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Der Investitionsabzugsbetrag der GmbH

Der Investitionsabzugsbetrag der GmbH

1. Liquiditätsvorteil für die begünstigten Gesellschaften

Unternehmen in allen Rechtsformen (Einzelunternehmer, Personen- und Kapitalgesellschaften) können den Investitionsabzugsbetrag gemäß § 7g EStG in Anspruch nehmen. Generelle Voraussetzung ist lediglich, dass die Gesellschaft aktiv am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt. GmbHs gehören also immer zu den begünstigten Unternehmen, wenn am Schluss des Wirtschaftsjahrs, in dem der Abzug vorgenommen wird, das Betriebsvermögen die Grenze von 235.000 € nicht überschreitet (§  7gAbs. 1 Nr. 1a EStG). Ob das Betriebsvermögen dieses Größenordnungsmerkmal überschritten hat, lässt sich wie folgt ermitteln: Anlagevermögen zzgl. Umlaufvermögen und aktive Rechnungsabgrenzungen und abzüglich Rückstellungen, Verbindlichkeiten sowie passive Rechnungsabgrenzungen.

Da im Jahr der geplanten künftigen Anschaffung eines abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsguts des Anlagevermögens bis zu 40% der Anschaffung- oder Herstellungskosten Gewinn mindernd abgezogen werden können, besteht der Vorteil des Investitionsabzugsbetrags nicht in einer dauerhaften Steuerersparnis, sondern lediglich in einer Steuerstundung und den damit verbundenen Zins- und Liquiditätsvorteilen.

Beispiel :

Die A-GmbH mit einem Betriebsvermögen in Höhe von 180.000 € plant Ende 2014, innerhalb der nächsten drei Wirtschaftsjahre eine Maschine mit Anschaffungskosten von 100.000 € und einer Normal-AfA von 20% (Nutzungsdauer fünf Jahre) zu erwerben. Die GmbH kann in der Steuererklärung für 2014 ihren Gewinn außerhalb der Bilanz um einen Investitionsabzugsbetrag von 40.000 € mindern.

Wird die Maschine zwei Jahre später (in 2016) angeschafft, so ist einerseits der geltend gemachte Investitionsabzugsbetrag dem Gewinn hinzuzurechnen; andererseits kann die GmbH (Wahlrecht) die Anschaffungskosten um bis zu 40%, höchstens jedoch um den Hinzurechnungsbetrag, in der Bilanz geringer ansetzen. Die Maschine kann also mit (100.000 € – 40.000 € =) 60.000 € bilanziert werden.

Nach § 7g Abs. 5 können im Anschaffungsjahr und den vier folgenden Jahren neben den normalen Abschreibungen nach § 7 Abs. 1 oder 2 Sonderabschreibungen bis zu insgesamt 20% der Anschaffungskosten in Anspruch genommen werden, die auf die Jahre der Nutzung beliebig verteilt werden können.

Nimmt die GmbH im vorstehenden Beispiel das höchstmögliche Abschreibungs-(AfA-)Volumen im Investitionsjahr in Anspruch, kann sie 64% (64.000 €) der Anschaffungskosten für die Maschine als Aufwand verrechnen: 40% (40.000 €) nach § 7g Abs. 2 EStG, 20% Sonder-AfA nach § 7g Abs. 5 EStG sowie die Normal-AfA von 20% nach § 7 Abs. 1 EStG, wobei die Sonder- und die Normal-AfA jeweils von der verringerten Bemessungsgrundlage, also von 60.000 €, berechnet werden (§ 7 g Abs. 2 letzter Halbsatz EStG).

Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Sonderabschreibungen ist, dass die GmbH auch am Ende des Wirtschaftsjahrs vor der Anschaffung das Größenordnungsmerkmal von 235.000  € Betriebsvermögen nicht überschreitet und das Wirtschaftsgut im Jahr der Anschaffung sowie im Folgejahr in einer inländischen Betriebsstätte des Betriebs ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt wird.

2. Aufstockung in den Folgejahren ist zulässig

Hat eine GmbH einen Gewinn mindernden Investitionsabzugsbetrag für ein Wirtschaftsgut beantragt, kann sie diesen in einem Folgejahr innerhalb des dreijährigen Investitionszeitraums bis zum gesetzlichen Höchstbetrag aufstocken. So entschied der BFH mit Urteil vom 12.11.2014. Die abweichende Auffassung der Finanzverwaltung im BMF-Schreiben vom 20.11.2013 (dort Rz. 6) ist insoweit überholt. Es ist also nicht erforderlich, den Investitionsabzugsbetrag von vornherein für das richtige Wirtschaftsgut in der maximalen Höhe geltend zu machen. Ein Investitionsabzugsbetrag, der in einem Jahr gebildet wurde, kann somit im nächsten Jahr weiter aufgestockt werden.

Beispiel:

Eine GmbH beabsichtigt im Jahr 2016 einen Firmenwagen zu erwerben, der voraussichtlich 40.000 € kosten wird. Die GmbH kann bereits für das Jahr 2014 einen Investitionsabzugsbetrag von 40.000 € x 40% = 16.000 € bilden.

Nach dem BFH-Urteil darf die GmbH den Investitionsabzugsbetrag im Jahr 2014 auf einen Teilbetrag (z.B. auf 10.000 €) begrenzen und hat die Möglichkeit, für das Jahr 2015 den Investitionsabzugsbetrag um 6.000 € auf 16.000 € zu erhöhen.

Damit hat der BFH eine interessante Möglichkeit zur Gewinngestaltung aufgezeigt.

Stand: 19.03.2015 10:10