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Auswärtige Tätigkeit

Aufwendungen für Besuchsfahrten des Ehegatten

Aufwendungen für Besuchsfahrten eines Ehegatten zum Tätigkeitsort des anderen Ehegatten sind nicht als Werbungskosten abziehbar. Das gilt jedenfalls dann, wenn es sich um eine auswärtige Tätigkeit handelt, auch wenn diese sich über einen längeren Zeitraum erstreckt (BFH, Urteil vom 22.10.2015, Az. VI R 23/14).

Beispiel:

Im Streitjahr war der Kläger als Arbeitnehmer auf verschiedenen Baustellen im Ausland tätig. In der Zeit vom 27.8. bis 12.10. war er auf einer Baustelle in den Niederlanden tätig. Seine Ehefrau besuchte ihn an drei Wochenenden an seiner Tätigkeitsstätte in den Niederlanden, weil er aus produktionstechnischen Gründen vor Ort bleiben musste. An den übrigen Wochenenden fuhr er zu seiner Wohnung in Deutschland. In seiner Steuererklärung machte der Kläger die Aufwendungen für die Fahrten seiner Ehefrau als Werbungskosten geltend.

Das Finanzamt lehnte den Werbungskostenabzug für die Fahrten der Ehefrau ab. Anders als das Finanzgericht lehnte der BFH den Werbungskostenabzug ebenfalls ab.

Beruflich veranlasste Fahrtkosten sind Aufwendungen, die als Werbungskosten zu berücksichtigen sind. Hierzu gehören auch Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG). Begünstigt ist maximal eine Fahrt pro Woche.

Im Beispielsfall war von einer auswärtigen Tätigkeit auszugehen. Eine doppelte Haushaltsführung lag nicht vor, weil es sich am Beschäftigungsort in den Niederlanden nicht um eine dauerhaft angelegte Arbeitsstätte (erste Tätigkeitsstätte) handelte. Konsequenz ist, dass nur die Fahrten des Arbeitnehmers von und zur Wohnung Werbungskosten sein können. Im Gegensatz dazu sind Besuchsfahrten der Ehefrau nicht beruflich veranlasst.

Grundsätzlich sind nur die Fahrten des Arbeitnehmers (Unternehmers) selbst beruflich veranlasst, weil der Weg von und zur Tätigkeitsstätte notwendige Voraussetzung zur Erzielung von Einkünften ist.

Die Fahrten der Ehefrau des Arbeitnehmers sind anders zu beurteilen, weil sie grundsätzlich nicht der Förderung des Berufs des Arbeitnehmers dienen. Ein Werbungskostenabzug beim Arbeitnehmer scheidet selbst dann aus, wenn er die Fahrten zwischen der auswärtigen Tätigkeitsstätte und Wohnung nicht selbst durchführen kann, weil seine Anwesenheit am Tätigkeitsort aufgrund einer Weisung oder Empfehlung seines Arbeitgebers oder aus anderen dienstlichen Gründen erforderlich ist.

Tipp: Der BFH lässt es offen, ob und unter welchen besonders gelagerten Ausnahmefällen die Besuchsfahrt des Ehegatten beruflich veranlasst sein kann. Von einem besonders gelagerten Ausnahmefall, bei dem der private Aspekt vom beruflichen Anlass überlagert wird, kann nur ausgegangen werden, wenn die Besuchsfahrt erforderlich ist, um private Dinge kurzfristig zu regeln. Da der mögliche Ausnahmefall so gut wie nie eintritt, sollte möglichst nur der Arbeitnehmer die Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte zurücklegen.

 

Stand: 16.03.2016 10:18