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Corona: Nach der Krise ist vor der Krise

Corona: Nach der Krise ist vor der Krise

Die Corona-Krise überrollt gerade die Unternehmen. Es ist keine übliche sich entwickelnde Rezession. Sondern es ist eine Krise ohne Ankündigung nach zehn Jahren guter Konjunktur. Daher sind viele Unternehmen nicht gut vorbereitet. Und für viele Unternehmen ist es die erste Krise überhaupt. Daraus leitet sich eine unternehmerische Konsequenz ab: Die Erfahrungen, die Unternehmen jetzt machen, zu nutzen für die Vorbereitung auf die nächste Krise – um dann einen „Rezession-Notfallplan“ in der Schublade zu haben. Diese Chefaufgabe lässt sich gut parallel zu den vielen Aktivitäten bewerkstelligen, die jetzt erforderlich sind, um die Corona-Krise zu bewältigen. Tipps dazu und Hinweise zu wichtigen Themen für den „Rezession-Notfallplan“ finden Sie in diesem Beitrag.

Auf den ersten Blick mag es wie eine Zumutung erscheinen: Neben den vielfältigen Aktivitäten und den Existenzsorgen, die Unternehmen jetzt umtreiben, auch noch einen „Rezession-Notfallplan“ erarbeiten. Das Positive daran: Der Aufwand ist im ersten Schritt absolut überschaubar und viele Gedanken und Themen unterstützen auch bereits in der aktuellen Corona-Rezession.

Die Themen einfach auflisten
Der erste Schritt für den „Rezession-Notfallplan“ lautet schlicht und ergreifend: Alle Aspekte und Themen, mit denen Sie sich jetzt beschäftigen, um die Corona-Krise zu meistern oder gar zu überleben, schreiben Sie einfach nur in eine Liste. Auch alle Gedanken und Ängste, die Ihnen durch den Kopf gehen. So haben Sie im ersten Schritt einen Themenspeicher. Und die Sicherheit, dass Sie nichts davon vergessen können.

In welchem Medium Sie diese Liste führen, hängt dabei allein von Ihrer Arbeitsweise ab: handschriftlich auf einem Blatt, das immer auf Ihrem Schreibtisch liegt, in einer Datei im PC oder Smartphone, mit Post-its an einer Wand, etc.

Wenn es für Sie den Überblick erleichtert, gliedern Sie Ihre Liste direkt in Themenbereiche, wie zum Beispiel Liquidität, Kunden, Lieferanten, Mitarbeitende, Chefaufgaben, Steuerberater, etc.

Wenn sich Ihre Liste immer mehr füllt, dann nehmen Sie sich einmal eine ruhige Stunde und ordnen die gesammelten Stichworte und überführen diese in Themenbereiche wie eben schon dargestellt. Das ist dann die erste Gliederung für Ihren „Rezession-Notfallplan“.

Binden Sie andere mit ein
Die Corona-Krise macht uns gerade deutlich, wie wichtig für uns direkte persönliche Kontakte sind – weil wir diese jetzt radikal reduzieren müssen und damit vermissen.

Nutzen Sie Ihre Kontakte zum Austausch über Ihre Themenliste:
– Bitten Sie Ihre (wichtigen) Mitarbeiter/innen parallel ebenso die wichtigen Themen aus ihrem jeweiligen Blickwinkel zu sammeln. Und später fügen Sie diese im Notfallplan zusammen. Und natürlich nutzen Sie wichtige Impulse daraus auch bereits jetzt.
– Tauschen Sie sich mit Unternehmerkollegen/innen dazu aus: aktuell und dann beim Zusammenstellen Ihres Notfallplans für das böse R-Wort.

Die Liquidität sichern – denn ohne sie ist alles nichts
Das führt uns diese Krise wieder einmal sehr deutlich vor Augen. Alle Hilfsmaßnahmen sind darauf gerichtet, erst einmal die Liquidität der Unternehmen irgendwie möglichst lange aufrecht zu erhalten. Natürlich ist die Situation in den Unternehmen vollkommen unterschiedlich.

Aber die Fragen zu den Liquiditätsreserven sollten Unternehmen im Griff haben:
– Guthaben auf Geschäftsgirokonten oder weitere Reserven auf Tagesgeldoder Festgeldkonten (auch bei Null-Zinsen)
– Nicht ausgenutzte Kontokorrentkreditlinien/Dispolinien auf Geschäftsgirokonten
– Wird das Mahnwesen zu den Kundenforderungen konsequent und stringent gehandhabt?
– Werden Kunden konsequent auf Anzahlungen angesprochen?
– Welche Zahlungsziele bei Lieferanten können zusätzlich genutzt werden, können längere Ziele vereinbart werden?
– Welche Lagerbestände können schneller verkauft werden?
– Welche Gegenstände im Anlagevermögen werden nicht mehr benötigt und können veräußert werden?
– Wo sind Kostenreduzierungen möglich?

Die Finanzierung auf eine krisensichere Grundlage stellen
Neben der Steuerung der Tagesliquidität ist für ein Unternehmen die Frage existenziell, ob die Finanzierung insgesamt auf einem sicheren Fundament steht.

Dazu sollten folgende Themen in den Blick genommen
werden:
– Gibt es zwei etwa gleich starke kreditgebende Hausbanken? Denn von nur einer Hausbank sollte sich kein Unternehmen abhängig machen.
– Werden Investitionen langfristig finanziert – idealer Weise mit öffentlichen Förderkrediten?
– Werden alternative Finanzierungsformen wie Leasing, Factoring, Internetportale geprüft und ggf. genutzt?
– Ist die Eigenkapitalausstattung ausreichend und wächst diese mit dem Unternehmenswachstum mit?
– Kann die Verhandlungsposition gegenüber Kreditgebern realistisch eingeschätzt werden – sind also die Ratingnote und deren Bedeutung, die Kapitaldienstfähigkeitsberechnung und die Bewertung der Sicherheiten durch die Bank bekannt?

Mit den richtigen Kunden Geld verdienen
Geld muss ins Unternehmen kommen – das wurde in den beiden vorgenannten Themen deutlich. Geld wird auf Dauer dem Unternehmen nur zufließen, wenn es mit den richtigen Kunden und den zu diesen passenden Produkten oder Dienstleistungen gute Geschäfte macht. Auch das wird für viele Unternehmen in den aktuellen Zeiten nochmals viel deutlicher. Dahinter steht die Frage nach dem Geschäftsmodell oder auch dem Unternehmenskonzept. Wie sah dieses vor Corona aus, während Corona und vermutlich nach Corona – und damit vor der nächsten Krise.

Folgende Aspekte sollten Unternehmen ständig überprüfen und weiter entwickeln:
– Wer sind große Hauptkunden, von denen das Unternehmen ggf. abhängig ist (großer Umsatzanteil)?
– Welches sind bei einer breit gestreuten Kundschaft wichtige Kundengruppen (alle Kunden, die die gleichen Anforderungen, Bedürfnisse an das Unternehmen haben, gehören zu einer Kundengruppe)?
– Wie verändern sich im Zeitverlauf die Bedürfnisse von Hauptkunden und wichtigen Kundengruppen?
– Welche Produkte und Dienstleistungen kaufen Hauptkunden und wichtige Kundengruppen heute – und welche vielleicht morgen?
– Mit welchen Produkten und Dienstleistungen verdienen wir wie viel Geld oder bei welchen haben wir die höchste Marge?
– Wie können wir diese margenstarken Angebote mit Blick auf Kunden und Kundengruppen im Markt forcieren?

Die großen Trends im Blick behalten
In der Krise ist das Tagesgeschäft erst einmal dominierend. Trotzdem dürfen Unternehmen die übergeordneten Entwicklungen nicht aus den Augen verlieren. Die beiden dominierenden Trends heißen derzeit digitale Transformation und Nachhaltigkeit. Für beide sollten Unternehmen intensiv beobachten, was diese vor allem für ihre Hauptkunden und Kundengruppen in den kommenden Jahren bedeuten werden und wie sie selber daher ihr Geschäftsmodell entsprechend weiter entwickeln und anpassen müssen. Das Thema Digitalisierung wird durch Corona einen Schub bekommen – durchaus auch in unterschiedlichen Akzenten und Richtungen. Das Thema Nachhaltigkeit rutscht derzeit etwas in der Wahrnehmung nach hinten – aber es wird dominant bleiben.

Die unternehmerischen Chefaufgaben in die Jahresplanung einbauen
Der „Rezessions-Notfallplan“ wurde zu Beginn bereits als Chefaufgabe bezeichnet. Und auch die in diesem Beitrag angesprochenen Themenbereiche gehören sämtlich zu den Chefaufgaben: Liquidität, Finanzierung, Bankkontakt, Kunden, Produkte und Dienstleistungen, Digitale Transformation, Nachhaltigkeit, Austausch mit anderen Unternehmer/innen und Mitarbeiterführung. Chefaufgaben sind die Themen der Unternehmensführung, die neben dem Tagesgeschäft auf den Chefschreibtisch gehören. Nicht alle jeden Tag, aber viele häufig, andere auch nur einmal im Jahr. Deshalb ist es sinnvoll, zu Beginn eines Jahres eine Liste der Chefaufgaben aufzustellen und diese zeitlich einzuplanen. Eine Idee zur Vorgehensweise finden Sie auf www.kmuchefaufgaben-check.de.

„Rezession-Notfallplan“ erstellen
Wenn Unternehmen die Ideen aus diesem Beitrag aufgreifen, wird in wenigen Wochen eine umfangreiche Stichwortsammlung für den „Rezession-Notfallplan“ vorliegen. Sortieren Sie diese nach Themen und legen Sie fest, welche Aktivitäten Sie zu den einzelnen Themen und Punkten angehen wollen, wenn wieder eine Krise am Horizont erscheint oder wie Corona über Sie herfällt.

Natürlich werden Sie dabei auch Themen in Ihrem Notfallplan haben, die in diesem Beitrag nicht vorgekommen sind. Andererseits wird dieser Notfallplan auch nie vollständig sein. Sie werden immer mal wieder über Aspekte im Unternehmen, im Markt stolpern, die Sie noch nicht bedacht haben. Dann ergänzen Sie diese direkt. Und nehmen Sie sich einmal im Jahr im Rahmen der Chefaufgaben die Zeit, Ihren „Rezession-Notfallplan“ durchzusehen, zu aktualisieren und zu ergänzen. Der positive Nebeneffekt: Sie schärfen Ihren sechsten unternehmerischen Sinn für die Krisenprävention.

Sie wissen ja, die nächste Krise kommt bestimmt. Wir wissen nur nicht, wann, wie lange sie anhalten und wie tiefgreifend sie sein wird. Das haben wir in den letzten Jahren der guten Konjunktur auch immer gesagt. Und dann kam Corona – und genau diesen Krisenauslöser hatten wir nicht auf dem Schirm.

Stellt sich die unternehmerische Frage: Können Sie sich vorstellen, dass Sie mit einem „Rezession-Notfallplan“ besser durch die nächste Krise kommen könnten? Wenn Sie diese Frage mit Ja beantworten, dann fangen Sie jetzt mit Ihrer Liste an.

Dipl.-Kfm. Carl-Dietrich Sander
UnternehmerBerater, Kaarst
www.corona-krise.cd-sander.de
www.rezession-was-tun.de

Stand: 24.06.2020 12:03