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Bestellerkredit

Bestellerkredit

Immer mehr kleine und mittlere Firmen engagieren sich im Ausland. Insbesondere Investitionsgüter sind weltweit gefragt. Was aber, wenn der Besteller etwa wegen des hohen örtlichen Zinsniveaus Finanzierungsschwierigkeiten hat? Die Lösung: Ein Euler-Hermes-gedeckter Bestellerkredit.

Deutsche Maschinen und Anlagen sind weltweit gefragt. Mit 249 Mrd. € Umsatzvolumen ist Deutschland der drittgrößte Maschinen- und Anlagenproduzent nach China und den USA. Die deutschen Maschinenexporte erreichten zuletzt ein Jahresvolumen von rund 150 Mrd. €. Ein wachsendes Exportsegment sind dabei Umwelttechnologien. Hier zählen deutsche Unternehmen zu den weltweit führenden Anbietern – etwa von Wasseraufbereitungsanlagen.
Zunehmend gefragt sind auch Filtersysteme und Messinstrumente aus Deutschland. Diese Märkte boomen derzeit – mit guten Karten für große, mittlere und auch spezialisierte kleine Anbieter aus Deutschland. Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern sind viele dieser Investitionsgüter „made in Germany“ begehrt. Dies stellt die deutschen Hersteller oft vor besondere Herausforderungen. Gerade die vielen kleineren Anbieter, die im Auslandsgeschäft weniger versiert sind, sorgen sich beispielsweise um die gesicherte Finanzierung auf Seiten ihrer Geschäftspartner.  Die politischen Rahmenbedingungen oder das örtliche Zinsniveau machen es den bestellenden Unternehmen nicht immer leicht, die Ware aus Deutschland zu vertretbaren Konditionen zu finanzieren.

Ein Kredit für den ausländischen Importeur

Um dieses Risiko zu minimieren, empfiehlt beispielsweise die Sparkasse KölnBonn ihren Firmenkunden unter bestimmten Bedingungen (siehe Kasten) einen (rück-)gedeckten Bestellerkredit. Oder richtiger: Sie weist ihre Kunden darauf hin, dass deren ausländische Geschäftspartner unter Umständen einen solchen Kredit in Anspruch nehmen können. Dabei handelt es sich um Kredite für ausländische Importeure oder deren Banken, um die mittel- bis langfristige Finanzierung von Investitionsgütern aus Deutschland sicherzustellen. „Diese Kredite sichern nicht nur die Geschäfte deutscher Unternehmen in bestimmten Ländern ab“, erläutert Martina Nißl, Leiterin Fachbetreuung Firmen- und Individualkunden der Sparkasse KölnBonn, „sondern machen diese in vielen Fällen überhaupt erst möglich.“
Länder, für deren Unternehmen der Bestellerkredit interessant sein könnte, sind beispielsweise Brasilien, Malaysia, Nigeria, Russland und die Türkei. Ein Beispiel: Ein malaysischer Importeur fragt bei einem mittelständischen Hersteller im Rheinland Wasseraufbereitungsanlagen an. Das Geschäftsvolumen liegt bei mehr als 3 Mio. €. Idealerweise steht der rheinische Exporteur in regelmäßigem Kontakt zu seiner Hausbank und kennt daher den Bestellerkredit. Spürt er dann im Zuge der Vertragsverhandlungen mit seinem malaysischen Gegenüber, dass es dort zu Finanzierungsschwierigkeiten kommen könnte oder möchte er ihm einen weiteren Anreiz für das Geschäft verschaffen, macht er ihn auf den Bestellerkredit als Finanzierungsmöglichkeit aufmerksam.

Ein Ansprechpartner für alles

Das Geschäft kommt dann folgendermaßen zustande: Der Exporteur und der Importeur schließen einen Liefervertrag und vereinbaren eine An- oder Zwischenzahlung von mindestens 15% des Auftragswerts. Dann wendet sich der Exporteur mit den entsprechenden Dokumenten an seine Hausbank, im Beispielfall also an seinen Fachberater für internationale Geschäfte bei der Sparkasse KölnBonn. Der ist Ansprechpartner des hiesigen Unternehmens in allen Exportfragen und übernimmt im konkreten Fall die Koordination der weiteren Beteiligten.
Das ist zum einen die zuständige Landesbank – hier die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), mit der die Sparkasse KölnBonn, wie die anderen NRW-Sparkassen auch, zum Beispiel im Auslandsgeschäft kooperiert, um deren weltweites Netzwerk für ihre regionalen Kunden zu nutzen – und zum anderen der Kreditversicherer Euler Hermes.

Die Landesbank tritt beim Bestellerkredit als Kreditgeber in Erscheinung. Ihre Experten prüfen, vom konkreten Fall ausgehend, sehr genau die politischen Rahmenbedingungen sowie das importierende Unternehmen. Geben sie grünes Licht, schließt die Landesbank mit dem Importeur oder dessen Hausbank einen Kreditvertrag über 85% des Lieferwerts. Der Kreditversicherer übernimmt vor der Lieferung die Ausfuhrdeckung und sichert damit das Geschäft des Exporteurs ab. Nach der Lieferung deckt der Kreditversicherer den Finanzkredit und sichert somit das Geschäft der Landesbank ab.

Alle Seiten profitieren

Im Ausland steht der bereits erwähnte Importeur als Abnehmer des deutschen Exportunternehmens und als Kreditvertragspartner der Landesbank. Unter Umständen tritt als weiterer Akteur die ausländische Bank des Importeurs auf – dann schließt die hiesige Landesbank den Kreditvertrag nicht mit dem Importeur, sondern mit dessen Bank ab, die wiederum in einer Vertragsbeziehung mit dem Importeur steht.
Von dem durch den Kreditversicherer gedeckten Bestellerkredit profitieren alle Seiten: Der Importeur, weil der Kredit ihm unter Umständen überhaupt erst das Geschäft ermöglicht – in jedem Fall jedoch ein Geschäft zu vergleichsweise attraktiven Konditionen. Der Exporteur hat gleich eine ganze Reihe von Vorteilen (siehe Kasten). Der vielleicht Wichtigste: Die Risikominimierung.
„Sowohl das politische als auch das wirtschaftliche Risiko entfallen“, betont Martina Nißl, „der Exporteur kann Zeit und Energie in neue Geschäfte stecken.“ Zum Beispiel in die weitere Markterschließung in Ländern, in denen das Unternehmen bisher nicht aktiv war. Die Sparkassenexpertin empfiehlt den Bestellerkredit uneingeschränkt. Allerdings sollten sich die exportierenden Unternehmen im Klaren darüber sein, dass hinter der Kreditvergabe ein aufwändiges Prozedere steckt. „Der Prüfungsaufwand bei den beteiligten Kreditinstituten und beim Kreditversicherer ist beträchtlich“, erläutert Martina Nißl, „das kann schnell mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Meine Empfehlung deshalb: Die Hausbank frühzeitig in das Exportgeschäft einbinden.“ Doch das Warten lohnt sich: „Der Bestellerkredit“, weiß die Expertin, „eröffnet gerade kleinen und mittleren Betrieben mit erst langsam wachsender Auslandserfahrung interessante Perspektiven und neue Liefermöglichkeiten.“

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Martina Nißl
Leiterin Fachbetreuung Firmen- und
Individualkunden
Tel. 0221 226-90413
E-Mail: martina.nissl@sparkasse-koelnbonn.de
Infos im Internet
www.sparkasse-koelnbonn.de/ausland
www.eulerhermes.de

Stand: 29.07.2015 15:38