Neuigkeiten
Startseite / Themen / Wirtschaft kompakt / Junge Wirtschaft: Europa muss zum weltweiten Innovationshub werden
Junge Wirtschaft: Europa muss zum weltweiten Innovationshub werden

Junge Wirtschaft: Europa muss zum weltweiten Innovationshub werden

Ab dem 23.5.2019 findet die Europawahl statt. Warum der Grundstein für den Wohlstand von morgen in Europa liegt und weshalb es sich lohnt proeuropäische Kräfte zu wählen, erläutert der Bundesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren Florian Gloßner in seinem Beitrag.

Als der Sohn eines Landwirts 1945 einen Schraubenhandel gründete, konnte niemand den zukünftigen Welterfolg des Unternehmens Würth vorhersehen. Es gibt unzählige dieser Geschichten in Deutschland. In der Zeit des Wirtschaftswunders erlebte unser Land ein rasantes Wirtschaftswachstum, das den Grundstein für unseren heutigen Wohlstand gelegt hat. Weil es mutige Unternehmerinnen und Unternehmer gegeben hat, die angepackt haben. Weil es einen unheimlichen Zukunftshunger gab und die Rahmenbedingungen gestimmt
haben.
Genau an diesen Rahmenbedingungen müssen wir arbeiten. Was damals in Bonn geregelt werden konnte, wird heute oftmals in Brüssel entschieden. In einer global vernetzten Welt können die großen Herausforderungen unserer Zeit oft nicht auf nationaler Ebene gelöst werden. Europa ist die Grundlage unseres Wohlstands und Friedens. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit jedes einzelnen Mitgliedsstaates in der EU hängt maßgeblich davon ab, wie sich Europa gegenüber großen politischen und wirtschaftlichen Zentren wie zum Beispiel China, Indien aber auch den USA als Einheit präsentieren und positionieren kann.

Europa als Heimat für die Geschäftsmodelle der Zukunft

Schon mit der Lissabon-Strategie hat sich die EU das Ziel gesetzt, zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu werden. Auch wenn Europa aktuell neben Nordamerika und Ostasien zu den Weltgegenden mit der größten wirtschaftlichen Dynamik zählt, ist dieses Ziel noch nicht erreicht. Gerade wenn es um Potenziale für zukünftige Wertschöpfung geht, wird Europa langsam abgehängt. Wir leben von der Substanz. Der wirtschaftliche Erfolg der großen Industrieunternehmen und Mittelständler in Europa in den vergangenen Jahrzehnten ist kein Selbstläufer. Ob diese ihre Geschäftsmodelle in die Zukunft übertragen können, ist offen.
Die vierteindustrielle Revolution verändert die Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft. Globale Wettbewerbsfähigkeit hängt immer mehr von der Innovationskraft eines Landes ab. Wir müssen jetzt die Grundlagen für den Wohlstand von morgen legen. Europa muss zum weltweiten Innovationshub werden – eine Heimat für technologie- und wissensbasierte Unternehmen, in der digitale Geschäftsmodelle wachsen können.

Europa darf sich nicht abhängen lassen

Der Brexit überschattet seit Monaten jegliche inhaltliche Diskussion über Zukunftsthemen. Während wir auf der Stelle treten, ziehen andere auf der Überholspur an uns vorbei. Wie kann Europa aufschließen? Wie sieht eine europäische Wirtschaftsordnung aus, die die Grundlage für den Wohlstand von morgen schafft? Darauf gibt es nochkeine Antworten.
Als Exportnation ist Deutschland besonders auf eine funktionierende Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn und auf den freien Warenaustausch angewiesen. Der Brexit und die internationalen Handelskonflikte bringen den Motor des Exportweltmeisters ins Stocken. Wir müssen alles dafür tun, dass er nicht abgewürgt wird. Das Auslandsgeschäft ist für den Mittelstand genauso wichtig wie für die großen Unternehmen. Jeder fünfte Euro, den deutsche Unternehmen im Ausland verdienen, geht auf das Konto eines Mittelständlers.
Europa steht am Scheideweg und die Wahlen zum Europäischen Parlament werden zu Schicksalswahlen. Nationalistische und populistische Parteien fordern die europäische Demokratie heraus. Sollten die Europaskeptiker als Wahlsieger hervorgehen, sind Mehrheiten für eine konstruktive EU-Politik immer unwahrscheinlicher.

Nährboden für Wachstum schaffen

Über Jahrzehnte trieben bestehende Unternehmen Innovationen voran. Indem sie Produkte verbesserten oder neue Märkte eroberten. Diese inkrementellen Innovationen haben uns Wohlstand gebracht. Diese Unternehmen sind das Rückgrat unserer Wirtschaft.
Aber wir müssen auch an die Zukunft denken. In den Fünfzigern war es innovativ, einen Schraubenhandel aufzuziehen. In den Zweitausendern war es innovativ, Klingeltöne zu verkaufen. Doch wie sieht Innovation 2025 oder 2050 aus? Geschäftsmodelle ändern sich in einem rasanten Tempo. In Zukunft wird die Mehrheit der Geschäftsmodelle digital sein. Häufig habe ich den Eindruck, dass wir uns stärker darum kümmern, das Gestern zu regulieren, anstatt das Morgen zu gestalten. Wir müssen jetzt die Grundlagen für das Wachstum von morgen legen. Dazu brauchen wir Europa.
Ob als Unternehmer oder als Bürger – wir profitieren im doppelten Sinne von der europäischen Einigung. Und stehen damit auch doppelt in der Pflicht, Europa neuen Schwung zu geben.

 

Florian Gloßner
Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren
www.wjd.de

Stand: 09.05.2019 09:00