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Nachhaltigkeit: Was können Innovationen hierzu beitragen?

Nachhaltigkeit: Was können Innovationen hierzu beitragen?

Die erfolgreiche Auseinandersetzung mit Themen wie Klimawandel, Energieverbrauch, Umweltschutz oder Ressourcenknappheit ist für die zukünftige Entwicklung der Menschheit und Umwelt sehr hilfreich und auf lange Sicht wahrscheinlich auch überlebensnotwendig.

Wissenschaftliche Ergebnisse deuten darauf hin, dass zumindest ein Teil der Erderwärmung auf Einflüsse des Menschen zurückzuführen ist. Dies dürfte eine Erklärung dafür sein, dass sich Bedürfnisse sowie Kaufentscheidungen der Konsumenten seit Jahrzehnten stärker in Richtung nachhaltiger Gesichtspunkte entwickeln. Zahlreiche Branchen – von der Automobilindustrie, über die Lebensmittelbranche oder dem Finanzsektor, bis zur Energiebranche – beginnen sich hierauf einzustellen.

Nachhaltigkeit und Innovationen

Die entscheidende Frage, die sich – mit Blick auf die Steigerung der Nachhaltigkeit – stellt, ist, wie diese erreicht werden kann. Dabei wird der Verzicht auf Energie oder Rohstoffe selten eine in der Praxis realisierbare Lösung ökologischer Probleme darstellen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Industrienationen Schwellen- oder Entwicklungsländern moralisch-ethische Vorschriften machen. Dagegen stellen sehr oft Innovationen den Königsweg zur Erzielung von mehr Nachhaltigkeit dar. Innovationen bieten die Möglichkeit, in ökonomischer (z.B. Konzept der Verschmutzungsrechte), ökologischer (z.B. Innovationen, die zu Einsparung von Ressourcen führen) oder sozialer (z.B. genossenschaftliche Geschäftsmodelle, wie sie durch Fair Trade gefördert werden) Hinsicht für mehr Nachhaltigkeit zu sorgen. Ungezählte Innovationen, die in den letzten Jahrzehnten gemacht wurden, bestätigen diese These. Produktinnovationen, die in der Baubranche für mehr Nachhaltigkeit sorgen, sind beispielsweise Niedrigenergiehäuser und neuartige Materialien. Der Markt für Umwelttechnologie zeigt, wie eng Ökonomie und Ökologie zusammenhängen. Bei der Nutzung regenerativer Energien spielen Prozessinnovationen eine zentrale Rolle. Hier kann beispielsweise der Prozess neuartig sein, wie Strom über Windturbinen erzeugt wird. Es sind vor allem Innovationen, welche die Nutzung regenerativer Energien oder höhere Energieeffizienz erst ermöglichen. Zirkuläre Geschäftsmodelle in der Baubranche zeigen, dass konzeptionelle Innovationen von Bedeutung sein können.

Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility

In vielen Unternehmen – insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen – ist das Konzept Corporate Social Responsibility (CSR) oftmals nicht bekannt oder wird primär als „soziale Verantwortung“ verstanden. Trotzdem trägt eine Vielzahl von mittelständischen Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung und setzt Maßnahmen oder Aktivitäten des Konzepts der CSR um, ohne dass diese sich konkret auf dieses Konzept beziehen. Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen wird es – u.a. wegen der traditionellen Verwurzelung in einer Region und den intensiveren Beziehungen zu Mitarbeitern und Kunden – als Selbstverständlichkeit angesehen, Mitarbeiter und Kunden fair zu behandeln, die Umwelt zu schützen sowie einen positiven Beitrag zu der lokalen Gemeinschaft zu leisten. Ziel von CSR-orientierten Innovationen sollten umweltfreundliche und sozial verträgliche Produkte und Prozesse sein, die zugleich wettbewerbsfähig sind. CSR kann dabei helfen, negative Faktoren zu minimieren bzw. auszuschließen. Wichtig ist zu betonen, dass dieses Konzept und Rentabilität keine Gegensätze darstellen! Unternehmen können gleichzeitig mit Innovationen Gewinne erzielen und damit ihre Zukunft absichern (ökonomische Nachhaltigkeit), Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen (soziale Nachhaltigkeit) und Ressourcen schonen (ökologische Nachhaltigkeit).

Nachhaltigkeit und Kundennutzen

Produkte bzw. Leistungen werden nur gekauft, wenn diese einen Nutzen stiften, welcher unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Der Grundnutzen der Endprodukte kann in der Baubranche beispielsweise im „Wohnen“ zum Ausdruck kommen. Daneben gibt es noch einen emotionalen Zusatznutzen, wie beispielsweise „natürliches Wohnen“ als Lifestyle. Zunehmende Teile der Verbraucher streben nach einem nachhaltigen, gesunden und verantwortungsvollen Lebensstil. Je nach Ausprägung bzw. Vorstellung der Endkunden erwachsen hieraus weitere Anforderungen an CSR-orientierte Produkte. Dabei müssen soziale, ökologische und ökonomische Aspekte berücksichtigt werden, wie beispielsweise eine Organisationskultur, die mitarbeiterorientiert ist, der Schutz von Klima und Umwelt, aber auch die langfristige Sicherung der Existenz des betreffenden Unternehmens. Typische Vorgehensweisen, um Produkte entsprechend der CSR zu gestalten, sind Eigenschaften, wie eine lange Nutzungsdauer, schadstoffarme Vorprodukte und spezielle Zusatznutzen, wie beispielsweise Sparsamkeit oder Gesundheitsverträglichkeit. In der Baubranche existieren unterschiedliche Ansätze, um CSR umzusetzen. Sowohl beim Hoch- als auch beim Tiefbau können schon beim Herstellungsprozess mit Blick auf die Energie- oder CO2-Bilanz unterschiedliche Materialen eingesetzt werden. Beispielsweise wirkt sich umweltverträgliches Dämmmaterial, das beim Rückbau auch leicht recycelt werden kann, positiv auf die Ökobilanz eines Bauvorhabens aus. Durch die Wahl des Heizsystems einer Immobilie kann zudem Einfluss auf den späteren Energieverbrauch genommen werden.

Fazit

Unter Berücksichtigung von CSR können Innovationen – in unterschiedlichsten Ausprägungen – einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft leisten. Hierfür muss in Unternehmen zunehmend ein Bewusstsein für dieses Konzept geschaffen werden. Dabei sollte deutlich werden, dass die Auseinandersetzung mit diesem Konzept sinnvoll und nutzbringend sein kann, weil es systematisch einen verantwortungsvollen Umgang mit der Gesellschaft und der Umwelt erleichtert.

Hieraus ergeben sich die folgenden Empfehlungen für Unternehmen:

  • Die Kundenbedürfnisse sollten kontinuierlich auf Veränderungen analysiert werden.
  • Die Chancen von Produkt-, Prozess- und Geschäftsmodellinnovation sollten genutzt werden.
  • Die Unternehmensführung sollte sich der individuellen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Handlungsfeldern von CSR stellen.
  • Die Eigenentwicklung von nachhaltigen Innovationen bietet die Chance, dass Unternehmen für sich Wettbewerbsvorteile generieren.
  • Innovationen, die in der Baubranche erfolgen, sollten – beispielsweise mit Hilfe von Fachzeitschriften oder durch den Besuch auf Messen – im Auge behalten werden.
  • Alle CSR-Aktivitäten sollten mit einem hohen Maß an Transparenz publik gemacht werden.

Gerade zum letzten Punkt bieten sich diverse Instrumente an:

  • Medienarbeit, z.B. Presseinformationen, Fachartikel/ Autorenbeiträge,
  • Publikationen, z.B. Imagebroschüren, CSR-Themen in Kundenmagazinen,
  • Online, z.B. Unternehmens- und Aktions-Webseite, Social Media,
  • Veranstaltungen, z.B. Tag der offenen Tür, Podiumsdiskussionen.
Zur Person

Prof. Dr. Martin Kaschny
Ökonom und ehemaliger Professor für Wirtschaftswissenschaften
der Hochschule Koblenz

Matthias Nolden
Unternehmensberater, Dozent und Buchautor.

Stand: 21.09.2022 08:20