveranstaltungen begünstigt, die z.B.
–jeweils nur für eine Organisationseinheit eines Betriebs, z.B. eine Abteilung,
durchgeführt werden, wenn alle Arbeitnehmer dieser Organisationseinheit daran teilnehmen können,
–nur für alle im Ruhestand befindlichen früheren Arbeitnehmer des Unternehmens veranstaltet werden.

Auch Minijobber müssen eingeladen werden. Diese können problemlos teilnehmen, weil die
–Kosten bis zu einem Betrag von 110 € je Betriebsveranstaltung lohnsteuerfrei sind und
–Beträge, die über 110 € hinausgehen, gemäß § 1 Abs. 2 Nr. 3 SvEV nicht zum sozialversicherungspflichtigen Arbeitslohn gehören, wenn sie vom Arbeitgeber gemäß § 40 Abs. 2 Nr. 2 EStG pauschal mit 25% versteuert werden.

Das bedeutet, dass durch derartige Zuwendungen die 450-€-Grenze nicht überschritten wird. Der Freibetrag gilt für bis zu zwei Betriebsveranstaltungen jährlich. Nimmt der Arbeitnehmer an mehr als zwei Betriebsveranstaltungen teil, können die beiden Veranstaltungen, für die der Freibetrag jeweils gelten soll, ausgewählt werden.

Ermittlung des Freibetrags von 110 € pro Teilnehmer

Zuwendungen an den einzelnen Arbeitnehmer anlässlich einer Betriebsveranstaltung sind bis zu 110  € steuerfrei. Dabei handelt es sich um einen Freibetrag, der auch dann zum Ansatz kommt, wenn die Aufwendungen pro Teilnehmer höher sind als 110 € (§ 19 Abs. 1 Nr. 1a EStG). Maßgebend ist der Bruttobetrag einschließlich Umsatzsteuer. Es müssen nach dem Gesetz alle Aufwendungen des Arbeitgebers einschließlich Umsatzsteuer einbezogen werden, unabhängig davon, ob sie dem einzelnen Arbeitnehmer individuell zugerechnet werden können oder ob es sich um einen rechnerischen Anteil an den Kosten der Betriebsveranstaltung handelt, die der Arbeitgeber gegenüber Dritten für den äußeren Rahmen der Betriebsveranstaltung aufwendet. Zu den Aufwendungen, die einer Betriebsveranstaltung zuzuordnen sind, gehören nach dem BMF-Schreiben vom 14.10.2015 (BStBl I 2015, S. 832) u.a.
–Speisen, Getränke, Tabakwaren und Süßigkeiten,
–Fahrt- und Übernachtungskosten,
–Aufwendungen für den äußeren Rahmen, z.B. für Räume, Beleuchtung oder einen Eventmanager bzw. für Musik, Kegelbahn, künstlerische oder artistische Darbietungen,
–Eintrittskarten für kulturelle und sportliche Veranstaltungen – wenn es sich um einen Teil der geselligen Veranstaltung handelt,
–Geschenke ohne bleibenden Wert, z.B. ein Weihnachtspäckchen bei einer betrieblichen Weihnachtsfeier.

Das Finanzgericht Köln hatte sich kürzlich mit der Frage zu beschäftigen, ob die Kosten einer Betriebsveranstaltung aufzuteilen sind
–auf die Zahl der angemeldeten Teilnehmer oder
–auf die Zahl der anwesenden Teilnehmer

Beispiel:
Eine GmbH mit 30  Arbeitnehmern (einschließlich zwei Geschäftsführern) veranstaltet eine Weihnachtsfeier. Aufgrund der Teilnehmeranmeldungen (25 Arbeitnehmer) entstehen der GmbH Kosten in Höhe von 2.500 €, also 100 € pro Person. Bei der Weihnachtsfeier erscheinen 20 Personen, fünf Personen haben kurzfristig abgesagt. Die Kosten der Veranstaltung (einschließlich Musikkapelle und Abendbuffet) lassen sich nicht mehr reduzieren und betragen jetzt (2.500 € : 20 =) 125 € pro Person.
Konsequenzen: Nach Auffassung der Finanzverwaltung (BMF-Schreiben vom 14.10.2015, a.a.O.) ist für die Ermittlung des Freibetrags von 110 € die Zahl der teilnehmenden Personen maßgeblich, sodass auf jeden Teilnehmer 125 € entfallen. Der den Freibetrag von 110  € übersteigende Betrag muss von jedem anwesenden Arbeitnehmer als Lohn versteuert werden, wenn sich die GmbH nicht dazu entschließt, diesen Beitrag pauschal zu versteuern.
Wichtig: Da der Freibetrag im Beispiel überschritten wird, entfällt der Vorsteuerabzug aus allen Eingangsrechnungen für die Weihnachtsfeier. Das Finanzgericht Köln ist in seinem Urteil vom 27.6.2018 (Az. 3 K 870/17) zu einem anderen Ergebnis gekommen. Die Kosten der Veranstaltung seien auf die Personenzahl zu verteilen, die sich zu der Veranstaltung angemeldet haben. Im vorstehenden Beispiel waren das 25 Personen, sodass auf jede Person 100 € entfallen. In diesem Fall fällt keine Lohnsteuer an und der Vorsteuerabzug der GmbH aus den Eingangsrechnungen für die Weihnachtsfeier bleibt in vollem Umfang erhalten. Das Finanzgericht vertritt die Auffassung, dass es nicht nachvollziehbar sei, weshalb den Teilnehmern an der Weihnachtsfeier die vergeblichen Aufwendungen des Arbeitgebers für die abwesenden Mitarbeiter zuzurechnen seien.
Zumal die Feiernden keinen Vorteil durch die Absage ihrer Kollegen gehabt hätten. Die Argumentation des FG Köln überzeugt. Die Finanzverwaltung hat gegen das Urteil Revision beim BFH eingelegt (BFH Az. IV R 31/18). Bis dieser entscheidet, ist es empfehlenswert, gegen einschlägige Bescheide des Finanzamts Einspruch einzulegen und das Ruhenlassen des Verfahrens bis zum BFH-Urteil zu beantragen.

Reisekosten der Arbeitnehmer zur Weihnachtsfeier

Arbeitgeber können ihren Arbeitnehmern die bei einer Betriebsveranstaltung anfallenden Reisekosten (Fahrt- und Übernachtungskosten, Verpegungsmehraufwendungen) steuerfrei erstatten, wenn
–die Veranstaltung außerhalb der ersten Tätigkeitsstätte des Arbeitnehmers stattfindet,
–der Arbeitnehmer wegen der Betriebsveranstaltung anreisen muss und
–der Arbeitnehmer seine An- und Abreise selbst organisiert.
Diese Reisekosten gehören nicht zu den Kosten der Betriebsveranstaltung, die in die 110-€-Freibetragsberechnung einfließen. Sie können dem Arbeitnehmer eigenständig nach § 3 Nr. 13 oder 16 EStG steuerfrei erstattet werden.

Pauschale Versteuerung der steuerpflichtigen Zuwendungen durch die GmbH

Die GmbH zieht ihre Aufwendungen für eine Betriebsveranstaltung immer als Betriebsausgaben ab. Sie wendet ihren Arbeitnehmern aber zugleich einen geldwerten Vorteil zu, der bei den Arbeitnehmern als steuerpflichtiger Arbeitslohn zu erfassen ist, wenn sie mehr als zwei Betriebsveranstaltungen im Jahr durchführt (ab der dritten Veranstaltung) oder soweit der Betrag von 110 € pro Arbeitnehmer überschritten wird. Die GmbH hat dann zwei Möglichkeiten:
–Sie ermittelt die Zuwendungen je Arbeitnehmer, die in der individuellen Lohnabrechnung zu erfassen sind. In diesem Fall fallen neben einer höheren Lohnsteuer Beiträge zur Sozialversicherung an, die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen.
–Die GmbH versteuert den geldwerten Vorteil gemäß § 40 Abs. 2 Nr. 2 EStG pauschal mit 25%. Es fallen dann keine Sozialversicherungsbeiträge an. Die pauschale Besteuerung mit 25% ist unabhängig von der Zahl der Arbeitnehmer und der Höhe des jeweiligen zu versteuernden Einkommens.

Umsatzsteuerliche Besonderheiten, insbesondere Vorsteuerabzug

Zuwendungen im Rahmen von Betriebsveranstaltungen liegen im betrieblichen Interesse des Arbeitgebers, soweit sie sich im üblichen Rahmen halten. Bei einem Betrag bis zu einer Höhe von 110 € einschließlich Umsatzsteuer je Arbeitnehmer und Betriebsveranstaltung ist von einer üblichen Zuwendung auszugehen (BMF-Schreiben vom 14.10.2015, Zi. 7). Dies gilt nicht bei mehr als zwei Betriebsveranstaltungen im Jahr (die dritte und jede weitere Veranstaltung ist unüblich) oder mehr als 110 € je Veranstaltung und Arbeitnehmer. In diesem Fall steht die Befriedigung des privaten Bedarfs im Vordergrund mit der Konsequenz, dass der Vorsteuerabzug aus den Eingangsrechnungen für die Veranstaltung insgesamt entfällt.

Stand: 11.12.2018 13:28