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Corona-Krise: Chancen nutzen, Risiken minimieren

Noch verharren die Insolvenzzahlen auf überraschend niedrigem Niveau. Viele Experten rechnen in den kommenden Monaten jedoch mit einem großen Anstieg. Wenn Firmen drohen, zahlungsunfähig zu werden, hat dies auch Auswirkungen auf ihre Geschäftspartner. Diese sollten jetzt die Risiken ganz besonders im Blick behalten und gegensteuern.

Man könnte es die Ruhe vor dem Sturm nennen. Oder: das Auge des Hurrikans. Tatsache ist nämlich zweierlei: Einerseits befinden sich Wirtschaft und Gesellschaft seit März in Aufruhr. Massive Umsatzeinbußen bis hin zu vollständigen Ausfällen je nach Branche, Kurzarbeit, Hilfspakete in Milliardenhöhe: Die Corona-Krise ist allgegenwärtig. Andererseits: „Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen durch die Corona-Krise spiegelt sich somit bislang nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider“, ließ das Statistische Bundesamt (Destatis) im September wissen. Im ersten Halbjahr 2020 meldeten die deutschen Amtsgerichte laut Destatis 9.006 Unternehmensinsolvenzen – und damit 6,2% weniger als im ersten Halbjahr 2019. Vergleicht man den August 2020 mit dem gleichen Monat des Vorjahres, fällt die Differenz noch viel krasser aus: Im August 2020 lag die Zahl der eröffneten Regelinsolvenzverfahren nach Angaben von Destatis sogar um 38,9% unter der Zahl im August vor zwölf Monaten.

Ein wesentlicher Grund dafür: Seit dem 1.3.2020 ist die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen ausgesetzt. „Das führt zu einer erheblichen Verzerrung der tatsächlichen Lage“, findet Jörg Rossen, Geschäftsführer der Creditreform Bonn Rossen KG. Der Journalist Garbor Steingart geht in seinem „Morning Briefing“ vom 6.10.2020 sogar so weit zu sagen: „Corona ist die Glücksgöttin aller Missmanager“. Plötzlich säßen jene Vorstände, deren Firmen schon vorher dysfunktional waren, „im Schaumbad der Steuermilliarden“.

Man muss es nicht so drastisch formulieren. Doch Steingart und andere Beobachter legen den Finger in eine offenkundige Wunde: Die umfangreichen staatlichen Hilfen erreichen viele Unternehmen aller Größen und Branchen und sehr viele davon zu Recht – aber es profitieren eben auch Betriebe von den Maßnahmen, die auch ohne Corona-Krise über kurz oder lang ins Straucheln geraten wären. Wegen veralteter Geschäftsmodelle. Wegen zu geringer Innovationskraft. Oder wegen ungenügenden Finanzmanagements, was schnell zu Liquiditätsproblemen führt.

Doch nun, im Herbst, werden die Weichen neu gestellt. Mit dem Wettereinbruch und dem Beginn des Oktobers starteten viele Entwicklungen, die unmittelbare Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage haben. Am 30.9. endete beispielsweise die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen. „Das ist definitiv eine Zäsur für die künftige Insolvenzentwicklung“, betont Jörg Rossen. Jetzt zeige sich, wer auch ohne gesetzliche Sonderregelungen ein wettbewerbsfähiges Geschäftsmodell und zudem seine Liquiditätssteuerung und Finanzierung im Griff habe.

Weshalb ist der Stichtag 1.10.2020 so wichtig? Weil Zahlungsunfähigkeit mit sehr großem Abstand der Insolvenzgrund Nummer eins in Deutschland ist. Manche Experten sprechen gar von 90% – während nur 10% auf den Insolvenzgrund Überschuldung entfalle. „Das bedeutet, dass ab Oktober mit deutlich steigenden Insolvenzen und damit einhergehenden Forderungsausfällen sowie möglichen Unterbrechungen von Lieferketten zu rechnen ist“, fürchtet Moritz von Padberg, Geschäftsführer der Creditreform Köln von Padberg GmbH & Co. KG.

Die Konsequenz: Auch Lieferanten, Geschäftspartner und Kreditgeber beobachten nun angespannt die Entwicklung und tun gut daran. „Gerade jetzt kommt es für alle aktiven Unternehmen darauf an, das Risiko von Forderungsausfällen bei Kunden und auch Produktionsstopps durch ausfallende Lieferanten zu reduzieren“, betont von Padberg. Selbst langjährige und verlässliche Geschäftspartner können durch die anhaltende Wirtschaftskrise in Schieflage geraten sein. Was also können Unternehmen tun, um fit zu bleiben und sich für die weitere Entwicklung zu rüsten?

Gerade jetzt: Die Zahlen im Blick behalten

„Wir empfehlen gerade in diesen Zeiten, die Kostenseite ganz genau in den Blick zu nehmen und über die üblichen Routinen hinaus Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen“, rät Rossen. Spätestens jetzt sei die Zeit gekommen, ein konsequentes, alle Aspekte des Auftrags- und Zahlungswesens umfassendes Risikomanagement zu implementieren.

Unternehmen müssen bei sämtlichen Geschäftsprozessen die Zahlen im Blick behalten. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es gerade in kleinen und mittleren Betrieben in vielen Fällen aber nicht. Und zwar ebenso wenig wie die Erkenntnis, dass ein solches Risikomanagement bereits bei der Kundenakquise beginnt. „Gerade jetzt, wo alte Geschäftsmodelle auf den Prüfstand geraten und viele sich neue
Geschäftsfelder, neue Zielgruppen und Kunden erschließen, ist es entscheidend, zuverlässige, bonitätsstarke Kunden zu gewinnen“, argumentiert Rossen.

Firmen sollten sich deshalb detailliert über Neukunden informieren und alle relevanten Informationen zusammentragen – die von Auskunfteien wie Creditreform ebenso wie die der eigenen Vertriebsabteilung, die mit den Kunden im Gespräch ist. Auch die Ausfallwahrscheinlichkeit lässt sich bestimmen – von der verzögerten Zahlung oder Lieferung über die Nichtzahlung oder -lieferung bis zur Insolvenz. Das alles sollte in ein Kunden- und Kreditmanagement als Teil des Risikomanagements einfließen – frühzeitig und systematisch. Gleichzeitig sollte man die bestehenden Geschäftsbeziehungen im Blick behalten und auch dort die Bonität kontinuierlich überwachen.

Prozesse digitalisieren, effizienter werden

Nächster Schritt: Ein straffes Forderungsmanagement! „Firmen sollten sofort nach Leistungserbringung die jeweilige Rechnung stellen und dabei unbedingt auf die korrekte und vollständige Aufzählung ihrer erbrachten Leistungen und der vereinbarten Preise achten“, rät von Padberg. Jeder Fehler, jede Ungenauigkeit in der Rechnung kann von den Kunden dazu genutzt werden, die Zahlung hinauszuschieben oder zu verweigern.

Zugleich sollte man über einen zusätzlichen Anreiz für die Auftraggeber nachdenken, zügig zu zahlen. Man kann z.B. Skonto und Bankeinzug anbieten. Zudem sollten Firmen die Zahlungsbedingungen mit einem Tagesdatum – etwa „zahlbar rein netto bis zum 15.11.2020” – versehen.

Trotzdem kommt es immer wieder zu Zahlungsverzögerungen und -ausfällen. Bestandteil eines umfassenden Risikomanagements sollte deshalb ein ordnungsgemäßes Mahnwesen sein. Schriftliche Mahnungen dokumentieren den Zahlungsanspruch und verleihen einer Forderung Nachdruck. Zwei Mahnstufen genügen: „Erinnerung“ und „Letzte Mahnung“. Außerdem sollte eine Liefer- oder Leistungssperre als mögliche Folge an den Schuldner kommuniziert werden. Wird nicht gezahlt, kann man Kontakt aufnehmen und versuchen, strittige Punkte telefonisch zu klären. Führt das zu keinem Ergebnis, sollte man anschließend unverzüglich einen Inkassodienstleister und bei strittigen Forderungen einen Rechtsanwalt mit dem Forderungseinzug beauftragen.

Unbedingt beachten

„Prüfen Sie rechtzeitig vor Jahresende die Gültigkeit von offenen Rechnungen! Denn am 31.12.2020 verjähren viele Forderungen und damit auch die Zahlungsansprüche“, weiß Rossen. Wer bei seinem Risikomanagement auf entsprechende Dienstleister setzt, etwa Creditreform, erhält dort meist auch die Information, ob man von möglicher Verjährung betroffen ist und was man dagegen tun kann. Creditreform beispielsweise bietet einen kostenfreien Online-Verjährungsrechner an und informiert, was zu tun ist, wenn ein entsprechender Stichtag unmittelbar bevorsteht.

„Online“ ist in Zeiten der Digitalisierung ohnehin ein wichtiges Stichwort. Anbieter wie die Creditreform digitalisieren immer mehr Dienstleistungen, sodass vor allem kleine und mittlere Betriebe mit wenigen personellen und finanziellen Mitteln dennoch ein effizientes und umfassendes Risikomanagement aufsetzen können. „Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran und bietet gerade auch kleinen und mittleren Unternehmen viele Chancen“, sagt von Padberg. „Sie können die Effizienz ihrer Prozesse steigern und auf diese Weise z.B. auch Innovation mit besserem Risikomanagement verknüpfen.“

Wichtig: Finanzkommunikation

Die Zeiten sind turbulent. Auch viele gesunde Unternehmen sind von der Corona-Krise betroffen – oder geraten jetzt in die Krise, weil Kunden und einst verlässliche Geschäftspartner ausfallen. Was können sie in diesem Fall – außer einem konsequenten Risikomanagement – tun? Schließlich sind und bleiben sie ja ihrerseits etwa von Finanzierungspartnern (z.B. Banken) und ihrem guten Namen abhängig.

Bei ihrer Bonitätsbewertung von Unternehmen sind Wirtschaftsauskunfteien wie Creditreform strengen Regeln unterworfen.  „Creditreform kann deshalb auch und gerade in diesen von Unsicherheit geprägten Zeiten eine Positiv-Bewertung nicht per se zusichern“, unterstreicht Moritz von Padberg. „Aber: Erstens halten wir Unternehmen auf Wunsch laufend über die Veränderungen ihrer Bonität informiert. So können sie den Zeitfaktor für sich nutzen, um bei eventuellen Veränderungen schnell reagieren und in den Dialog mit Geschäftspartnern eintreten zu können. Viele Firmen fragen derzeit bei uns eine Selbstauskunft über ihr Unternehmen an. Das ist ein gutes Zeichen. Denn auf dieser Basis können wir – zweitens – auch miteinander reden. Wir messen das reale Risiko – aber verantwortungsbewusst und mit Augenmaß.“ Deshalb sollten umsichtige Unternehmen frühzeitig und regelmäßig das Gespräch suchen und transparent kommunizieren. „Um es etwas salopp zu formulieren“, sagt Rossen, „nur redenden Menschen kann geholfen werden. Und wir helfen!“

Die Creditreform
Seit der Gründung im Jahr 1879 ist es das Ziel von Creditreform, Unternehmen vor Forderungsausfällen zu schützen, die Liquidität vernichten und den Fortbestand von Unternehmen gefährden. Dieser Maxime sind alle Lösungen und Angebote von Creditreform verpflichtet. Heute sorgen 128 Geschäftsstellen in ganz Deutschland dafür, dass die Mitglieder ihre Geschäfte mit minimalem Risiko und maximaler Effizienz abwickeln können.

Vom Rhein-Erft-Kreis über die Metropolregion Köln bis in den oberbergischen Kreis unterstützt Creditreform Köln mit 66 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund 3.000 Unternehmen der Region in ihrem Tagesgeschäft.

Mit 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist Creditreform Bonn Partner für 2.000 Unternehmenskunden der mittelständischen Wirtschaft in Bonn/Rhein-Sieg, Euskirchen sowie im Rhein-Erft- und Ahrkreis.

www.creditreform.de/bonn
www.creditreform.de/koeln

Stand: 25.11.2020 13:09