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Exportfinanzierung: Liquiditätsrisiken minimieren

Exportfinanzierung: Liquiditätsrisiken minimieren

Den Unternehmen im Rheinland geht es gut. Die Binnennachfrage stimmt, aber auch im Ausland sind hiesige Produkte gefragter denn je – trotz aller Krisen und Umbrüche. Dennoch sind Ausfuhren kein Selbstläufer. Was die Statistiken nicht zeigen, sind die vielen Risiken in der Zahlungsabwicklung. Diese lassen sich jedoch minimieren.

Die Nachrichtenlage zur Außenwirtschaft ist verwirrend. Fangen wir mit den guten Nachrichten an. Im Jahr 2017 wurden von Deutschland Waren im Wert von 1.279,4 Mrd. € exportiert und Waren im Wert von 1.034,6 Mrd. € importiert. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) im Februar mitteilte, lagen damit die deutschen Ausfuhren um 6,3%, die Einfuhren um 8,3% höher als im Jahr zuvor. Damit konnten die bisherigen Höchstwerte des Jahres 2016 nochmals übertroffen werden. Wichtigster Markt waren die Mitgliedstaaten der Europäischen Union: Dorthin gingen 2017 Waren im Wert von 750 Mrd. €. Importiert wurden aus EU-Staaten Waren für 682,5 Mrd. €. Mit 234,6 Mrd. € und einem Anteil von 18,3% an den deutschen Gesamtexporten waren Kraftwagen und Kraftwagenteile wie schon in den vergangenen Jahren Deutschlands wichtigste Exportgüter.

Auf Rang 2 folgten Maschinen mit einem Anteil von 14,4%. Chemische Erzeugnise lagen laut Destatis mit einem Anteil von 9% auf Rang 3. Gute Nachrichten kommen auch aus der Wirtschaftsregion Rheinland. Wie die jüngste, im Februar veröffentlichte Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern im Rheinland zeigt, legten die Exporterwartungen kräftig zu: Mit 37% gehen deutlich mehr Betriebe als noch im Herbst 2017 davon aus, ihre Ausfuhren zu steigern. Eurozone, USA und China bleiben die wichtigsten Zielregionen. Das belegt laut IHK-Initiative Rheinland auch die Kennziffer Export-Erwartungsindikator: Er lag im Februar mit 29 Punkten deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Verwirrend hingegen ist die Bewertung der Risiken. Die Lage der Unternehmen im Rheinland scheint so gut zu sein, dass globale Risiken – wie etwa der Brexit im nächsten Jahr, Konflikte mit Russland, der Türkei und Nordkorea sowie die Spannungen innerhalb der Europäischen Union – in der Einschätzung der Betriebe gegenüber nationalen Unsicherheiten – insbesondere dem zunehmenden Fachkräftemangel – in den Hintergrund treten. Auch der zunehmende Protektionismus macht den Unternehmen zwar Sorgen, verschlechtert zumindest derzeit aber noch nicht die Geschäftslage, nicht einmal die Erwartungen. „Die Probleme nehmen zu, aber wir spüren, dass sich die im Auslandsgeschäft erfahrenen Unternehmen der im Vergleich zum Inland deutlich stärkeren internationalen Risiken bewusst sind“, sagt Markus Görgen, Abteilungsleiter Fachbetreuung Firmen- und Individualkunden bei der Sparkasse KölnBonn, Deutschlands zweitgrößter Sparkasse.

Frühzeitig Risiken betrachten und absichern

Wenn es jedoch konkret wird, besonders bei Neugeschäften mit bisher fremden Abnehmern oder auf neuen Märkten fern der EU, ergeben sich allerlei Risiken. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail – insbesondere wenn es ums Geld geht. „Im Exportgeschäft kommt es vor allem auf eine gute Vorbereitung an“, betont Görgens Kollege Miguel Angel Navarro Rubio, der bei der Sparkasse die Fachbetreuung Internationales Geschäft leitet. „Um die Gefahr späterer Zahlungsschwierigkeiten zu minimieren, sollten die Betriebe vorher einige grundlegende Überlegungen anstellen“, empfiehlt der Außenwirtschaftsspezialist. Die Kernfrage lautet: Wer ist mein Kunde und zu welchem Preis liefere ich? Damit das Angebot stimmt, müssen vor allem diese Punkte sorgfältig geklärt werden:

  • Erforderliche Vorleistungen,
  • Einkaufsfinanzierungen,
  • Zahlungsziel,
  • Lieferbedingungen,
  • Qualitäts- und Lieferrisiko,
  • Bonitätsrisiko,
  • Ausfuhrdeckung,
  • Währungsrisiken,
  • Zinsen.

„Im Grunde geht es um das immer gleiche Grundthema, nämlich Vertrauen“, sagt Navarro Rubio. Einerseits also: Kann ich darauf vertrauen, dass der Auftraggeber im Ausland meine Lieferung und Leistung bezahlt? „Andererseits möchte der Auftraggeber sich darauf verlassen können, dass ich ordnungsgemäß produzieren und liefern kann und meinem Unternehmen, salopp formuliert, nicht unterwegs die Luft ausgeht“, erläutert er. Hierbei helfen dem Exporteur Garantien, die eigene Bonität und Leistungsfähigkeit zu belegen. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch das Exportgeschäft. Dies beginnt oft schon in der Akquisitionsphase. Ausschreibungen sind sehr komplex und erfordern so viel Vorleistung, dass gerade ausländische Firmen sich über eine sogenannte Bietungsgarantie die Kosten für die Ausschreibung decken lassen. „Die Bietungsgarantie bedarf im Grunde einer Kreditzusage, die schon vor der Produktion der in der Ausschreibung geforderten Waren greift“, erklärt Navarro Rubio. Im weiteren Verlauf des Exportgeschäfts werden Anzahlungsgarantien, Vertragserfüllungs- und Leistungsgarantien sowie Gewährleistungsgarantien gefordert, die der Exporteur zur Verfügung stellen muss. Ob Ausschreibung oder direkter Auftrag: Sobald das Unternehmen den Auftrag erhalten hat und in die Produktion einsteigt, entstehen Kosten – für Material, Arbeitskräfte, erforderliche Bauteile, die das Unternehmen seinerseits bei anderen Lieferanten einkaufen muss. Es benötigt Geld oder Sicherheiten für eine Finanzierung. In der Regel finanzieren sich diese Vorleistungen über die Einkünfte aus bereits abgewickelten Geschäften. Es gibt aber immer wieder Fälle, in denen das nicht ausreicht, zum Beispiel weil der aktuelle Auftrag besonders umfangreich oder so lukrativ ist, dass man ihn nicht ablehnen will oder kann.

Die eigene Liquidität im Blick behalten

Eine Variante ist dann ein Bankkredit – oder, wer seine Kreditlinien schonen und die vorhandene Liquiditätsreserve nicht antasten will, kann sich stattdessen über individuelle Lösungen im Exportgeschäft finanzieren oder absichern. „Üblich sind hier Akkreditive, also verbindliche Zahlungsversprechen, ausgestellt von der Hausbank des Bestellers“, sagt Navarro Rubio. Reicht dem exportierenden Unternehmen das Zahlungsversprechen der ausländischen Bank nicht aus, kann es sich an seine eigene Hausbank, beispielsweise die örtliche Sparkasse, wenden. „Wir stellen dann eine Akkreditivbestätigung oder Ankaufszusage aus“, ergänzt der Sparkassenbetriebswirt, „wir übernehmen also das wirtschaftliche und politische Risiko der ausländischen Bank.“ Alternativ bietet sich der Abschluss einer Ausfallversicherung eines privaten Versicherungsunternehmens an, die den wirtschaftlichen Ausfall des Exportgeschäfts absichert. Bei als schwierig eingestuften Ländern mit erheblichen Zahlungsrisiken kann es vorkommen, dass weder die Hausbank ein Akkreditiv bestätigt noch ein privates Versicherungsunternehmen das Risiko übernimmt. Doch auch hier gibt es eine Lösung: „Wenn Deutschland ein Interesse daran hat, dass das betreffende Geschäft zustande kommt“, sagt Navarro Rubio, „kann es dem exportierenden Unternehmen helfen, mit einer vom Bund gedeckten Euler-Hermes-Kreditversicherung zu arbeiten.“ Stellt das exportierende Unternehmen einen Lieferantenkredit zur Verfügung, gibt es zwei Möglichkeiten der Refinanzierung. Eine Möglichkeit ist die „Forfaitierung des Akkreditivs“. In diesem Fall verkauft das exportierende Unternehmen seine Forderung aus dem Akkreditiv an seine eigene Hausbank und erhält von ihr bereits vor Fälligkeit der Forderung das Geld. „Man gewährt also nur indirekt einen Lieferantenkredit. Der ausländische Kunde zahlt die Ware erst später, aber unser Kunde erhält bereits das Geld, bevor es aus dem Ausland kommt“, erklärt Navarro Rubio. Die andere Möglichkeit ist der Bestellerkredit, also eine Absatzfinanzierung. Hier bringt das exportierende Unternehmen die vorab mithilfe der eigenen Hausbank gesicherte Finanzierung gleich mit. „Diese Variante“, so der Experte, „empfiehlt sich bei großen Auftragsvolumina.“ Kreditnehmer wird in diesem Fall in der Regel die Hausbank des Importeuers. Die Auszahlung erfolgt zeitanteilig nach Lieferung und Leistung an den Exporteur.

Währungsabsicherung nicht vernachlässigen

Neben den Zahlungsrisiken müssen sich die Unternehmen auch mit Währungsrisiken befassen. Häufig müssen deutsche Firmen Ware in einer anderen Währung bezahlen als derjenigen, in der sie ihrerseits kalkulieren und ihre Produkte auf den heimischen Märkten anbieten. Damit setzen sie sich Unwägbarkeiten aus, etwa in Form teils beträchtlicher Kursschwankungen. „Wir bieten unseren Firmenkunden in solchen Fällen eine Absicherung gegen eine negative Kursentwicklung an, beispielsweise durch ein Devisentermingeschäft“, erklärt Markus Görgen von der Sparkasse Köln-Bonn. Dabei wird der Tausch zweier Währungen zu einem sofort festgelegten Kurs (Terminkurs) mit einem in der Zukunft liegenden Erfüllungstermin vereinbart. „Unsere Kunden können jegliches Kursrisiko von vornherein ausschalten und dank des vorab vereinbarten Terminkurses frühzeitig verbindlich kalkulieren“, ergänzt Görgen. Absolut ausschalten lassen sich Risiken natürlich nicht. Sollten beispielsweise die USA die EU doch noch mit Handelszöllen belegen, würde das auch im Rheinland viele Unternehmen empfindlich treffen. Verlässlichkeit geht anders. „Zum Glück sind die hiesigen Firmen gut aufgestellt“, sagt Görgen. Und wenn sie im Exportalltag richtig planen, lassen sich zumindest die Risiken für die eigene Liquidität erheblich senken.

 

Miguel Angel Navarro Rubio
Sparkasse KoelnBonn

Markus Görgen
Sparkasse KoelnBonn

www.sparkasse-koelnbonn.de

Stand: 30.05.2018 11:52