Resilienz: Risiken managen, Liquidität sichern

Das Bild zeigt eine Hand, die etwas auf dem Tablet tippt.

Die wirtschaftliche Krise hält an. Das Risiko, in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten, ist hoch. Was Unternehmen jetzt tun sollten, um ihre finanzielle Resilienz zu stärken.

Erstmals nach zwei Jahren Abschwung ist die deutsche Wirtschaft im Jahr 2025 wieder gewachsen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg das Bruttoinlandsprodukt, verglichen mit dem Vorjahr, um 0,2 Prozent.

„Damit deutet sich an, dass die deutsche Wirtschaft sich langsam aus ihrer historischen Krise herausarbeitet“, kommentierte im Januar 2026 das „Handelsblatt“. Insbesondere in der Industrie sind zuletzt die Auftragseingänge deutlich gestiegen.

Unternehmen befinden sich in Schwierigkeiten

Dies ändert indes nichts daran, dass sich viele Unternehmen in Schwierigkeiten befinden. So erreichte die Zahl der insolventen Unternehmen in Deutschland Ende 2025 den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Im Jahresverlauf waren 23.900 Firmen mindestens vorläufig am Ende und mussten Insolvenz anmelden – fast 2.000 mehr als im Vorjahr.

Das entspricht einem weiteren Anstieg von 8,3 Prozent, nachdem die Insolvenzanmeldungen in den beiden Jahren zuvor bereits jeweils um knapp 23 Prozent zugelegt hatten.

Dies sind Ergebnisse der aktuellen Untersuchung “Insolvenzen in Deutschland, Jahr 2025”, die die Creditreform Wirtschaftsforschung im Dezember der Öffentlichkeit präsentierte.

Demnach weisen zahlreiche Unternehmen einen hohen Verschuldungsgrad auf und haben unter den aktuellen Bedingungen Schwierigkeiten, bestehende Kredite zu bedienen oder neue Finanzierungen zu erhalten.

Gleichzeitig leidet die deutsche Wirtschaft unter strukturellen Problemen, etwa den hohen Energiekosten, insbesondere in energieintensiven Branchen. Geopolitische Risiken verstärken die Unsicherheit zusätzlich und erschweren eine konjunkturelle Erholung.

Das setzt vor allem den Mittelstand unter massiven Druck. Doch auch wenn die Insolvenzahlen hoch sind: Die allermeisten Unternehmen stehen zum Glück nicht vor einer Insolvenz. Viele Geschäftsmodelle funktionieren weiterhin, die Auftragsbücher sind voll, die Produkte und Dienstleistungen gefragt.

Doch auch gesunde Betriebe fragen sich verstärkt, wie sie auch weiterhin gut durch die Krise kommen. Wie wird oder bleibt man in Zeiten multipler Risiken resilient?

Alle Geschäftspartnerbeziehungen regelmäßig prüfen

Eine wichtige Antwort auf diese Frage: indem man jederzeit alle wichtigen Geschäftspartnerbeziehungen im Blick behält. Denn selbst wenn das eigene Geschäftsmodell stimmt und man die Herausforderungen zu meistern glaubt: Beim Geschäftspartner A, Abnehmer B oder Lieferanten C kann das schon ganz anders aussehen.

In den vergangenen Jahren gerieten auch viele Unternehmen ins Trudeln, die eigentlich gut aufgestellt waren und bei denen lange Zeit die Liquidität stimmte. Nicht selten führt das zu einem Dominoeffekt: Man gesteht längere Zahlungsziele zu, gibt damit Lieferantenkredite.

Forderungen werden fällig und überfällig. Zahlungen bleiben aus. Und schon leidet die eigene Liquidität, sodass man seinerseits Rechnungen erst später bezahlen kann.

“Die Firmen müssen sich im Grunde zu jedem Zeitpunkt klarmachen, dass sich auch lange Zeit gut laufende Geschäftsbeziehungen rasch verändern können und dass plötzlich die eigene Liquidität gefährdet sein kann”, sagt Jörg Rossen, Geschäftsführer der Creditreform Bonn Trier GmbH & Co. KG.

“Das Risiko ist deutlich gestiegen, dass selbst bislang stabile, verlässliche Lieferanten oder Kunden in Schwierigkeiten geraten und damit auch das eigene Geschäft”, so Rossen. Sein Kollege Moritz von Padberg, Geschäftsführer der Creditreform Köln v. Padberg GmbH & Co. KG, ergänzt:

“Deshalb ist es wichtiger denn je, dass Unternehmen jetzt die eigene Position klar bewerten und Entscheidungen treffen, insbesondere hinsichtlich der Risiken in ihren Geschäftspartnerbeziehungen und der Steuerung ihrer Liquidität aus Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Sonst können sie selbst in eine Abwärtsspirale geraten.”


Regelmäßig und engmaschig Auskünfte einholen

Betriebe sind gut beraten, wenn sie bei seriösen Anbietern, wie etwa der Creditreform, regelmäßig und engmaschig Wirtschaftsauskünfte einholen über ihre Geschäftspartner. Und zwar nicht nur über neue, sondern auch über bestehende.

“Wenn die Bonität wichtiger Geschäftspartner nachlässt, muss man entscheiden, ob die Geschäftsbeziehung dennoch aufrecht erhalten werden soll oder muss“, rät Rossen. “Falls ja, dann sollte man jedoch unbedingt die Zahlungsziele anpassen, um auf diese Weise das Risiko von Zahlungsverzögerungen und -ausfällen zu reduzieren.”

Gleichzeitig ist es wichtig, gegenüber Auskunfteien wie der Creditreform die eigene Kreditwürdigkeit darzulegen. Das hat gleich mehrere Vorteile: Erstens sind die eigenen seriösen Angaben die aktuellsten, die über das eigene Unternehmen vorliegen können.

“Zudem trägt man damit aktiv dazu bei, dass bei der Bonitätsbewertung wirklich alle relevanten Informationen berücksichtigt werden“, betont von Padberg. Drittens kann Creditreform eine umso genauere Bewertung vornehmen, je umfassender die Daten sind.

Jederzeit die eigene Bonität im Blick behalten

Eine gute Bonität und eine offene Finanzkommunikation verbessern zudem die Verhandlungsposition im Bankengespräch, wenn es etwa um die Finanzierungskonditionen für Investitionen geht.

Der Zinsaufwand für einen Kredit fällt nämlich äußerst unterschiedlich aus, je nachdem wie der Finanzierungspartner das Kreditausfallrisiko einstuft.

Die eigene Bonität gut im Blick behalten, ist ein wichtiger Resilienz-Baustein – gerade in unsicheren Zeiten. Ein Service wie “Meine Bonität” von Creditreform hilft dabei. Es bietet Nutzern eine permanente Überwachung der eigenen Firmenauskunft.

Und sollte die eigene Bonität sich trotzdem einmal verschlechtern, informiert Creditreform über diesen Service darüber. Nach Übermittlung des neuesten Jahresabschlusses ist auch eine kostenlose Bilanzanalyse samt Erläuterung der eigenen Kennzahlen sowie Vergleich mit der Branche möglich. So kann man rasch durch proaktive Informationen reagieren.

Rechnungen sofort stellen, auf Details achten

Ebenso wichtig ist es, nach Leistungserbringung die jeweilige Rechnung zu stellen. “Jede Verzögerung gefährdet unnötig die eigene finanzielle Stabilität”, betont Rossen. Er rät zudem, dabei unbedingt auf die korrekte und vollständige Aufzählung der erbrachten Leistungen und der vereinbarten Preise zu achten.

“Das klingt selbstverständlich, wir beobachten aber immer wieder, dass es manche Unternehmen da nicht so genau nehmen”, ergänzt von Padberg. Das Problem: Jeder Fehler, jede Ungenauigkeit in der Rechnung kann von den Kunden dazu genutzt werden, die Zahlung hinauszuschieben oder zu verweigern.

Übrigens bedeutet ein klarer, jederzeitiger Fokus auf die eigene Liquidität nicht, dass man auf finanzielle Anreize für Geschäftspartner verzichten muss. Skonto anzubieten, ist auch in Krisenzeiten ein probates Mittel, um Auftraggeber zu animieren, zügig zu zahlen.

Zentraler Resilienz-Baustein: straffes Mahnwesen

Trotzdem kommt es immer wieder zu verzögerten oder ausbleibenden Zahlungen – gerade in Krisenzeiten. Wie der Anfang Februar veröffentlichte “Creditreform Zahlungsindikator Deutschland Winter 2025/26” zeigt, reduzierte sich 2025 der Zahlungsverzug in Deutschland zwar auf durchschnittlich 7,5 Tage.

Zum Vergleich: 2022 lag er noch bei fast elf Tagen. Die gesamte Forderungslaufzeit blieb allerdings unverändert, weil zugleich häufig die Zahlungsziele verlängert wurden.

Die Analyse zeigt zudem, dass nicht alle Unternehmen im selben Maß von der Ausweitung der Zahlungsziele profitierten: Kleine und mittlere Firmen kamen meist nicht in den Genuss längerer Zahlungsfristen.

Teilweise mussten sie sogar eine Kürzung hinnehmen. So oder so: Um resilienter zu werden, müssen Betriebe ein ordnungsgemäßes Mahnwesen in ihr Risikomanagement integrieren.

Schriftliche Mahnungen dokumentieren den Zahlungsanspruch und verleihen einer Forderung Nachdruck.

Außerdem sollte eine Liefer- oder Leistungssperre als mögliche Folge an den Schuldner kommuniziert werden. Wird nicht gezahlt, sollte man rasch Kontakt aufnehmen und versuchen, strittige Punkte telefonisch zu klären.

Führt das zu keinem Ergebnis, sollte man anschließend unverzüglich einen Inkassodienstleister wie Creditreform und bei strittigen Forderungen einen Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin mit dem Forderungseinzug beauftragen.

“Hier sollte man keine falsche Scheu haben”, sagt Rossen. Darüber hinaus können Zahlungsstörungen existenzgefährdend sein. Sollten sich die Prognosen bestätigen, könnte sich die deutsche Wirtschaft 2026 etwas erholen und wieder wachsen.

Die enormen Risiken bleiben jedoch. “Es bleibt also die Aufgabe jedes einzelnen Unternehmens, die eigene Resilienz zu stärken”, argumentiert von Padberg. Dazu gehöre auch die Sicherung der eigenen Liquidität.



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