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Persönlichkeit erfassen, erkennen, entwickeln

Persönlichkeit erfassen, erkennen, entwickeln

» Interview
„Wir haben schon mal so einen Persönlichkeitstest gemacht. Wir sind also durch mit dem Thema.“ Solche Antworten auf Fragen zur Arbeit mit Persönlichkeitsanalysen sind nicht selten. Sie zeigen, dass das Wissen über diagnostische Instrumente in vielen Unternehmen durchaus ausbaufähig ist. gmbhchef sprach mit Markus Brand, Frauke Ion und Sonja Wittig vom Institut für Persönlichkeit über den Nutzen von Persönlichkeitsanalysen.

Warum sollten Geschäftsführer in Persönlichkeitsanalysen investieren? Ist das nicht alles nur teurer „Psychokram“, der das aufzeigt, was man sowieso schon weiß?

Sonja Wittig: Diagnostische Instrumente liefern eine wissenschaftlich fundierte Basis für die Personal- und Organisationsentwicklung eines Unternehmens. Oft spiegeln die Ergebnisse aus den Analysen das wieder, was wir instinktiv schon wussten. Was die Tools aber so wertvoll macht: Sie fassen das, was Menschen bis dahin nicht benennen konnten, in allgemeinverständliche Worte.

Sie zeigen auf „Wer bin ich? Wer bist du? Wer sind wir?“ Kurz: Persönlichkeitsanalysen unterstützen dabei, andere besser zu verstehen. Warum ist es für Unternehmen denn überhaupt so wichtig, die Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter und Führungskräfte zu kennen?

Sonja Wittig: Ein Unternehmen wird durch die vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten seiner Mitarbeiter geprägt. Jeder von ihnen verfügt über individuelle Stärken, Schwächen und Potenziale und schleppt in seinem „Lebensrucksack“ unterschiedliche Bedürfnisse, Sicht- und Verhaltensweisen mit sich herum. Mit diesem Gepäck auf dem Rücken treffen wir Menschen in unserem Alltag nun auf andere und setzen häufig voraus, dass unsere Bedürfnisse, Sicht und Verhaltensweisen die einzig richtigen sind.

Doch wenn Unternehmen wirklich erfolgreich sein wollen, dann müssen sie die Persönlichkeiten ihrer Mitarbeiter in ihrer Unterschiedlichkeit akzeptieren, verstehen und zu nutzen wissen. Wenn Mitarbeiter und Führungskräfte erkennen, dass Menschen unterschiedlich ticken und dass aus genau dieser Diversität viele Chancen und Synergien für die Teamarbeit entstehen, dann können sie gut und effizient zusammenarbeiten.

Reicht es denn nicht, nur eine Persönlichkeitsanalyse durchzuführen?

Frauke Ion: Je nach Kontext kann mal das eine, mal das andere Werkzeug und maleine Kombination verschiedener Instrumente zum Erfolg führen. Die folgende Metapher soll das etwas deutlicher machen: Die menschliche Persönlichkeit ist mit einem Puzzle aus mehreren Hundert Teilen zu vergleichen. Durch eine erste Persönlichkeitsanalyse lassen sich 50 zusammenhängende Teile definieren, die zum Beispiel Aufschluss über die Verhaltenspräferenz eines
Menschen geben.

Wenn Menschen nun noch etwas über ihre Motive, Werte oder ihre Wirkungs- und Wahrnehmungskompetenz erfahren möchten, dann führen sie drei weitere Analysen durch und 150 neue zusammenhängende Puzzleteile kommen hinzu. So nimmt das Bild der Persönlichkeit immer klarere Formen an und bietet gezielte Ansätze zur Weiterentwicklung. 

Unternehmen brauchen für die Personalarbeit heutzutage einen gut ausgestatteten Werkzeugkoffer, aus dem sie sich individuell bedienen. Denn wenn es nur einen Hammer gibt, sieht auch alles aus wie ein Nagel. Einen Marktüberblick über die aktuellen Tools bietet übrigens das „Handbuch der Persönlichkeitsanalysen. Die führenden Tools im Überblick“ – ein aktuelles Nachschlagewerk der führenden Diagnostikinstrumente im deutschsprachigen Raum.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Vorteile von Persönlichkeitsanalysen in Unternehmen?

Markus Brand: Ob zur passgenauen Personalauswahl oder in der Führungskräfteentwicklung, im Rahmen eines kulturgerechten Changemanagements oder im zielgruppenspezifischen Personalmarketing – Persönlichkeitsanalysen lassen sich in Unternehmen vielseitig und gewinnbringend einsetzen und nutzen. Die folgenden drei Gründe sprechen für den Wert von Persönlichkeitsanalysen.

Erstens: Sie schaffen eine persönliche Relevanz. Die Mitarbeiter beschäftigen sich mit ihrem Profil und fühlen sich individuell abgeholt, da die Analyse allein auf ihrer Einschätzung beruht. Sie bekommen Antworten auf Fragen wie „Was macht mich aus? Wie ticke ich?“. Diese Erkenntnisse geben ihnen die Chance, sich besser zu verstehen und sich gezielt weiterzuentwickeln.

Ebenso bekommen Führungskräfte ein konkretes Bild ihrer Mitarbeiter, um sie individuell führen und fördern zu können. Der zweite Vorteil: Persönlichkeitsanalysen gewährleisten ein hohes Maß an Objektivität. Die Ergebnisse basieren nicht auf dem „Bauchgefühl“ der Führungskraft oder des Mitarbeiters, sondern auf den Daten des Menschen, um den es tatsächlich geht. So werden Konflikte und Missverständnisse verhindert, die häufig entstehen, wenn Menschen einander ein Feedback geben oder sich gegenseitig einschätzen. Und der dritte Vorteil: Persönlichkeitsanalysen fördern eine gemeinsame Sprache.

Diagnostische Instrumente bringen komplexe Persönlichkeitseigenschaften in ein allgemeinverständliches Vokabular und bieten so einen persönlichen Rahmen, um über die unterschiedlichen Persönlichkeitsfacetten ins Gespräch zu kommen.

Stand: 18.08.2016 16:58