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Auswirkungen von Corona: Steuerliche Entlastungen

Auswirkungen von Corona: Steuerliche Entlastungen

Das Thema ist inzwischen überall, im Fernsehen, in den sozialen Medien, auf der Straße: Corona. Das Virus, das zurzeit die ganze Welt in Atem hält, hat nicht nur gesundheitliche und soziale Folgen, sondern vor allem auch wirtschaftliche.

Zurzeit wird auch über die wirtschaftliche Situation in der Politik diskutiert und beraten. Inzwischen sind bereits einige Änderungen, sowohl auf Bundesebene, als auch ergänzende Maßnahmen in einzelnen Bundesländern, festgelegt worden.

Auch der steuerliche Bereich ist von den neuen Maßnahmen betroffen. In diesem Artikel finden Sie alle relevanten steuerlichen Änderungen.

Hinweis: Diese Änderungen gelten nur für Personen und Unternehmen, die unmittelbar und erheblich von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen sind. Trifft das auf Sie zu und Sie möchten die Maßnahmen in Anspruch nehmen, müssen Sie aktiv einen Antrag bei Ihrem zuständigen Finanzamt oder der Gemeinde stellen.

Folgende Änderungen sind insbesondere mit dem BMF-Erlass vom 19.3.2020, sowie der BMF-Mitteilung vom 3.4.2020 und der Mitteilung des Finanzministeriums Nordrhein-Westfalens vom 2.4.2020 in Kraft getreten.

Steuerzahlungen zinslos stunden
Jegliche Einkommen-, Körperschaft-und Umsatzsteuern, die bis zum 31.12.2020 fällig werden, können zinslos gestundet werden.

Der entsprechende Stundungsantrag kann beim zuständigen Finanzamt gestellt werden.

Handelt es sich um einen Stundungsantrag für die Gewerbesteuer, muss dieser bei der jeweiligen Gemeinde eingereicht werden. Hier entscheidet die jeweilige Gemeinde darüber, ob die zinslose Stundung gewährt wird.

Wichtig: Sollten zukünftig neue Steuerzahlungen entstehen (z.B. aufgrund weiterer Steueranmeldungen wie der Umsatzsteuer-Voranmeldung für März 2020 und folgende), muss für diese ein separater Stundungsantrag gestellt werden. Ein pauschaler Antrag für das komplette Jahr 2020 ist nicht möglich.

Vorauszahlungen anpassen
Die Vorauszahlungen für Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer können herabgesetzt werden, notfalls sogar auf 0 €. In diesem Fall müssen alle Anträge, auch der für die Gewerbesteuer, beim Finanzamt gestellt werden.

Vollstreckungsmaßnahmen werden ausgesetzt
Die Vollstreckung von überfälligen Steuerschulden (z.B. Kontopfändungen) wird bis zum 31.12.2020 ausgesetzt. Säumniszuschläge, die in dieser Zeit gesetzlich anfallen, werden erlassen. Das gilt für Steuerschulden aus der Einkommen-, Körperschaft- und der Umsatzsteuer.

Wichtig: Die Lohn-, und die Kapitalertragsteuer können als Abzugssteuern grundsätzlich nicht gestundet werden. Auch hier kann aber ein Antrag auf Vollstreckungsaussetzung gestellt werden.

Umsatzsteuer-Sondervorauszahlungen
Neben den Hilfsmaßnahmen auf Bundesebene gibt es auch Maßnahmen einzelner Bundesländer. Hierzu gehört die Erstattung von Umsatzsteuer-Sondervorauszahlungen. Insbesondere die Finanzämter in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen setzen die Umsatzsteuer-Sondervorauszahlungen für Dauerfristverlängerungen bei betroffenen Personen und Unternehmen auf bis zu 0 € herab. Auch hier muss ein Antrag an das zuständige Finanzamt gestellt werden.

Die Anpassungen haben keinen weiteren Einfluss auf die Dauerfristverlängerung. Diese wird weiterhin gewährt.

Befreite Sonderzahlungen
Arbeitgeber können ihren Beschäftigten einen Betrag (auch als Sachleistung) von bis zu 1.500 € im Jahr 2020 steuer- und sozialversicherungsfrei gewähren. Erfasst werden Sonderleistungen, die die Beschäftigten zwischen dem 1.3.2020 und dem 31.12.2020 erhalten.

Voraussetzung ist, dass die Beihilfen und Unterstützungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden. Die steuerfreien Leistungen sind im Lohnkonto aufzuzeichnen. Andere Steuerbefreiungen und Bewertungserleichterungen bleiben hiervon unberührt. Die Beihilfen und Unterstützungen bleiben auch in der Sozialversicherung beitragsfrei.

Vermeidung der höheren Risikoklasse beim Finanzamt
Jeder Steuerbürger wird von der Finanzverwaltung in verschiedene Risikoklassen eingestuft. Die Bewertung wird anhand der Zahlungsmoral und des Abgabeverhaltens automatisch vorgenommen.

Bestehen also Steuerrückstände, werden Abgabefristen für Steuererklärungen, Umsatzsteuer-Voranmeldungen oder Lohnsteuer-Anmeldungen nicht eingehalten, oder gab es Vollstreckungsmaßnahmen, wird der Steuerpflichtige in eine höhere Risikoklasse eingestuft.

Die Folgen einer höheren Risikoklasse können z.B. kritischere Überprüfungen der Steuererklärungen im Veranlagungsverfahren und häufigere Betriebsprüfungen sein.

Im Zuge des Coronavirus kann eine nachteilige Einstufung nun verhindert werden, wenn die oben genannten Anträge rechtzeitig beim zuständigen Finanzamt eingereicht werden.

Verrechnungspreise
Gerade im Konzern oder im Verbund mit gemeinnützigen Gesellschaften werden erhebliche Leistungen zwischen den Beteiligten ausgetauscht/verrechnet. Zur Bestimmung der verrechenbaren Preise wird häufig die sogenannte Kostenaufschlagsmethode herangezogen. Hierdurch können Gewinne bei den leistenden Gesellschaften entstehen, obwohl der restliche Konzern/Verbund Verluste hinnehmen muss.

In Zeiten von Krisen (z.B. Corona) ist immer die Fremdüblichkeit der Verrechnungspreise zu überprüfen. Unter Umständen kann hier, übergangsweise, auf einen Gewinnaufschlag verzichtet oder sogar nicht kostendeckende Preise vereinbart werden, wenn der Marktpreis (stark) gesunken ist. Hierdurch wird die Liquidität im Konzern/Verbund geschont.

Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Lohnsteuer-Anmeldungen
Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Lohnsteuer-Anmeldungen ab März 2020 (bei Dauerfristverlängerungen für Umsatzsteuer-Voranmeldungen ab Februar 2020) können auf Antrag beim zuständigen Finanzamt einen Monat später abgegeben und bezahlt werden.

Sind die Umsatzsteuer-Voranmeldung und die Lohnsteuer-Anmeldung also z.B. zum 10.4.2020 fällig, muss sie erst zum 10.5.2020 abgegeben und bezahlt werden.

Selbes gilt auch für quartalsweise Anmeldungen ab dem 1. Quartal 2020.

Wichtig: Die Änderung der Abgabefrist tritt nicht automatisch und nicht für alle in Kraft. Unmittelbar und erheblich von den Folgen des Coronavirus betroffene Personen und Unternehmen müssen bei ihrem Finanzamt einen Antrag stellen, um die Verschiebung der Abgabe nutzen zu können.

Abgabe der Steuererklärungen 2018
Steuererklärungen für 2018, bei denen Steuerberater mitwirkten, mussten bis zum 29.2.2020 abgegeben sein. Soweit bekannt, kann nun ein Antrag auf Fristverlängerung gestellt werden, wenn das Unternehmen von den Folgen des Coronavirus betroffen ist. In diesem Fall könnte das erforderlich fehlende Verschulden vorliegen. Auch betroffene Unternehmen und Personen, bei denen ein Antrag auf Fristverlängerung bereits abgelehnt wurde, können diesen nun erneut stellen.

Empfehlung
Sollten Sie als Person oder als Unternehmen von den Folgen des Coronavirus betroffen sein, nehmen Sie die angebotenen Möglichkeiten zur steuerlichen Entlastung in Anspruch. Auf diesem Wege sichern Sie Ihre Liquidität und die Ihres Unternehmens.

Tipp: Halten Sie eine aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertung und die Vergleichszahlen aus dem Vorjahr (2019) bereit, um Nachfragen des Finanzamts direkt beantworten zu können.

Mario Fuhs
Steuerberatungsgesellschaft Partnerschaft mbB
Niehler Straße 308
50735 Köln
Tel. 0221 752113 0

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Stand: 17.05.2020 15:16