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Bargeldlos, kontaktlos, problemlos

Bargeldlos, kontaktlos, problemlos

Die Umsatzanteile von Bargeld im Einzelhandel sinken. Das freut die Händler, denn der bargeldlose Zahlungsverkehr hat für sie und ihre Kunden viele Vorteile. In jüngster Zeit kommt ein weiterer hinzu: mobiles und kontaktloses Bezahlen.

Am Ende wird sich das Gute zeigen und durchsetzen. Oliver Burmann und Alexander Imiela sind so sehr von dieser Maxime überzeugt, dass sie ihr Unternehmen danach benannt haben: The Good Will Out. Das war im Jahr  2007 und seitdem haben sich das Ladenlokal im angesagten „Belgischen Viertel“ von Köln und der gleichnamige Onlineshop zu einer gefragten Adresse für Sneaker entwickelt. Natürlich verkaufen Burman, Imiela und ihr Team aber nicht einfach Turnschuhe. Sneaker sind die Freizeitvariante von Lauf-, Basketball- oder anderen Sportschuhen. Oft sind sie Modellen aus früheren Jahren nachempfunden. Dieser RetroTrend ist erheblich. „Viele Kunden erfüllen sich einen Traum“, erzählt Carsten Wiezorek, General Manager bei The Good Will Out, „entweder gönnen sie sich jetzt endlich den Schuh, den sie sich früher als Jugendliche nicht leisten konnten, oder sie sind froh, einen Schuh wiederzuentdecken, den sie schon damals toll fanden.“ Von diesem Trend lebt The Good Will Out, zumal das Unternehmen nach eigenem Bekunden nicht nur herkömmliche Sneaker verkauft, sondern auch viele mit historischen Bezügen. „Wir erzählen eine Geschichte zu diesen Schuhen“, sagt Wiezorek, „etwa zu berühmten Sportlern, die ihn getragen haben, oder zum Design.“ Das kommt so gut an, dass manchmal 200 Kunden und mehr vor dem Laden stehen, wenn gerade wieder ein neues Modell ausgeliefert wird.

Die Zielgruppe des Kölner Unternehmens ist onlineaffin was sich in der Umsatzverteilung widerspiegelt: 80% seines Ertrags erwirtschaftet der Einzelhändler über seinen Onlineshop, davon wiederum kommt fast die Hälfte der Bestellungen aus dem Ausland. Immerhin für ein Fünftel des Umsatzes sorgt der Laden im „Belgischen Viertel“. Die Präsenz in der Kölner Innenstadt ist dem Unternehmen so wichtig, dass es vor neun Monaten sogar von der Händel- in die Richard-Wagner-Straße umzog und dort die Verkaufsfläche verdoppelte. „Das Ladenlokal in der Händelstraße wandeln wir gerade in einen permanenten Pop-up Store für spezielle Aktionen um“, erzählt Wiezorek, „außerdem eröffnen wir in Kürze zwei Häuser weiter ein Bekleidungsgeschäft“.

Bargeldanteil im stationären Handel geht zurück

Ein ausdrückliches Bekenntnis zum stationären Handel also. Doch wie bezahlen die Kunden dort eigentlich? „Tatsächlich immer noch recht oft mit Bargeld“, berichtet der General Manager – und das, obwohl es bei The Good Will Out keinen Schuh unter 50 € gibt. 40% des Ladenumsatzes sind Scheine und Münzen. Jeder zehnte Euro wird per Kreditkarte bezahlt, 50% mit girocard. „Letzteres nimmt zu, während der Bargeldumsatz langsam, aber stetig sinkt“, sagt Wiezorek. Dies deckt sich mit dem Trend im bundesweiten Einzelhandel. Im April veröffntlichte das Kölner EHI Retail Institute seine Studie „Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel 2018“. Demzufolge wird aktuell noch jeder zweite Euro im deutschen Einzelhandel mit Bargeld umgesetzt – Tendenz fallend.

Aber: „Nach Einschätzung der Händler wird die Barzahlung dennoch auch in den kommenden fünf Jahren insbesondere die Zahlungen von Kleinst und Kleinbeträgen dominieren“, teilte das Institut mit. Umgekehrt wird das Bezahlen per Karte immer beliebter. Laut der EHI Studie konnte der kartengestützte Umsatz in Deutschland nach stetigem Wachstum in den vergangenen Jahren auch 2017 ein deutliches Plus erzielen. Stärkster Umsatztreiber sei dabei die girocard. Sie steht für mehr als ein Viertel (26,3%) des bargeldlosen Umsatzes im stationären Einzelhandel. Mit weitem Abstand (12,6%) folgt die SEPA-Lastschrift, dann die Kreditkarte (6,5%). Bei The Good Will Out zahlen schon jetzt mehr Kunden per girocard und Kreditkarte und weniger mit Bargeld als im bundesweiten Durchschnitt. Das Unternehmen will es ihnen künftig noch leichter machen. „Im Pop-up-Store sowie in dem neuen Bekleidungsgeschäft wollen wir unseren Kunden auch die Gelegenheit bieten, kontaktlos zu bezahlen“, stellt Wiezorek in Aussicht. „Unsere Zielgruppe ist jung und technikaffin, das passt also gut zu unserenKunden und macht es ihnen noch leichter.“

Auch das EHI stellt in seiner Studie fest, dass die kontaktlose Bezahlvariante „vom Kunden sehr gut angenommen“ werde. Dabei profitieren die Kunden ebenso wie die Händler: „Gerade in Stoßzeiten spart man bei jedem einzelnen Zahlungsvorgang wertvolle Sekunden“, weiß Viktor Leonhardt, Fachberater Electronic Banking bei der Sparkasse KölnBonn, Deutschlands größter kommunaler Sparkasse. Zu den Kunden der Sparkasse KölnBonn zählen viele Einzelhändler in den beiden Städten. Sie berät diese rund ums bargeldlose und kontaktlose Bezahlen. Sobald sich ein Unternehmen dafür entscheidet, vermittelt die Sparkasse einen Kooperationspartner, mit dem sie seit über 20  Jahren erfolgreich zusammenarbeitet. Er schließt dann mit dem Händler einen Vertrag, der die Miete des entsprechenden Geräts, die Software, Installation sowie die kaufmännische und technische Unterstützung umfasst. Der Zahlungsverkehr wird über das Geschäftskundenkonto bei der Sparkasse abgewickelt

Kontaktlos ist das neue bargeldlos

Die modernen Bezahlterminals ermöglichen ein standortgebundenes sowie ein portables, mobiles Bezahlen. Dank der NFCTechnologie („near fie ld communication“) kann inzwischen per girocard und Kreditkarte auch kontaktlos gezahlt werden, was den Zahlungsvorgang weiter beschleunigt. Der Kooperationspartner der Sparkasse KölnBonn zum Beispiel stattet alle Geräte, die die Händler erwerben, so aus, dass sie kontaktloses Zahlen mit girocard und Kreditkarte ermöglichen. Bei Beträgen unter 25 € geht dies besonders schnell, da keine PIN-Eingabe erforderlich ist, erst bei höheren Beträgen ist die Eingabe der vierstelligen Zahlenkombination notwendig. Von jüngeren Zielgruppen wird derzeit verstärkt das Bezahlen per Handy entdeckt und die entsprechende Möglichkeit eingefordert. „Auf Dauer können Händler diesen Ruf nicht überhören“, glaubt Leonhardt.

Deshalb hat die Sparkasse KölnBonn die Zahlungsmöglichkeiten für ihre Kunden um diese zeitgemäße Variante erweitert: Seit diesem Sommer können Kunden mit ihrem Smartphone mobil bezahlen. Dazu bedarf es eines Handys mit einem Android-Betriebssystem ab der im Jahr 2014 veröffentlichten Version 5.0, der entsprechenden App „Mobiles Bezahlen“ und der Teilnahme am Online-Banking. Außerdem müssen die Kunden volljährig sein. Dabei gilt ebenfalls: Bis 25 € ist keine PIN-Eingabe erforderlich, kleine Einkäufe lassen sich also rasch bezahlen. „Für Händler und Kunden wird damit das Bezahlen noch bequemer und schneller“, betont Leonhardt, „und insbesondere Branchen mit einem hohen Anteil von kleineren Beträgen wie etwa die Gastronomie profitieren davon.“ Der kleine Haken an der Sache: Apple macht nicht mit – und somit können iPhone-Nutzer die App nicht nutzen. Das betrifft rund jeden fünften Smartphone-Besitzer. Apple setzt mit „ApplePay“ auf eine eigene Entwicklung. „Die Akzeptanz von kontaktlosem Bezahlen nimmt rasant zu“, beobachtet Leonhardt, „und die Händler sollten aktiv damit werben, dass dies bei ihnen möglich ist. Das dient der Kundenbindung und trägt zu einem positiven Image bei.“ Das sieht der General Manager von The Good Will Out genauso. „Wir sind sicher, dass viele unserer Kunden sich in den neuen Läden darüber freuen werden“, sagt Wiezorek.

Stand: 29.10.2018 13:56