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Auswirkung von Corona auf den Mittelstand: Soforthilfen für Unternehmen

Auswirkung von Corona auf den Mittelstand: Soforthilfen für Unternehmen

Der Coronavirus (COVID-19) breitet sich so schnell aus, dass fast stündlich die Zahlen der Infizierten steigen. Eine Ansteckung führt in erster Linie zu gesundheitlichen Problemen, wie Fieber, Husten und Atemproblemen. Doch nicht nur auf das Wohl der Menschen ist gefährdet, sondern auch die Wirtschaft. Wie beeinträchtigt der Virus das „Überleben“ der Unternehmen? Und wie kann man sich dagegen wehren?

Ein großes Beispiel in Deutschland ist der Fußball. DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius erklärt in einem Interview, dass der Deutsche Fußball-Bund im Jahr 2020 mit einem möglichen Verlust von 50 Mio. € rechnet.

Aber nicht nur die großen Konzerne leiden, sondern vor allem der Mittelstand, Kleinstbetriebe und Solo-Selbstständige. Gastronomie und Händler erwirtschaften durch die aufgezwungene Schließung keine Einnahmen, müssen aber weiterhin für die Fixkosten aufkommen. Coaches und Speaker, deren Arbeit von Live-Auftritten lebt, müssen Veranstaltungen absagen und können keinen Umsatz generieren. Und Geschäfte, die mit dem Onlinehandel ohnehin bereits konkurrieren, haben in dieser Situation doppelt verloren. Denn Online-Händler wie Amazon machen in dieser Krise höhere Umsätze als zuvor. Hinzu kommt, dass in vielen mittelständischen Unternehmen nicht genügend finanzielle Rücklagen gebildet wurden, um eine wochenlange Schließung zu überstehen.

Betriebsinterne Lösungen

Einige Unternehmen können zu Lösungsmöglichkeiten wie dem Homeoffice greifen. Auch Mischlösungen der Telearbeit sind möglich: Durch eine neue Organisation des Dienstplans kann ein Teil der Mitarbeiter von zu Hause aus und den anderen Teil wie sonst auch im Büro arbeiten, sodass pro Büro nur ein Mitarbeiter anwesend ist und die Gefahr einer Ansteckung verringert wird. Und Unternehmen oder Einzelpersonen, die normalerweise Seminare live anbieten, können auf Online-Seminare umstellen.

Eine weitere Möglichkeit ist, Kurzarbeit zu beantragen. Das heißt, dass die Mitarbeiter auf bestimmte Zeit 50% weniger arbeiten und 60% des ausgefallenen Nettolohns erhalten, Mitarbeiter mit mindestens einem Kind erhalten 67% des ausgefallenen Nettolohns. Nähere Informationen der Bundesagentur für Arbeit finden Sie hier.

Aber welche Maßnahmen können beispielsweise Restaurants ergreifen, denen diese Alternativen nicht weiterhelfen? Oder wie kann man sich generell Unterstützung suchen, wenn das Unternehmen durch Corona bedingte Einbußen macht?

Finanzielle Lösungen für Kleinstunternehmen und kleine Unternehmen

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat am 23.3.2020 „Eckpunkte für einen weitreichenden Schutzschirm“ veröffentlicht, der sich an Kleinstbetriebe, Solo-Selbstständige und Freiberufler richtet. Hier wird eine sogenannte „unbürokratische, finanzielle Soforthilfe“ angeboten. Dabei erhalten Kleinstunternehmen (einschließlich Landwirte), Solo-Selbstständige und Angehörige der Freien Berufe eine Einmalzahlung von

  • 9.000 € für drei Monate bei bis zu fünf Beschäftigten oder

  • 15.000 € für drei Monate bei bis zu zehn Beschäftigten oder

  • 25.000 € für drei Monate bei bis zu fünfzig Beschäftigten.

Bedingung ist hierbei, dass nachweisbar die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Folge der Corona-Pandemie sind. Somit darf der Schadenseintritt erst nach dem 11.3.2020 eingetreten sein. Ebenso muss man bei dem deutschen Finanzamt gemeldet sein und seine Tätigkeit von einer inländischen Betriebsstätte oder einem inländischen Sitz der Geschäftsführung aus ausführen. Wer einen Antrag stellen will, muss dies bis spätestens zum 31.5.2020 bei der zuständigen Landesbehörde tun. Die Antragsstellung erfolgt elektronisch. Bei welcher Landesbehörde Sie den Antrag stellen müssen, erfahren Sie hier. Den Antrag auf Soforthilfe für NRW finden Sie hier. Antworten auf häufig gestellte Fragen zu diesem Thema finden Sie hier.

Finanzielle Lösungen für mittlere Unternehmen

Für Unternehmen, die in der Theorie Homeoffice umsetzen könnten, aber nicht die benötigte Erfahrung oder Ausstattung haben, bietet das BMWi finanzielle Unterstützung in Form ihres Förderprogramms „go-digital“ an. Nähere Informationen dazu hier.

Da die Regierung davon ausgeht, dass kleine und mittlere Unternehmen genug Rücklagen gebildet haben müssen, um eine solche Krise zu überstehen, verweist man auf die Möglichkeit eines Kredites. Somit können beispielsweise mittelständische Unternehmen den sogenannten „Mittelstandskredit“ beantragen. Jedes Land hat dabei individuelle Voraussetzungen, wer einen Kredit beantragen darf. In NRW muss die KMU bereits fünf Jahre seit der Gründung bestehen, um einen Kredit beantragen zu können. Weitere Informationen zu den Krediten in den unterschiedlichen Ländern hier.
Alternativ kann auch ein Kredit aufgenommen werden, wie beispielsweise bei der KfW.

Hilfe für Start-ups

Wir schaffen einen Start-up-Booster als Corona-Unterstützung für Start-ups, junge Technologieunternehmen und kleine Mittelständler im Umfang von 2 Mrd. €. Für diese jungen innovativen Unternehmen passen klassische Kreditinstrumente häufig nicht. Daher bieten wir ein maßgeschneidertes Unterstützungspaket an. Wir nehmen dafür rund 2 Mrd. € in die Hand und erweitern die Wagniskapitalfinanzierung“, erklärt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Wie genau diese Unterstützung aussehen soll und wie man sie in Anspruch nehmen kann, ist derzeit noch nicht veröffentlicht worden. Es empfiehlt sich, sich diesbezüglich auf der Seite des BMWi regelmäßig auf dem Laufenden zu halten.

Eine weitere Unterstützung bietet die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht, die vorübergehend bis zum 30.3.2020 gilt. Auch hier gilt wieder, dass dies nur für Unternehmen infrage kommt, die durch die Corona-Pandemie Insolvenz anmelden müssten. Auch sollte eine Finanzplanung vorliegen, aus der hervorgeht, dass nach dem 30.9.2020 die Zahlungsunfähigkeit nicht weiter bestehen wird. Es ist ratsam, deswegen Kontakt zu Banken und Investoren aufzunehmen.

Fazit

Jedes Unternehmen sollte für sich überprüfen, welche internen Lösungen– wie z.B. Homeoffice – für sie infrage kommen, um nicht nur die eigenen Mitarbeiter vor einer möglichen Ansteckung zu schützen, sondern um auch den Betrieb in dieser Krise so gut wie möglich aufrecht halten zu können.
Ebenso sollte man sich mit finanziellen Hilfen, die die Regierung bereits anbietet oder in naher Zukunft anbieten wird, auseinandersetzen und auf dem Laufenden bleiben. Hilfreich können zusätzlich Gespräche mit Unternehmensberatern sein, die spezifisch diese Krise betreffend Antworten auf Ihre Fragen bieten können.
Und zu guter Letzt: Es ist sehr wichtig, einen ruhigen Kopf zu bewahren und keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen, die nicht richtig durchdacht sind und letztlich dem Unternehmen noch mehr Schaden zufügen können. Nur wer sich richtig informiert und beraten hat, kann in dieser Situation die richtigen Entscheidungen treffen.

Autor:
Luca Marie Hubrig
Stand: 03.04.2020 09:05