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Hürth im Schatten Kölns: Europas größter Medienstandort
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Hürth im Schatten Kölns: Europas größter Medienstandort

Livezuschauer von „Wer wird Millionär“ und anderen bekannten TV-Sendungen zieht es hierhin, um einmal hinter die Kulissen bekannter Fernsehproduktionen zu blicken. Doch wie steht es insgesamt um den Wirtschaftsstandort Hürth und seine Attraktivität?

Nicht jede Stadt hat es geschafft – Hürth schon: Der Strukturwandel vom Kohlestandort zum modernen Industriestandort wurde hier bewältigt. Die gelungene Neustrukturierung und Wirtschaftsförderung nach Auslaufen des Kohleabbaus im Jahr 1988 trug ihre Früchte dabei vor allem in der Medienbranche: Fernsehstudios in den Stadtteilen Efferen und Kalscheuren haben die ansonsten eher unscheinbare Stadt im Schatten Kölns inzwischen zu einem der größten europäischen Medienstandorte für private Fernsehproduktionen, beispielsweise von Eyeworks oder MMC, gemacht.

Hürth als Chemiezentrum
In mehreren neu geschaffenen Gewerbegebieten ist in den letzten Jahren ein bunter Strauß unterschiedlicher Branchen entstanden. Und das war nötig, denn die Nähe zu Köln macht es der Kleinstadt nicht leicht.
Doch es gibt eine Branche, die das Industrieportfolio der Stadt dominiert: Insbesondere im Chemiepark Knapsack konzentrieren sich um den letztverbliebenen Kohleveredlungsbetrieb Ville/Berrenrath inzwischen zahlreiche Chemieunternehmen. Nach der fast vollständigen Umsiedlung der Wohnflächen ab 1970 wegen der immensen Luftverschmutzung im hiesigen ehemaligen Rheinischen Braunkohlerevier sind hier schließlich genügend Freiflächen entstanden.

Doch auch Energieversorger sind im Knapsäcker Gewerbegebiet ansässig geworden. Das EBS-Kraftwerk beispielsweise nahm im März 2009 den Betrieb auf und produziert seither genug elektrische Leistung um die jährliche Wärmeversorgung des Chemieparks sicherzustellen. Nach zwei Jahren Bauzeit wurde im Juni 2013 außerdem das zweite Kraftwerk „Knapsack II“ eröffnet.

Die Stadt und ihr Angebot
Die Geburtsstadt der Schumacher-Brüder ist nicht gerade als attraktives Ausflugsziel für Shopping- oder Kulturtrips bekannt. Auch hier kann Hürth aufgrund seiner Lage mit Köln oder auch Bonn kaum mithalten.

Gute Einkaufsmöglichkeiten bietet immerhin das Hürth Park-Einkaufszentrum. Mit circa 150 Fachgeschäften, 3.000 kostenlosen Parkplätzen und mehreren Dienstleistungsunternehmen ist es von überregionaler Bedeutung und beherbergt außerdem seit 1990 die UCI-Kinowelt, das erste Multiplex-Kino Deutschlands.

Besser kann die Stadt mit ihren Naherholungsmöglichkeiten für die Großstädter aus Köln punkten: Das Naherholungsgebiet Hürtherberg oder der Naturpark Rheinland bieten hier entsprechende Möglichkeiten die Freizeit in der Natur zu verbringen.

Mehr Bleiber als Pendler
Insgesamt hat Hürth eine positive Pendlerquote, sodass mehr Menschen nach Hürth zur Arbeit kommen als Hürther in andere Städte fahren. Dabei wäre es erwartbar gewesen, dass insbesondere Köln oder Bonn viele Hürther Pendler anziehen würde, doch die ausreichende Anzahl an Gewerbegebieten bietet auch eine beachtliche Menge an Arbeitsplätzen für die Menschen vor Ort.

Fazit
Hürth hat eine wechselvolle Geschichte und sich nach Ende des Kohleabbaus wirtschaftlich neu erfolgreich neu aufgestellt. Der große Bruder Köln in direkter Nachbarschaft hat keine allzu große Bremswirkung auf die Hürther Wirtschaft entfaltet, wo es sich doch immerhin als ein Zentrum der Fernseh- und der Chemiebranche profilieren konnte.

Bei den weichen Standortfaktoren zeigt sich ein ambivalentes Bild: In Hürth ansässige Unternehmer und ihre Mitarbeiter können die guten Naherholungsmöglichkeiten in der Region nutzen, während sie in Sachen Shopping, Kultur und Lifestyle im nahegelegenen Köln eher auf ihre Kosten kommen. (ls)

Stand: 26.10.2016 16:57