Neuigkeiten
Startseite / Themen / Aktuell / GmbH-Gründung: Wer ist zum Vorsteuerabzug berechtigt?
GmbH-Gründung: Wer ist zum Vorsteuerabzug berechtigt?

GmbH-Gründung: Wer ist zum Vorsteuerabzug berechtigt?

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass Personen, die sich in Form einer GmbH unternehmerisch betätigen wollen, schon vor Abschluss des notariellen Gesellschaftsvertrags mit dem Geschäftsbetrieb beginnen. Es werden Einrichtungsgegenstände für das Büro und Beratungsleistungen z.B. durch einen Anwalt oder Steuerberater eingekauft. Dann fragt sich, wer die Umsatzsteuer aus den betreffenden Eingangsrechnungen geltend machen kann: Der Zusammenschluss der Gründungsgesellschafter oder – eventuell wahlweise – die später eingetragene GmbH.

Bei der Gründung einer GmbH sind drei Phasen zu unterscheiden: Die sog.Vorgründungsgesellschaft betrifft das Stadium bis zum Abschluss des notariellen Gesellschaftsvertrags. Sie stellt eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts bzw. im Fall einer Ein-Mann-Gründung ein Einzelunternehmen dar. Mit Abschluss des notariellen Gesellschaftsvertrags entsteht die Vorgesellschaft, die mit der Eintragung im Handelsregister zur GmbH wird.

Die Vorgründungsgesellschaft ist mit der späteren GmbH nicht identisch. Die GmbH kann mithin nicht die Vorsteuer aus den Rechnungen an die Vorgründungsgesellschaft geltend machen.

Fraglich ist, ob die Vorgründungsgesellschaft selbst Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes ist und damit die Vorsteuer geltend machen kann. Dies ist zu bejahen, wenn die Vorgründungsgesellschaft eigene Außenumsätze ausführt, was aber in der Praxis eher selten der Fall sein dürfte.

Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, der sich die Finanzverwaltung angeschlossen hat, ist die Unternehmereigenschaft aber auch zu bejahen, wenn in der Weitergabe der bezogenen Lieferungen und sonstigen Leistungen (z.B. an die spätere GmbH) eine Geschäftsveräußerung nach § 1 Abs. 1a Umsatzsteuergesetz gesehen werden kann.

Dies dürfte allerdings bei der Weitergabe nur einzelner Wirtschaftsgüter problematisch sein. Hier wird man eine Unternehmereigenschaft nur bejahen können, wenn die Weitergabe entgeltlich erfolgt. Erfolgt hingegen die Übertragung auf die spätere GmbH unentgeltlich, dürfte der Vorsteuerabzug bei der Vorgründungsgesellschaft nicht möglich sein.

Fazit: Um sich den Vorsteuerabzug zu sichern, sollten die Gründungsgesellschafter entweder bereits Umsätze erzielen (dann als offene Handelsgesellschaft) oder aber mit dem Einkauf von Gegenständen und Dienstleistungen warten, bis der Notarvertrag über die GmbH abgeschlossen worden ist.

Demgegenüber ist die mit Abschluss des notariellen Gesellschaftsvertrags entstehende Vorgesellschaft nach ständiger Rechtsprechung nach den gleichen steuerlichen Grundsätzen zu behandeln wie die später eingetragene GmbH. Somit besitzt sie auch die Unternehmereigenschaft. Die an die Vorgesellschaft erbrachten Lieferungen und sonstigen Leistungen werden so behandelt, als seien sie an die eingetragene GmbH bewirkt worden, die damit zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. Von daher sollte bei einer beabsichtigten GmbH-Gründung mit Anschaffungen so lange gewartet werden, bis der Gesellschaftsvertrag notariell beurkundet worden ist.

Stand: 25.02.2014 12:41