Neuigkeiten
Startseite / Themen / Aktuell / Reisekostenrecht: BMF-Schreiben zur Inanspruchnahme von Verpflegungspauschalen
Reisekostenrecht: BMF-Schreiben zur Inanspruchnahme von Verpflegungspauschalen

Reisekostenrecht: BMF-Schreiben zur Inanspruchnahme von Verpflegungspauschalen

Mit der Reform des steuerlichen Reisekostenrechts ab 2014 sollte eigentliche eine Vereinfachung bei der Abrechnung der Reisekosten erreicht werden. Ein aktuelles BMF-Schreiben belegt aber, dass auch die Neuregelung eine Reihe von Zweifelsfragen aufwirft, die jetzt einer „amtlichen“ Klärung bedurften. Dazu gehört u.a. die Drei-Monats-Frist am auswärtigen Einsatzort, innerhalb derer Verpflegungspauschalen beansprucht werden können (§ 9 Abs. 4a EStG).

Ein Arbeitnehmer (GmbH-Geschäftsführer) kann keine Verpflegungspauschale als Werbungskosten geltend machen, wenn er

–    nicht mehr als acht Stunden auswärtig tätig ist oder

–    länger als drei Monate am selben auswärtigen Einsatzort tätig ist.

Stellt z.B. eine GmbH ihrem Geschäftsführer kostenlos eine Mahlzeit zur Verfügung, ist der Wert nach der amtlichen Sachbezugsverordnung als Arbeitslohn anzusetzen, wenn der Wert der Mahlzeit 60 Euro nicht übersteigt (§ 8 Abs. 2 Sätze 8 und 9 EStG). Der Ansatz als Arbeitslohnunterbleibt insgesamt, wenn der Geschäftsführer Verpflegungspauschalen als Werbungskosten geltend machen könnte. Ist er länger als drei Monate am selben auswärtigen Einsatzort tätig, hat er nach Ablauf der Drei-Monats-Frist keinen Anspruch auf eine Verpflegungspauschale. Bei der Ermittlung der Drei-Monats-Frist ist Folgendes zu beachten:

–    Sucht der Geschäftsführer im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit mehrere oder ortsfeste betriebliche Einrichtungen innerhalb eines großräumigen Werks- oder Betriebsgeländes auf, handelt es sich um die Tätigkeit an einer Tätigkeitsstätte.

–    Handelt es sich um einzelne ortsfeste betriebliche Einrichtungen verschiedener Auftraggeber oder Kunden liegen mehrere Tätigkeitsstätten vor. Das gilt auch dann, wenn sich die verschiedenen Tätigkeitsstätten in unmittelbarer räumlicher Nähe zueinander befinden.

Beispiel:

Eine GmbH hat ihren Betriebssitz in Düsseldorf als erste Tätigkeitsstätte ihres Geschäftsführers bestimmt. Dieser sucht arbeitsvertraglich um 8 Uhr die Filiale der GmbH in Bonn auf, um dort nach dem Rechten zu sehen. Von 10 Uhr bis 16.30 Uhr sucht er regelmäßig Kunden im Rhein-Sieg-Kreis auf und fährt anschließend zur Filiale in Bonn zurück, um dort Nacharbeiten zu erledigen.

Der Geschäftsführer führt arbeitstäglich in der Filiale in Bonn Vorbereitungs- und Nacharbeiten durch. Somit handelt es sich – bezogen auf diese Tätigkeit – um eine längerfristige berufliche Auswärtstätigkeit an derselben Tätigkeitsstätte.

Konsequenz:

Während der ersten drei Monate kann der Geschäftsführer Verpflegungspauschalen geltend machen, weil die Zeit für Vorbereitungs- und Nacharbeiten sowie für Außendienst pro Tag mehr als acht Stunden beträgt. Nach Ablauf von drei Monaten können die Zeiten für Vorbereitungs- und Nacharbeiten nicht mehr berücksichtigt werden, weil es sich insoweit um eine längerfristige berufliche Auswärtstätigkeit an derselben Tätigkeitsstätte handelt. Es kann nur noch die Zeit im Außendienst berücksichtigt werden, die von 10 Uhr bis 16.30 Uhr dauert. Weil die Abwesenheit dann nicht mehr als acht Stunden dauert, können jedoch keine Verpflegungskosten geltend gemacht werden.

 

Weiterführende Literatur:  Reisekosten und Bewirtungskosten des GmbH-Geschäftsführers