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SchuldnerAtlas 2018

SchuldnerAtlas 2018

Metropolregion Köln/Bonn – Schuldnerquoten in Problemvierteln nehmen weiter zu

In Deutschland waren im Oktober 2018 fast sieben Millionen Privatpersonen überschuldet. Die Quote betrug 10% – in Nordrhein-Westfalen allerdings 11,7%. Genauso hoch ist sie in Köln, während in Bonn 8,87% der Privatpersonen überschuldet sind. Dies zeigt der Ende November von Creditreform Bonn und Creditreform Köln vorgelegte „SchuldnerAtlas 2018 – Metropolregion Köln/Bonn“. Die Ergebnisse sollten die mittelständische Wirtschaft interessieren. Denn wer Waren und Dienstleistungen an Endkunden verkauft, ist auf die Zahlungsfähigkeit der Kunden angewiesen. Es droht das Risiko von Zahlungsausfällen.

Das Rheinland ist und bleibt eine starke Wirtschaftsregion. Wie das „Konjunkturbarometer Rheinland“ der dortigen Industrie- und Handelskammern im Herbst zeigte, verliert der Aufschwung zwar an Kraft, hält aber weiterhin an. Nicht einmal jedes zehnte Unternehmen sei aktuell unzufrieden. Der Geschäftslageindex, der die Differenz aus guten und schlechten Einschätzungen abbildet, erreichte im Herbst mit 39,4 Punkten den zweitbesten Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2003. Das sind gute Nachrichten. Weniger gute lieferte Ende November der aktuelle „SchuldnerAtlas 2018 – Metropolregion Köln/Bonn“ von Creditreform Köln und Creditreform Bonn. In den meisten Gebieten der Metropolregion Köln/Bonn hat sich die Schuldnerquote gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig verändert.
So gelten bspw. in der Stadt Köln 105.300 Personen als überschuldet. Das sind zwar erneut mehr Personen als im Vorjahr. Weil im gleichen Zeitraum die Einwohnerzahl zugenommen hat, sinkt die Schuldnerquote ganz leicht von 11,78% im Jahr 2017 auf nun 11,67%. In der Bundesstadt Bonn hat die Zahl der Schuldner leicht abgenommen: Sie sank um 130 auf 23.610 – und mit ihr die Schuldnerquote um moderate 0,13 auf 8,87%. Somit gilt jeder elfte Einwohner Bonns ab 18 Jahren als überschuldet, in Köln triff das dagegen fast auf jeden achten zu.
Die geringste Schuldnerquote von allen untersuchten Gebieten der Metropolregion Köln/Bonn weist weiterhin der Kreis Ahrweiler auf; die Quote liegt, wie im Vorjahr, bei 8,7%. Im bundesweiten Vergleich belegt der Kreis Ahrweiler damit allerdings auch in diesem Jahr nur Platz 150 von 401 Kreisen und kreisfreien Städten. Der Rhein-Sieg-Kreis folgt auf Platz 161, Bonn verbesserte sich um zehn Positionen auf Platz 164. Köln belegt Platz 324, acht Ränge besser als im Vorjahr. Die zweithöchste Schuldnerquote in der Metropolregion Köln/Bonn nach Köln verzeichnet der Rhein-Erft-Kreis mit 11,4%; Platz 311 im Deutschlandvergleich.
Als überschuldet gelten Personen über 18  Jahre, die die Summe ihrer fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen können und denen zur Deckung ihres Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Köln: Schuldnerquote in Vierteln mit hoher Überschuldung steigt weiter

Auffällig sind die erheblichen Unterschiede zwischen einzelnen Stadtteilen und Gemeinden. Während bspw. in den Kölner Stadtteilen Widdersdorf, Lindenthal und Fühlingen nur rund 5% der Bevölkerung über 18 Jahre als überschuldet gelten, belegen Gremberghoven (26,5%), Meschenich (24,7%) und Lindweiler (22,3%) traurige Spitzenplätze. Hier ist jede fünfte bis jede vierte Person überschuldet.
„Auffällig ist zudem, dass in einigen Vierteln mit hoher Überschuldung die Schuldnerquote weiter steigt“, betont Moritz von Padberg, Geschäftsführer der Creditreform Köln v. Padberg KG und einer der beiden Herausgeber des „SchuldnerAtlasses 2018 – Metropolregion Köln/Bonn“. Beispiele dafür sind Meschenich, Bilderstöckchen und Lindweiler. Ebenso auffällig: Zu den Stadtteilen mit der größten Verbesserung zählen gleichfalls einige Viertel mit einem besonders hohen Überschuldungsanteil. So sank die Schuldnerquote in Roggendorf/Thenhoven und Gremberghoven spürbar.

Bonn: starke Spreizung zwischen Stadtteilen mit hoher und geringer Verschuldung

Auch in der Bundesstadt Bonn liegen 16 bis 20  Prozentpunkte zwischen den Ortsteilen mit den geringsten Überschuldungsanteilen, etwa Ückesdorf (3,3%) und Venusberg (4,1%), und denen mit einer besonders hohen Schuldnerquote, z.B. Dransdorf (23,2%) und Neu-Tannenbusch (19,7%). Zudem hat die Schuldnerquote in Godesberg-Nord nochmals zugelegt. Inzwischen ist dort nahezu jede fünfte Person überschuldet, so viele wie in kaum einem anderen Bonner Stadtviertel.
In anderen Ortsteilen mit hohem Überschuldungsanteil sank die Schuldnerquote aber überdurchschnittlich, allen voran Godesberg Zentrum und Medinghoven.
„Insgesamt betrachtet lässt sich für Bonn keine einheitliche Aussage treffen. Einerseits sehen wir in einzelnen Stadtteilen die Fortsetzung mittelfristiger Trends sowohl positiv wie auch negativ. Das führt zu einer Spreizung der Stadtteile mit geringen und hohen Überschuldungsanteilen. Andererseits sind jedoch in Stadtteilen mit hoher Überschuldungsquote erfreuliche Rückgänge der Überschuldung zu erkennen“, stellt Jörg Rossen, Geschäftsführer der Creditreform Bonn Rossen KG, fest.
In den Kreisen sind die Ausschläge etwas geringer, doch auch hier lassen sich deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Gemeinden oder Ortsteilen feststellen.

Deutschland: weiterer Anstieg der Überschuldung von Privatpersonen

Der regionale SchuldnerAtlas erscheint alljährlich im Herbst – traditionell nach der Veröffentlichung des bundesweiten SchuldnerAtlasses. Den legte die Creditreform diesmal am 13.11.2018 vor. Ergebnis:
Die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland ist seit 2014 zum fünften Mal in Folge angestiegen. Die Überschuldungsquote bleibt jedoch nahezu konstant, da die Bevölkerung durch Zuwanderung und Migration nochmals leicht zugenommen hat. Zum Stichtag 1.10.2018 wurde für die gesamte Bundesrepublik eine Überschuldungsquote von 10,04% gemessen. Damit sind weiterhin über 6,9 Mio. Bürger über 18 Jahre überschuldet und weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Dies sind rund 19.000 Personen mehr als vergangenes Jahr – ein Plus von 0,3%.

Verschuldete Haushalte – gefährdete Unternehmen?

Die mittelständische Wirtschaft in der Region Köln/Bonn sollte sich nach Ansicht von Jörg Rossen für die Ergebnisse des SchuldnerAtlasses interessieren. „Auch Menschen mit Schulden sind Konsumenten und bestellen Ware“, erklärt der Creditreform-Bonn-Geschäftsführer. Mit anderen Worten: Sämtliche Unternehmen im B-to-C-Geschäft, also alle diejenigen Firmen, die Waren oder Dienstleistungen an Endkunden vertreiben, müssen sich darüber im Klaren sein, dass ein bestimmter Prozentsatz ihrer tatsächlichen oder potenziellen Kunden nicht zahlungskräftig ist, sondern Schwierigkeiten mit dem Begleichen offener Forderungen haben könnte.
„Es passiert leider täglich, dass Privatkunden Rechnungen nicht fristgerecht, unvollständig oder gar nicht bezahlen“, weiß Rossen. Doch Zahlungsverzögerungen, erst recht Ausfälle, können schnell bedrohlich werden, denn sie setzen eine Abwärtsspirale in Gang: Der Liquiditätsmangel führt dazu, dass man selbst in Zahlungsschwierigkeiten gerät. „Das wiederum gefährdet das Rating des eigenen Betriebs“, ergänzt sein Kölner Kollege von Padberg: „Sinkt die Bonität des Unternehmens, kann aus dem Zahlungsausfall schnell ein größeres Liquiditätsproblem werden, denn nun ist es schwieriger, günstige Kredite oder großzügige Zahlungsziele zu erhalten.“
Beiden raten ihren Firmenkunden deshalb zu einer sorgfältigen Kundenauswahl und präventivem Informationsmanagement. Gemeint ist: Jedes Unternehmen sollte sich nicht nur über seine bestehenden Kunden und Geschäftspartner informieren und diese Informationen systematisch verwerten, sondern auch Neukunden frühzeitig überprüfen.
„Auf deren Zahlungsverhalten und Bonität kommt es an“, unterstreicht Rossen. Wer regelmäßig entsprechende Informationen einholt und berücksichtigt, reduziert deutlich die Gefahr von Zahlungsausfällen.
„Jedes Unternehmen sollte die Zahlungskonditionen abhängig vom Risiko gestalten“, empfiehlt von Padberg: „Je höher das Risiko, desto kürzer muss das Zahlungsziel sein.“ Kluge Onlinehändler etwa räumen Kunden mit schwacher Bonität nur die Möglichkeit ein, per Vorkasse zu zahlen, während Kunden mit guter Bonität bspw. auch per Rechnung zahlen können.

 

Creditreform
Seit der Gründung im Jahr 1879 ist es das Ziel von Creditreform, Unternehmen vor Forderungsausfällen zu schützen, die Liquidität vernichten und den Fortbestand von Unternehmen gefährden. Dieser Maxime sind alle Lösungen und Angebote von Creditreform verpflichtet. Heute sorgen 130 Geschäftsstellen in ganz Deutschland dafür, dass die Mitglieder ihre Geschäfte mit minimalem Risiko und maximaler Effizienz abwickeln können. Vom Rhein-Erft-Kreis über die Metropolregion Köln bis in den oberbergischen Kreis unterstützt Creditreform Köln mit 66 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund 3.000 Unternehmen der Region in ihrem Tagesgeschäft. Mit 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist Creditreform Bonn Partner für 2.000 Unternehmenskunden der mittelständischen Wirtschaft in Bonn/Rhein-Sieg, Euskirchen sowie im Rhein-Erft- und Ahrkreis.

www.creditreform-bonn.de

Stand: 06.03.2019 08:30