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Hochwasserkatastrophe: Kommunikation in der Krise

Hochwasserkatastrophe: Kommunikation in der Krise

Unternehmen, die von der Hochwasserkatastrophe betroffen sind, stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Eine, an die zunächst kaum jemand denkt: Die Liquidität leidet, Forderungen können vielleicht nicht bezahlt werden. Die Bonität leidet. In dieser Situation steht die Creditreform ihren Kunden und den betroffenen Unternehmen zur Seite.

Die Flutkatastrophe hatte in der Nacht vom 14. auf den 15.7. auch die Stadt Mechernich nicht verschont, viele Straßen waren unterspült und Brücken zerstört. Auch zahlreiche Privathäuser und Gewerbeimmobilien waren vom Hochwasser betroffen. Doch die Stadt hatte Glück: Es kam nach Berichten örtlicher Medien niemand ums Leben, nicht einmal Verletzte seien zu beklagen gewesen. Bei der Deutsche Mechatronics GmbH hatte man freitags, zwei Tage nach der Katastrophe, Gewissheit: Alle Beschäftigten hatten überlebt.

Getroffen hatte es das Unternehmen trotzdem. Die Hallen standen aufgrund des ungewöhnlich heftigen und lange anhaltenden Starkregens zwischenzeitlich unter Wasser. Zudem konnte am Tag nach der Katastrophennacht nur ein Viertel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Arbeit kommen – alle anderen waren privat mehr oder weniger von den Folgen der Flut betroffen. Trotzdem gelang es dem Unternehmen, die Produktion direkt wieder aufzunehmen.

Nicht alle Unternehmen hatten so viel Glück. Ob an Ahr, Erft oder einem der vielen Bäche, deren Namen bis dahin allenfalls Ortskundige kannten – hunderte von Gewerbebetrieben mussten vorübergehend oder teils bis heute ihren Betrieb einstellen oder stark einschränken, weil Geschäftsräume und Produktionsstätten geflutet und Betriebsmittel zerstört waren. Teils fehlte es aber einfach an der Infrastruktur, wie Straßen, Strom, Wasser und Kommunikationsverbindungen.

Nicht nur die örtlichen Behörden und die Medien, sondern auch die Creditreform verschaffte sich in den Tagen und Wochen nach der Katastrophe einen Überblick. Welche Unternehmen sind wie stark durch das Hochwasser betroffen? Wer hat möglicherweise so große Schäden erlitten, dass er den Geschäftsbetrieb nicht wieder aufnehmen wird? Und: Welche Folgen hat das für die jeweiligen Lieferketten?

Intensive Recherche

Zu den insgesamt 25  Creditreform-Gesellschaften in Deutschland, in deren Geschäftsgebiet Starkregen bzw. das anschließende Hochwasser wüteten, gehören die Creditreform Bonn Trier Rossen Eberhard GmbH & Co. KG sowie die Creditreform Köln von Padberg GmbH & Co. KG. Auch deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen seit Mitte Juli detaillierte und aktuelle Informationen zusammen, denn die Anfragen von Kunden und Lieferanten der im Hochwassergebiet beheimateten Unternehmen sind seit dem Flutereignis stark gestiegen.

„Natürlich gibt es auf allen Seiten viel Mitgefühl und großes Verständnis. Dennoch müssen Kunden und Lieferanten wissen, ob georderte Ware bei ihnen eintrifft und ob und wann ihre Forderungen beglichen werden“, erklärt Jörg Rossen, Geschäftsführer der Creditreform  Bonn Trier Rossen Eberhard GmbH & Co. KG. Sein Kölner Kollege Moritz von Padberg, Geschäftsführer der Creditreform Köln von Padberg GmbH & Co. KG, erklärt die Herausforderung: „Der Blick auf Postleitzahlbezirke, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Flut betroffen waren, lieferte eine erste grobe Orientierung. So wurde in Euskirchen die Innenstadt stark in Mitleidenschaft gezogen, während das Industriegebiet verschont geblieben ist. Allerdings sind zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der dort ansässigen Unternehmen von den Folgen des Hochwassers stark betroffen.“

Die Creditreform-Gesellschaften versahen alle Datensätze der mit hoher Wahrscheinlichkeit betroffenen Unternehmen mit einem entsprechenden Hinweis. Zusätzlich wurde sichergestellt, dass die Daten bei Abfrage durch einen Kunden tagesaktuell zu den Hochwassergegebenheiten recherchiert wurde. „Das ist wichtig, denn es signalisiert allen, die über uns eine Auskunft zu einem dieser Betriebe abrufen, dass es sich um ein Unternehmen handelt, das wegen des Hochwassers unverschuldet in Schwierigkeiten geraten ist, und dass wir die konkrete Betroenheit unmittelbar und im Detail persönlich recherchieren“, skizziert Rossen das Vorgehen.

In den Wochen danach kontaktierte die Creditreform die entsprechenden Betriebe direkt und erkundigt sich nach dem Schadensausmaß. Um weiterhin Klarheit zu bekommen, wurde im August begonnen, die voraussichtlich Geschädigten anzuschreiben und in einem knappen Fragebogen um Auskunft gebeten. Damit verbunden war die Zusicherung, dass die Bonitätsbewertung – unabhängig vom Ausmaß des Schadens – unverändert bleibt. Einzige Ausnahme: Das betroffene Unternehmen teilt mit, dass es den Geschäftsbetrieb nicht wieder aufnehmen werde. In diesem Fall wird die Bonitätsbewertung ausgesetzt. „Wir haben diese Aktion bewusst erst einige Wochen nach der Katastrophe gestartet“, sagt Padberg. „Denn zum einen hätte unsere Anfrage unmittelbar nach der Flut bei den betroffenen Entscheiderinnen und Entscheidern verständlicher Weise keine hohe Priorität gehabt. Zum anderen waren die Entscheidungen über mögliche Wiederaufbauhilfen des Bundes und der Länder abzuwarten.“

Kommunikation ist wichtig

Darüber hinaus hat die Creditreform im Inkassobereich nach Bekanntwerden des Schadensausmaßes Mahnungen an Betroffene in den Hochwassergebieten gestoppt, um ihnen Zeit zu geben, zunächst existenziell wichtige Dinge zu regeln.

Rossen und Padberg halten es für angemessen, dass Unternehmen, die infolge des Hochwassers in Schieflage geraten sind, bis Ende Oktober 2021 keinen Insolvenzantrag stellen müssen. „Niemand hat etwas davon, diese Betriebe jetzt in die Insolvenz gehen zu lassen. Bis Oktober sollte absehbar sein, welche Hilfen aus öffentlichen Kassen kommen und in welchem Umfang die Versicherer für Schäden aufkommen“, findet Rossen.

Die wichtigste Botschaft der beiden Creditreform-Geschäftsführer an geschädigte Firmen lautet: „Melden Sie sich! Kommunizieren Sie! Teilen Sie uns mit, wie es bei Ihnen aussieht und in welcher Weise Ihre Geschäftstätigkeit in Folge des Hochwassers leidet!“ Warum? „Ganz einfach“, unterstreicht Padberg: „Weil sich im Zusammenspiel zwischen betroffenem Unternehmen, Kunden, Geschäftspartnern, Banken und Auskunfteien meistens eine pragmatische Lösung endet, zumal in solchen Notsituationen.“ Aber nur, wenn man miteinander redet. „Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend, nicht nur konkret vor Ort, sondern eben auch von Seiten der meisten Wirtschaftsakteure“, beobachtet Rossen. „Doch um helfen zu können, müssen wir die individuelle Lage sehr genau kennen, deshalb: Sprechen Sie uns an!“

Creditreform

Seit der Gründung im Jahr 1879 ist es das Ziel von Creditreform, Unternehmen vor Forderungsausfällen zu schützen, die Liquidität vernichten und den Fortbestand von Unternehmen gefährden. Dieser Maxime sind alle Lösungen und Angebote von Creditreform verpflichtet. Heute sorgen 128 Geschäftsstellen in ganz Deutschland dafür, dass die Mitglieder ihre Geschäfte mit minimalem Risiko und maximaler Effizienz abwickeln können.

Vom Rhein-Erft-Kreis über die Metropolregion Köln bis in den oberbergischen Kreis unterstützt Creditreform Köln mit 66 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund 3.000 Unternehmen der Region der Region in ihrem Tagesgeschäft.

Mit 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist Creditreform Bonn Trier Partner für 2.600 Unternehmenskunden der mittelständischen Wirtschaft in Bonn/Rhein-Sieg-Kreis, Euskirchen, im Rhein-Erft- und Ahrkreis, in Trier, Trier Saarburg, Vulkaneifel, Bernkastel- Wittlich und Bitburg-Prüm.

www.creditreform.de/bonn
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Stand: 30.09.2021 10:23
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