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Digitale Transformation analog denken: Die digitale GmbH auf der Serviette?

Digitale Transformation analog denken: Die digitale GmbH auf der Serviette?

Viele große Ideen hatten ihren Ursprung auf einer kleinen Serviette. Denn was auf eine Papierserviette passt, geht auch leicht ins Gehirn. Einleuchtend, oder? Doch was hat eine Serviette mit digitaler Transformation einer GmbH zu tun? Eine ganze Menge. Denn GmbH-Geschäftsführer scheitern bei der digitalen Transformation allzu oft an schwerfälligen, sterilen Strategiepapieren. Wer aber Menschen mit einer Idee anstecken möchte, muss begeistern und eine visuelle Geschichte erzählen.

Große Ideen wurden in der Vergangenheit schon öfter auf kleinen Servietten geboren. So kritzelte Jeff Bezos seine erste Idee zum legendären Amazon-Geschäftsmodell auf ein Mundtuch. Die Serviettenskizze ist ein intelligentes Werkzeug für GmbH-Geschäftsführer, um komplexe Themen auf den Punkt zu bringen und damit die Belegschaft auf die Reise mitzunehmen.

Der Masterplan für eine digitale Transformation auf einer Serviette. Das klingt vielversprechend. Aber ist es nicht ein Widerspruch in sich, etwas Digitales analog zu denken? Ganz und gar nicht: Denn digital bedeutet null oder eins. Dazwischen gibt es nichts. Entweder-oder, schwarz oder weiß – das ist verlässlich eindimensional. Das analoge Denken kennt im Gegensatz dazu eine Vielzahl an Lösungsmöglichkeiten und Optionen. Mein Ziel ist daher, GmbH-Geschäftsführer explizit dazu zu ermutigen, digitale Transformation analog zu denken und zwar ganz bodenständig mit Stift und Serviette!

Neun Kästchen auf einer Serviette
Sie meinen neun Kästchen sind keine Raketenwissenschaft? Da haben Sie wohl recht. Soll es auch nicht sein. Komplexe Sachverhalte komplex darzustellen ist keine Kunst. Als GmbH-Geschäftsführer gilt es, in der Komplexität den Überblick zu behalten. Die großen Linien verstehen und gestalten und sich im Klein-Klein zu verlieren, hilft wenig beim Bändigen des Schreckgespenstes digitale  Transformation. Es gibt im Grunde drei Transformationsebenen, die für alle Unternehmenstypen gleichermaßen gelten. Es spielt tatsächlich keine Rolle, ob es sich um einen Einzelunternehmer, einen Handwerksbetrieb, ein mittelständisches Unternehmen oder einen Großkonzern handelt. Alle haben eine Unternehmenskultur, jeder hat mindestens ein Geschäftsmodell und jeder hat Strukturen und Prozesse, die das Ganze im Inneren zusammenhalten. Von einem digital transformierten Unternehmen lässt sich nur sprechen, wenn wirklich alle drei Ebenen den Weg durchlaufen haben – das eine geht nicht ohne das andere. Dazu kommen neun Transformationsfelder, die wir den Transformationsebenen zuordnen können, die ebenfalls immer vorhanden sind.

Normativer Orientierungsrahmen: Vom Gewinn zum Sinn
In jeder Organisation definiert der normative Orientierungsrahmen das Leitbild mit seinen Werthaltungen, Normen und Grundsätzen. Er gibt die Mission vor und prägt Glaubenssätze und Menschenbild. Der normative Orientierungsrahmen sollte stets auch eine Antwort auf die existenzielle Frage geben, wofür Ihr Unternehmen in digitalen Märkten bei Kunden und Mitarbeitern stehen will.

Denkhaltung: Vom Entweder-oder zum Sowohl-als-auch
In komplexen und mehrdimensionalen Situationen ist zunehmend die Fähigkeit gefragt, Unsicherheit erzeugende Mehrdeutigkeit aufzuspüren und auszuhalten, dabei aber dennoch Entscheidungskraft zu beweisen. Souverän denkende und agierende Menschen erwägen unterschiedliche Perspektiven, betrachten alles aus einer größeren Blende, reflektieren und resümieren schließlich in einer pragmatischen Lösung jenseits vom Entweder-oder-Paradigma.

Wissenskultur: Vom Wissen zum Lernen
Die Wissenskultur beschreibt den Umgang mit (Nicht-)Wissen und den Transfer des Know-how in einem Unternehmen. Digital Leader besitzen die Fähigkeit, ihr Wissen mit anderen zu teilen und zu verknüpfen. Ihnen ist bewusst, dass sie in digital transformierten Zeiten Gefahr laufen, komplexe Zusammenhänge zu übersehen und die Entscheidungsfähigkeit ihrer Organisation gefährden, wenn sie sich im Elfenbeinturm verschanzen und gehortetes Wissen als Quelle der Macht instrumentalisieren.

Arbeitsweise: Vom Marathon zum Sprint
Die Arbeitsweise legt Rhythmus und Modus der Zusammenarbeit in einer Organisation fest. In einer digitalen VUKA-Welt verkürzen sich Planungshorizonte deutlich. Agilität ist hier das Stichwort. Sie macht eine Organisation anpassungsfähiger und wendiger. „Einfach mal machen” statt lange zu planen, ist das neue Credo. Strategien, Ergebnisse und Vorgehensweisen werden kontinuierlich an das dynamische Umfeld angepasst, ohne dass das große Ganze verloren ginge. Mitarbeiter arbeiten eigenverantwortlich in kleinen selbstorganisierenden Teams. Agil arbeitend meistern sie souverän die hohe Unsicherheit in den digitalen Märkten.

Organisationsstruktur: Vom Superheld zur Gummibärenbande
Die Disney Gummibärenbande fußt auf einer US-amerikanischen Zeichentrickserie und stellt zugleich ein schönes Sinnbild für moderne Team- und Organisationsstrukturen dar. Ein Zaubertrank versetzt die Bandenmitglieder in die Lage, agil wie ein Gummiball zu hüpfen. Die Gummibärenbande symbolisiert ein hochgradig interdisziplinäres Team mit ausgeprägtem Spirit – einer für alle, alle für einen! Die bunte Truppe kann dabei locker auf hierarchische Strukturen verzichten und bevorzugt es, Entscheidungen gemeinschaftlich zu treffen. Sie bieten sich bestens als Vorbild für digitale Leader an. Warum? Technologie und Märkte entwickeln sich viel zu dynamisch, um weiterhin auf Erfolg durch starr-hierarchische Organisationsmodelle zu setzen. Unweigerlich verändert die digitale Transformation tradierte Wertschöpfungsstrukturen und die Art, wie wir künftig zusammenarbeiten.

Performancemanagement: Vom Feedback zum Feedforward
Das klassische Performancemanagement setzt nicht selten auf falsche Anreize und macht Menschen blind für das Wesentliche. Der jährliche Zielvereinbarungszyklus erweist sich angesichts der hohen Marktdynamik als viel zu starr: Ziele, die zum Jahresbeginn definiert wurden, werden nicht selten im Laufe des Jahres einfach obsolet, unmöglich zu erreichen oder gar unbedeutend. Dem Bonus zuliebe läuft die Organisation aber blindlings dem Ziel von gestern hinterher, obwohl längst andere Prioritäten herrschen (sollten). Andere umgehen das „Business-Theater“, indem sie sich von vorneherein niedrige Ziele stecken. Die Rückschau am Jahresende wirkt meist wie eine Therapiesitzung zur Vergangenheitsbewältigung, aus der nur selten ein Momentum für Veränderung wächst. Aber genau das wäre dringend gefragt, um die digitalen Flutwellen mit Leichtigkeit zu parieren. Feedback sollte daher zum Feedforward werden: regelmäßig und unmittelbar, zukunftsgerichtet und handlungsmotivierend.

Digitalisierungsstrategie: Vom Blindflug zur Punktlandung
Eine Digitalisierungsstrategie setzt voraus, dass das Ziel klar definiert ist. Wo will das Unternehmen ankommen? Das digitale Zielbild der GmbH ist daher stellarer Fixpunkt. Es berücksichtigt zukünftige Bedürfnisse ihrer digitalen Kunden, technologische Entwicklungen und das digitale Wettbewerbsumfeld. Es baut auf dem Fundament der eigenen digitalen Stärken und Kompetenzen auf.

Kundenorientierung: Vom technischen Feature zum Nutzen
Innerhalb der digitalen Transformation von Unternehmen nimmt die Customer Experience einen bedeutenden Platz ein. Kunden, die mit Angeboten und Produkten in Berührung kommen, machen eine Erfahrung. Aus der Gesamtheit dieser Erfahrungen bildet sich ein Urteil, erwachsen Sympathien und im positiven Fall vertrauensvolle Beziehungen. An allen Berührungspunkten (sogenannte Touchpoints) sollte die positive Kundenerfahrung oberste Priorität haben. Es sind eben nicht die technischen Features einer Marktleistung, die den Unterschied ausmachen, sondern die vielen nutzenstiftenden Erlebnisse und emotionalen Kicks, die Kunden durchleben.

Digital Business: Vom Produkt zum digitalen Geschäftsmodell
Digitale  Disruptoren denken Geschäftsmodelle meist komplett neu. Denn sie haben eines sehr gut verstanden: Heute ist es wichtiger denn je, das bessere Geschäftsmodell zu haben als lediglich das bessere Produkt. Unternehmen müssen sich auf den Aufbau digitaler, serviceorientierter Geschäftsmodelle fokussieren. Schließlich geht es darum, die Frage zu beantworten, wie sie in einem digitalen Morgen und Übermorgen Geschäft und Geld machen. Sie müssen nach den relevanten Kundenbedürfnissen forschen und darauf aufbauend Geschäftsideen entwickeln, die sie unter realen Marktbedingungen testen. Auf diese Weise finden Unternehmen rasch heraus, welche innovativen Geschäftsmodelle sie künftig erfolgreich machen werden. Mit Chuzpe und strategischem Geschick haben wir auch dieses Kästchen erobert. Alles zu seiner Zeit.

Zur Person

Prof. Dr. Dennis Lotter ist Agent Provocateur in Sachen digitaler Transformation. Mit Elan und Leidenschaft jagt er die Schreckgespenster der Wirtschaft. Als Keynote Speaker und Trainer holt er Menschen aus ihren Komfortzonen und begleitet sie als Berater und Agile Coach in digitalen Veränderungsprozessen. Seine Mission: Unternehmen bewegen, sich selbst zu bewegen – stracks in Richtung digitale Zukunft.
www.institut-slc.de
Stand: 22.04.2020 09:40