Insolvenzen in Deutschland so hoch wie nie

Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung der Creditreform bestätigt für 2025 ein 10-Jahres-Hoch bei den Unternehmensinsolvenzen. Mögliche Gründe dafür und wie die Prognose für 2026 ausfällt. Die Wirtschaftskrise in Deutschland lässt sich nicht wegdiskutieren und lässt sich an zahlreichen Faktoren ablesen wie zum Beispiel am Insolvenzgeschehen hierzulande. Wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mitteilt, steigen die Zahlen bei den Insolvenzen seit dem Jahr 2022 kontinuierlich an. Wie Creditreform weiter mitteilt, erreichte die Zahl im Jahr 2025 den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren.

Anstieg bei Insolvenzen um mehr als acht Prozent

Im Jahresverlauf seien 23.900 Firmen mindestens vorläufig am Ende und mussten Insolvenz anmelden – fast 2.000 mehr als im Vorjahr. Das entspreche einem weiteren Anstieg von 8,3 Prozent, nachdem die Insolvenzanmeldungen in den beiden Jahren zuvor bereits jeweils um knapp 23 Prozent zugelegt hätten. Dies sind Ergebnisse der aktuellen Untersuchung „Insolvenzen in Deutschland, Jahr 2025“, die die Creditreform Wirtschaftsforschung kürzlich veröffentlichte

Hohe Energiekosten und weitere Schwierigkeiten

Viele Unternehmen weisen laut Angaben der Wirtschaftsauskunftei einen hohen Verschuldungsgrad auf und haben unter den aktuellen Bedingungen Schwierigkeiten, bestehende Kredite zu bedienen oder neue Finanzierungen zu erhalten. Gleichzeitig leide die deutsche Wirtschaft unter strukturellen Problemen, etwa den hohen Energiekosten, insbesondere in energieintensiven Branchen. Geopolitische Risiken – wie etwa Handelskonflikte – verstärken die Unsicherheit zusätzlich und erschweren eine konjunkturelle Erholung. Das setzt vor allem den Mittelstand unter massiven Druck und bricht vielen Betrieben das Genick. „Zahlreiche Unternehmen haben zudem kaum noch finanzielle Puffer, um mehrere Belastungen gleichzeitig abzufedern“, betont Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter Wirtschaftsforschung und Öffentlichkeitsarbeit, Creditreform. Daneben seien Unternehmen strukturell geschwächt. Hohe Kosten, zu viel Bürokratie, eine schwache Nachfrage sowie eine deutlich restriktivere Kreditvergabe würden auf kaum vorhandene finanzielle Puffer treffen.

Kleinstunternehmen besonders gefährdet

Gemäß den Untersuchungsergebnissen von Creditreform würden Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten den größten Anteil der Unternehmensinsolvenzen machen. In diesem Segment meldeten 2025 rund 19.500 Firmen Insolvenz an. Im Jahr zuvor waren es 17.900 Fälle. Bei großen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten sei der Anstieg dagegen moderat ausgefallen. Rund 140 Großinsolvenzen wurden verzeichnet.

„Kleinstunternehmen verfügen meist über geringe Eigenkapitalquoten, kaum Rücklagen und eine schwache Verhandlungsmacht gegenüber Banken, Vermietern oder Energieversorgern. Schon moderate Kostensteigerungen oder Umsatzrückgänge können existenzbedrohend sein. Zudem fehlt häufig der Zugang zu alternativen Finanzierungsquellen“, sagt Hantzsch. Bereits kleine Kosten- oder Umsatzschocks würden ausreichen, um das Geschäftsmodell und die Finanzierung zum Kippen zu bringen.

Handel und Verarbeitendes Gewerbe besonders betroffen

Besonders starke Zuwächse beim Insolvenzgeschehen zeigen sich vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel. Hier nahmen die Fälle laut Creditreform um jeweils über zehn Prozent zu. Das Baugewerbe dagegen stehe besser dar. Hier stiegen die Insolvenzen lediglich um 4,7 Prozent. Insgesamt gilt: Das Insolvenzgeschehen übertrifft in allen Hauptwirtschaftsbereichen nicht nur die Vorjahreswerte. Im Bausektor, im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich liegen die Fallzahlen inzwischen sogar rund ein Drittel über dem Niveau von 2019.

Hohe Verluste für Gläubiger, Verlust von Arbeitsplätzen

Viele Insolvenzen bescheren den Gläubigern, etwa Lieferanten, Banken und Sozialversicherungen, hohe Schäden. Die Schadenssumme lag 2025 mit rund 57 Milliarden Euro fast auf dem Niveau des Vorjahres (59,1 Milliarden Euro). Zahlreiche Großinsolvenzen sowie die insgesamt gestiegene Zahl an Verfahren würden erneut zu hohen notleidenden Forderungen führen. Im Durchschnitt belaufen sich die ausfallbedrohten Summen pro Insolvenzfall auf mehr als zwei Millionen Euro.

Eine weitere schädliche Folge von Insolvenzen: In vielen Fällen sind in den maroden Unternehmen Mitarbeiter beschäftigt und häufig kommt es im Zuge des Verfahrens, teils auch schon im Vorfeld der Insolvenz, zu einem Arbeitsplatzabbau. „Schätzungsweise 285.000 Arbeitnehmer waren 2025 von diesen Unternehmensinsolvenzen betroffen“, heißt es in den Untersuchungsergebnissen der Wirtschaftsauskunftei. Das sei zwar etwas weniger als im Vorjahr (291.000), dennoch blieben die Arbeitsplatzverluste aufgrund zahlreicher Großinsolvenzen sehr hoch.

Viele junge Unternehmen betroffen

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung von Creditreform sticht ins Auge: Vom Anstieg der Insolvenzen sind Unternehmen aller Altersklassen betroffen. Besonders stark stiegen die Fallzahlen jedoch bei sehr jungen Unternehmen, die maximal zwei Jahre auf dem Markt aktiv sind – eine Zunahme von rund 13 Prozent.

Wirtschaftspolitische Entlastungen notwendig

Diese Entwicklung ist laut Creditreform ein großes Alarmzeichen. Das Land brauche demzufolge nicht nur einen wirtschaftlichen Aufschwung, sondern Ideen und mutige Start-ups, die mit ihren Geschäftsmodellen die Transformation vorantreiben und neue Arbeitsplätze schaffen. Dennoch fällt die Prognose der Wirtschaftsauskunftei für 2026 düster aus: „Für das Jahr ist nicht mit einer schnellen Entspannung zu rechnen. Zwar könnten staatliche Investitionen stabilisierend wirken, strukturelle Probleme wie hohe Kosten, Bürokratie und schwache Wettbewerbsfähigkeit bleiben jedoch bestehen. Die Insolvenzzahlen dürften daher auf hohem Niveau verharren oder weiter leicht steigen“, so Hantzsch. Ohne wirtschaftspolitische Entlastungen bleibe das Insolvenzgeschehen auf hohem Niveau.

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