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Mindestlohn: Rückwirkende Erhöhung der täglichen Lohngrenze für kurzfristig Beschäftigte

Mindestlohn: Rückwirkende Erhöhung der täglichen Lohngrenze für kurzfristig Beschäftigte

Um bei einem kurzfristigen Beschäftigungsverhältnis die Lohnsteuer pauschalieren zu können, darf bisher der Arbeitslohn durchschnittlich 62 € je Arbeitstag nicht übersteigen. Wegen der Einführung des Mindestlohns wird diese Verdienstgrenze nach dem Entwurf eines Bürokratie-Entlastungsgesetzesrückwirkend ab dem 1.1.2015 auf (8,50 € x 8 Arbeitsstunden =) 68 € erhöht (§ 40a Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG-E).

Bei einer kurzfristigen Beschäftigung im Sinne des § 40a Abs. 1 EStG hat der Unternehmer die Wahl: Er darf die Lohnsteuer nach den individuellenBesteuerungsmerkmalen seines Arbeitnehmers abrechnen oder pauschal mit 25% zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer (die pauschale Besteuerung mit 2% oder 20% gilt nur für Minijobs im Sinne des § 8 Abs. 1 Nr. 1 oder § 8a SGB IV, nicht aber für kurzfristig Beschäftigte).

Um die Lohnsteuer pauschal mit 25% ermitteln zu können, müssen gemäß § 40a Abs. 1 EStG drei Voraussetzungen erfüllt sein:

1)   Gelegentliche Beschäftigung

Steuerlich ist nur eine Tätigkeit, die ein Arbeitnehmer gelegentlich ausübt, eine kurzfristige Tätigkeit. Das heißt, die Tätigkeit darf sich wiederholen, aber nicht regelmäßig wiederkehren bzw. nicht bereits von vornherein vereinbart sein. Steuerlich kommt es somit nicht darauf an, wie oft der Unternehmer eine Aushilfskraft im Laufe eines Jahres tatsächlich beschäftigt.

2)   Maximale Dauer = 18 zusammenhängende Arbeitstage

Arbeitsfreie Sonn- und Feiertage, Samstage und unbezahlte Krankheits- und Urlaubstage werden bei der Berechnung nicht einbezogen.

3)   Neue Verdienstgrenze pro Arbeitstag 68 

Die 68-€-Grenze kann überschritten werden, wenn die Beschäftigung zu einem unvorhergesehenen Zeitpunkt erforderlich geworden ist. Der Einsatz von Aushilfskräften ist als unvorhersehbar anzusehen, wenn er entgegen dem vorhersehbaren Bedarf sofort erforderlich wird, z.B. wegen eines starken Besucherandrangs bei schönem Wetter in einem Biergarten. Hinweis: Der Stundenlohn muss mindestens 8,50 € betragen (Mindestlohn) und darf nicht höher als 12 € sein.

Kurzfristige Beschäftigungen gibt es als abgabenfreie Teilzeitbeschäftigung im Sozialversicherungsrecht (§ 8 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV) und als Teilzeitbeschäftigung gemäß § 40a Abs. 1 EStG, bei der die Lohnsteuer pauschal mit 25% ermittelt werden kann. Die Voraussetzungen bei der Sozialversicherung und der Lohnsteuer sind allerdings nicht deckungsgleich. Liegt sozialversicherungsrechtlich eine kurzfristige Beschäftigung vor, steuerlich jedoch nicht, dann kann die Lohnsteuer nur individuell und nicht pauschal abgerechnet werden.

Stand: 11.08.2015 11:16