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GmbH-Liquidation: Zum Zeitpunkt der Entstehung eines Auflösungsverlusts

GmbH-Liquidation: Zum Zeitpunkt der Entstehung eines Auflösungsverlusts

Wird eine GmbH im Anschluss an eine Insolvenz aufgelöst (liquidiert), stellt sich häufig die Frage, in welchem Jahr der Gesellschafter seinen Verlust aus der Beteiligung mit anderen positiven Einkünften verrechnen kann. Diese Frage hatte auch der BFH in seinem Urteil vom 2.12.2014 zu beantworten.

Im Urteilssachverhalt wurde über das Vermögen einer GmbH im April 2010 das Insolvenzverfahren eröffnet. Ihr zu 50 Prozent beteiligter Gesellschafter und Geschäftsführer G machte in seiner Einkommensteuererklärung für 2010 einen Verlust nach § 17 EStG geltend, obwohl das Insolvenzverfahren noch nicht abgeschlossen und zudem bis Mai 2011 strittig war, inwieweit die Hausbank der GmbH den G angesichts einer Forderung von ca. 1,4 Mio. Euro gegen die GmbH aus einer Höchstbetragsbürgschaft über 450.000 Euro in Anspruch nehmen würde. Letztlich wurde G gegen Zahlung von 60.000 Euro aus der Bürgschaft entlassen.

Das Finanzamt versagte den Abzug des Auflösungsverlusts im Veranlagungszeitraum 2010; dieser sei erst im Folgejahr zu berücksichtigen. FG und BFH sahen dies ebenso.

Das Entstehen eines Auflösungsverlusts setzt u.a. voraus, dass die Höhe der nachträglichen Anschaffungskosten des Gesellschafters feststeht. Davon ist nicht auszugehen, solange Gesellschafter und Hausbank der GmbH noch über die Höhe der Inanspruchnahme aus einer für Verbindlichkeiten der GmbH übernommenen Bürgschaft verhandeln und das Ergebnis der Verhandlung nicht feststeht.

Das Interesse eines Gesellschafters, den Verlust so früh wie möglich geltend zu machen, liegt auf der Hand: Zum einen eröffnet dies die Möglichkeit des Verlustrücktrags in den wirtschaftlich eventuell noch erfolgreicheren vorangegangenen Veranlagungszeitraum, zum anderen sinkt das Risiko, den Verlust nicht mehr abziehen zu können, weil er tatsächlich in einem bereits bestandskräftig veranlagten früheren Veranlagungszeitraum entstanden ist.

Vor diesem Hintergrund sollte an der in der Praxis häufig anzutreffenden Vorgehensweise, den Verlust im Veranlagungszeitraum der Insolvenzeröffnung anzusetzen, festgehalten werden.

Weiterhin ist zu beachten, dass der Verlust nach ständiger Rechtsprechung des BFH auch dann bereits entstanden ist, wenn mit einer wesentlichen Änderung der nachträglichen Anschaffungskosten nicht mehr zu rechnen ist. Allerdings ist nach wie vor unklar, was unter einer „wesentlichen Änderung“ zu verstehen ist. Auch dies spricht für den Rückgriff auf die vorstehende Praktikerlösung.

Stand: 23.09.2015 14:10