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Nachhaltige betriebliche Altersversorgung: Der Weg zur grünen Rente

Nachhaltige betriebliche Altersversorgung: Der Weg zur grünen Rente

Durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz haben sich die Spielregeln für die betriebliche Altersversorgung (bAV) per Entgeltumwandlung zum 1.1.2019 nochmals geändert. Durch den verpflichtenden Arbeitgeberzuschuss – in der Regel in Höhe von 15% des Entgeltumwandlungsbetrags – ist es für Arbeitnehmer deutlich attraktiver geworden, via bAV für das Alter vorzusorgen. Der Durchführungsweg der Direktversicherung ist, insbesondere wegen der relativ einfachen Verwaltung, dabei für die meisten Unternehmen das Mittel der Wahl. Viele Arbeitnehmer und auch Personalverantwortliche fragen sich, gerade vor dem Hintergrund der aktuell laufenden Klimadiskussion, ob es auch nachhaltige Produkte der betrieblichen Altersversorgung gibt.

Doch was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich im Kontext von Finanz- und Vorsorgeprodukten? Vereinfacht gesprochen geht es um die Berücksichtigung von Kriterien aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Diese drei treten neben die bereits bekannten Kriterien Rentabilität, Liquidität und Sicherheit, die auch weiterhin die maßgebliche Rolle bei der Kapitalanlageentscheidung spielen. Denn besonders für Lebensversicherungsunternehmen hat die sichere Finanzierung der Leistung oberste Priorität.

ESG Kriterien
ESG steht für Environmental, Social, Governance, deutsch: Umweltschutz, Soziales und gute Unternehmensführung. Zu den Umweltschutzkriterien gehören etwa die Vermeidung von Umweltverschmutzung und die Schonung natürlicher Ressourcen. Beispiele für soziale Kriterien sind die Einhaltung von Sozialstandards, faire Löhne u.a. Eine gute Unternehmensführung wird etwa an der Einhaltung von Compliance-Vorschriften erkennbar.

Positiv- und Negativkriterien
Positivkriterien dienen dazu, positiv auf nachhaltiges Verhalten von Unternehmen, Staaten oder Sektoren zu reagieren.
Einige Beispiele für Positivkriterien:

– Besonderes soziales Engagement
– Bekämpfung von Korruption
– Förderung von fairem Handel
– Förderung von regionalen Wirtschaften
– Artgerechte Tierhaltung
– Gewinnung erneuerbarer Energien
– Innovationen zur Senkung des Ressourcenverbrauchs

Negativkriterien dienen dazu, Investments in bestimmte Unternehmen, Staaten oder Sektoren auszuschließen.
Einige Beispiele für Negativkriterien:

– Ausbeuterische Kinderarbeit
– Verstöße gegen Menschenrechte
– Herstellung von Streubomben
– Fehlende Mechanismen gegen Korruption
– Atomkraft
– Gentechnik
– Vermeidbare Tierversuche
– Anwendung von umwelt- und/oder gesundheitsschädlichen Verfahren

Einen beispielhaften Auswahlprozess zeigt die folgende Grafik:

Auf dem Weg zu nachhaltiger Altersversorgung
Während im Bereich der Investmentfonds schon seit Jahren viele Anbieter auf nachhaltige Produkte setzen und inzwischen in Deutschland mehr als 400 nachhaltige Investmentfonds verfügbar sind, steckt das Thema im Bereich der Lebensversicherungen und der betrieblichen Altersversorgung noch in den Kinderschuhen. Das dürfte sich aber in naher Zukunft, auch durch die EU-Regulierung, deutlich ändern. Erst Mitte Juni hat die Sachverständigengruppe der Europäischen Kommission für nachhaltige Finanzen ein Klassifizierungssystem für umweltverträgliche wirtschaftliche Aktivitäten erarbeitet und ein Gutachten für mögliche grüne Anleihen erstellt. Das wird auch für Deutschland Auswirkungen haben. Wer sich jetzt schon mit dem Thema auseinandersetzt, hat dabei einen deutlichen Vorsprung.

Im Rahmen dieses Artikels beschäftigen wir uns vor diesem Hintergrund mit dem Durchführungsweg der Direktversicherung. Die angesprochenen Tarifvarianten stehen aber meist auch als Rückdeckungsversicherungen, d.h. zur Rückdeckung für Direkt- oder Unterstützungskassenzusagen zur Verfügung.

Arten von nachhaltigen Direktversicherungstarifen
Klassische bzw. neue klassische Direktversicherungstarife: Bei klassischen Lebensversicherungstarifen fließen die Beiträge in das Sicherungsvermögen des Lebensversicherers, der das Kapital gemäß den gesetzlichen Vorschriften investiert.

Aktuell gibt es am Markt einen Anbieter, der sein komplettes Sicherungsvermögen nachhaltig ausgerichtet hat.

Mehrere weitere Anbieter verfolgen eine andere Strategie. Sie sagen zu, dass in Höhe der Beiträge für nachhaltige Direktversicherungen nachhaltige Investments für das Sicherungsvermögen gekauft werden. Je höher der Anteil nachhaltiger Direktversicherungen wird, desto höher wird damit auch der Anteil nachhaltiger Investments am Sicherungsvermögen. Ein Nachteil: Die ausgezahlten Leistungen für die nachhaltigen Direktversicherungen stammen später nur zu einem Teil aus nachhaltigen Quellen.

Fondsgebundene Direktversicherungen: Diese waren die ersten verfügbaren nachhaltigen Tarife. Die Beiträge fließen zu einem Teil in das Sicherungsvermögen, um die notwendige Beitragsgarantie sicherzustellen, zu einem anderen Teil in nachhaltige Investmentfonds.

Einige Anbieter kombinieren dies mit einem nachhaltigen Investment im Sicherungsvermögen, analog der klassischen Direktversicherungstarife.

Indexgebundene Direktversicherungen: Auch bei diesen Produkten fließen die Beiträge in das Sicherungsvermögen. Die dort erwirtschafteten Zinsen werden dann genutzt, um über Optionsgeschäfte nach bestimmten Regeln an der Wertentwicklung eines nachhaltigen Aktienindex zu partizipieren.

Einige Anbieter kombinieren dies mit einem nachhaltigen Investment im Sicherungsvermögen, analog der klassischen Direktversicherungstarife.

Fazit
Nachhaltige bAV Produkte sind in verschiedenen Varianten von unterschiedlichen Anbietern verfügbar. Auch wenn sie aktuell meist noch keine hundertprozentige Nachhaltigkeit bieten, stellen sie doch einen wichtigen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit dar. Interessierte Arbeitgeber können sich durch spezialisierte Fachberater und Makler informieren lassen. Diese ermitteln anhand der Ziele und Wünsche des Kunden die passenden nachhaltigen Anbieter und Produkte und unterstützen den Arbeitgeber bei der Einrichtung und Abwicklung der bAV.

Gerade bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter kann eine nachhaltige bAV ein wichtiger Baustein im Rahmen eines Konzepts zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität sein.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Niedrigzinsphase wäre meines Erachtens ein verstärktes kapitalmarktnahes Investment – z.B. in Aktien oder Aktienfonds – sinnvoll, um langfristige höhere Renditen zu erwirtschaften. Dabei bieten nachhaltige Investments keine schlechtere Rendite als konventionelle Investments. Dies haben mehrere Studien gezeigt.

 gmbhchef.experte

Helge von Hagen
7x7finanz GmbH
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Stand: 11.12.2019 07:54