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Corona-Krise: Die Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers – Kostenerstattung durch den Arbeitgeber

Finanziert der Arbeitgeber die im häuslichen Arbeitszimmer verwendeten Arbeitsmittel, stellt sich die Frage, ob in Form der Zurverfügungstellung dem Arbeitnehmer ein (Sach-)Lohn zufließt. Dies ist zu verneinen, da der Arbeitgeber der Eigentümer der Arbeitsmittel bleibt. Erwirbt der Arbeitnehmer die Arbeitsmittel für den Arbeitgeber und erhält danach die verauslagten Beträge erstattet, liegt ein steuerfreier Auslagenersatz (§ 3 Nr. 50 EStG) vor.

Soweit es sich bei den Arbeitsmitteln um Telekommunikationsgeräte handelt (PC, Drucker, Fax-Gerät, Handy, Laptop, Tablet), kann der Arbeitnehmer diese auch privat nutzen, ohne dafür einen geldwerten Vorteil versteuern zu müssen (§ 3 Nr. 45 EStG).

Soweit der Arbeitnehmer eigene Arbeitsmittel für seine Tätigkeit im Homeoffice nutzt, ist fraglich, ob der Arbeitgeber die damit verbundenen Kosten steuerfrei erstatten kann. Diese Frage stellt sich auch für die sonstigen Aufwendungen zur Herrichtung des Homeoffice und zu seiner laufenden Nutzung (vgl. oben Nr. 6).

Von amtlicher Seite ist dies lediglich für den Fall geregelt, dass der Arbeitnehmer eigene Telekommunikationsgeräte für berufliche Zwecke nutzt. In diesem Fall kann der Arbeitgeber 20 Prozent der Gesamtkosten, höchstens 20 Euro monatlich, als Auslagenersatz steuerfrei erstatten (R 3.50 Abs. 2 Satz 4 Lohnsteuer-Richtlinien). Abgesehen davon sollen Leistungen des Arbeitgebers, mit denen er Werbungskosten des Arbeitnehmers ersetzt, nur steuerfrei sein, soweit dies gesetzlich bestimmt ist (R 19.3 Abs. 3 Satz 1 Lohnsteuer-Richtlinien).

Es gibt aber gute Gründe dafür, dass sich der Arbeitgeber an den Kosten des häuslichen Arbeitszimmers in der Corona-Krise beteiligen kann, ohne dass sein Beitrag zu einem Lohnzufluss beim Arbeitnehmer führt:

  • Lohn liegt nicht vor, wenn die Leistungen des Arbeitgebers im ganz überwiegenden eigenbetrieblichen Interesse liegen So hat der BFH die Übernahme der Kosten für Vorsorgeuntersuchungen leitender Angestellter durch den Arbeitgeber nicht als Lohn eingestuft (BFH, Urteil vom 16.5.2013, Az. VI R 94/10; BStBl. 2015 II, S. 186).
  • Wenn Maßnahmen zur Vermeidung berufsbedingter Krankheiten nicht zu Lohn führen (BFH, Urteil vom 30.5.2001, Az. VI R 177/99; BStBl. 2001 II, S. 671), dann sollte dies auch gelten, wenn die gesamte oder ein Großteil der Belegschaft vor einer Ansteckung durch das Coronavirus geschützt werden soll und zu diesem Zweck in das Homeoffice geschickt wird.
  • Zuwendungen des Arbeitgebers an seine Arbeitnehmer stellen keinen Lohn dar, wenn es sich um einen „aufgedrängten geldwerten Vorteil“ handelt, der zudem keine Marktgängigkeit besitzt. Hierunter fallen u.a. Fortbildungsmaßnahmen des Arbeitnehmers, wenn der Arbeitgeber an diesen Kenntnissen ein besonderes Interesse hat. Die Übernahme der Fortbildungskosten durch den Arbeitgeber stellt dann keinen Lohn dar (R 19.7 Lohnsteuer-Richtlinien).

Was für die Übernahme der Fortbildungskosten gilt, sollte erst recht für die Erstattung der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer durch den Arbeitgeber gelten, wenn davon die Fortführung des Betriebs abhängt. Allerdings liegt auch hierzu bis heute keinerlei Rechtsprechung vor.

Stand: 29.07.2020 14:16