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Tax Compliance: War früher alles besser? Wie Mittelständer sich vor Strafen schützen können

Tax Compliance: War früher alles besser? Wie Mittelständer sich vor Strafen schützen können

Fehler bei der Umsatzsteuermeldung können heute im schlimmsten Fall den Tatbestand der Steuerhinterziehung erfüllen. Experten gehen sogar davon aus, dass vor allem dem Mittelstand in Zukunft vom Finanzamt noch mehr steuerliche Pflichten auferlegt werden. Das ist schon immer ein Problem gewesen, nur verhärten sich die Fronten heutzutage.

Kleine Fehler mit schwerwiegenden Folgen
Tax Compliance bedeutet, steuerrechtlich korrekt zu handeln. Die meisten Unternehmer gehen davon aus, in diesem Sinne „compliant“ zu handeln: Steuererklärungen werden rechtzeitig erstellt, Steuerpflichten rechtzeitig beglichen. Vor allem bei jenen, die schon länger aktiv sind, gilt das kölsche Motto: „Et hätt noch immer jot jejange!“ Tatsache ist aber, dass sich die Verpflichtungen für Unternehmer ändern. Mittelständler, die bis dato vieles in ihrer Tax Compliance richtig gemacht haben, können nach diversen Änderungen im Gesetz nun falsch liegen. Dass Unternehmer ihre Situation falsch einschätzen, hat oft mit der Größe des Betriebs zu tun. Vor allem Firmen mit Korrespondenzen im Ausland begehen häufig unwissentlich Fehler: Ausgangslieferungen werden im Handel beispielsweise fälschlich als steuerfrei angesetzt. Auch die Angaben zur Höhe der Umsatzsteuer (7% oder 19%) sind ein Grund für Fehler. Ein beliebtes Beispiel ist das eines Weinhändlers, der über viele Jahre lang Geschenkkörbe verkauft hat, doch durch die unterschiedlichen Waren in diesem Korb hat er nie die korrekte Umsatzsteuer ausgewiesen und berechnet. Viele Fehler werden vollkommen unwissentlich gemacht.

Aber: Gerade bei falscher Umsatzsteuerabführung können die Folgen fatal sein! Nicht selten endet beispielsweise eine Betriebsprüfung mit einer Klage vor dem Finanzgericht. Solche Fehler, egal ob beabsichtigt oder nicht, können schnell als vorsätzliches oder leichtfertiges Handeln ausgelegt werden. Der Fiskus hat vor allem bei der Umsatzsteuer die Betriebe stark im Visier. Das einzige Mittel, was wirklich hilft, ist ein Tax Compliance System. Wenn ein System besteht, das dafür sorgt, Steuerpflichten fristgerecht zu erfüllen, liegt für das Finanzamt die Vermutung des Vorsatzes ferner – das ist ganz klar zu betonen. Mit internen Systemen werden also nicht nur Mitarbeiterinnen wie auch Mitarbeiter bei der täglichen Arbeit entlastet, sondern ein Unternehmen kann sich auch auf lange Sicht vor bösen Überraschungen schützen.

Tax-Compliance-Management-Systeme als Selbstschutz
Die konkrete Gestaltung eines solchen Systems ist sehr individuell. Das sind beispielsweise digitale Lösungen oder klare Aufgabenstrukturen, die Unternehmen bestenfalls zusammen mit einem Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer aufsetzen. Ein sogenanntes Tax CMS (Tax-Compliance-Management-System) ist also nicht zwingend ein Computerprogramm, sondern kann auch ein ausgeklügelter Handlungsplan sein. Wichtig ist nur, dass dieser Plan umgesetzt wird und die Automatismen klar sind! Dem Finanzgericht ein Tax CMS vorlegen zu können, bedeutet schon im Vorfeld Schadenbegrenzung zu betreiben.

Früher war alles besser? Sicher ist, dass der deutsche Mittelstand jetzt strenger kontrolliert und mit mehr Kontrollpflichten belastet wird. Deshalb ist jedem geraten, schnellstmöglich die Tax Compliance im eigenen Unternehmen zu optimieren, damit aus kleineren Fehlern keine zu schweren Folgen erwachsen.

 

René Feldgen
Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und geschäftsführender Gesellschafter DORNBACH Köln/Bergisch Gladbach
www.dornbach.de

Stand: 11.11.2019 07:58