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Auslandsgeschäft: Wenn die Ware über Bord geht

Auslandsgeschäft: Wenn die Ware über Bord geht

Rund 350 Container verlor die „MSC Zoe“ Anfang Januar auf ihrer Fahrt von Antwerpen nach Bremerhaven. Über Bord gingen unter anderem Spielsachen, Möbel, TV-Geräte und Gefahrgut. Firmen, die Ware transportieren lassen, sollten sich deshalb schon vor dem Geschäftsabschluss Gedanken darüber machen, wie die materiellen und finanziellen Risiken reduziert werden können.

Fernseher am Strand von Borkum, Spielzeug auf Terschelling, Glühlampen und Möbel auf Ameland – das Sturmtief „Zeetje“ leistete ganze Arbeit. Auf ihrer Fahrt von Antwerpen nach Bremerhaven verlor die „MSC Zoe“ – mit knapp 400 Metern Länge und einem Fassungsvermögen von fast 10.000 großen Standardcontainern eines der größten Containerschiffe der Welt – am 2.1.2019 einen Teil ihrer Ladung. Über Bord gingen rund 350 Container, gefüllt mit Konsumgütern, manche aber auch mit Batterien und Chemikalien. Jahr für Jahr verlieren Schiff weltweit Container – je nach Quelle reichen die Schätzungen von rund 600 bis 20.000. Welche Zahl auch immer stimmt – für den jeweiligen Eigentümer der Ware ist jeder einzelne Verlust ein Problem. Denn die Folgen können erheblich sein: Es kommt zu Produktionsengpässen, weil Zulieferteile fehlen. Bestellte, möglicherweise bereits bezahlte Ware kann nicht ausgeliefert werden, Kunden verlangen ihr Geld zurück. Vertragliche Verpflichtungen können nicht eingehalten werden, Konventionalstrafen drohen.

Die Lieferbedingungen vertraglich festlegen

Heftige Stürme lassen sich nicht verhindern. „Die unangenehmen Folgen einer Havarie können Ex- und Importeure aber zumindest abmildern“, sagt Miguel Angel Navarro Rubio, Leiter der Fachberatung Internationales Geschäft bei der Sparkasse KölnBonn, Deutschlands zweitgrößter Sparkasse. Navarro Rubio und sein Team beraten Firmenkunden, insbesondere Mittelständler, in allen zentralen Fragen rund um das Auslandsgeschäft.
Eine wichtige Grundlage für das internationale Geschäft bilden die „Incoterms“- Regeln der Internationalen Handelskammer (ICC). Diese internationalen Lieferbedingungen regeln die Pflichten der Käufer und Verkäufer im weltweiten Handel. „Ihre  Bedeutung im Außenhandel ist erheblich“, weiß Navarro Rubio. Die Regeln haben allerdings keinen Gesetzesstatus. Sie gelten nur dann – und das ist der erste Tipp des Sparkassenexperten für Firmen –, wenn sie im Vertrag zwischen Käufer und Verkäufer eindeutig vereinbart worden sind.
Tipp Nr. 2: Die Vertragspartner müssen konkret vereinbaren, welche der insgesamt elf Incoterm-Klauseln gelten sollen. Häufig zur Anwendung kommt die Klausel „FOB“, was für „Free on Board“ steht.
FOB bedeutet, „dass der Verkäufer die Ware an Bord des vom Käufer benannten Schiff im benannten Verschiffngshafen liefert. Die Gefahr des Verlustes oder der Beschädigung der Ware geht über, sobald die Ware an Bord des Schiffs abgesetzt ist. Der Käufer trägt ab diesem Zeitpunkt auch alle Kosten“.

Die Liefer- und Zahlungsbedingungen verhandeln

Beispiel: Ein Unternehmen aus Köln exportiert Ware nach Asien. Vereinbart es mit dem Abnehmer als Lieferbedingung FOB Hamburg, dann ist das Unternehmen für den ordnungsgemäßen Transport der Ware auf dem Landweg und bis zur Absetzung auf dem benannten Schiff im Verschiffungshafen verantwortlich – der Abnehmer hingegen für die Schiffspassage und den anschließenden Landweg bis zum asiatischen Firmensitz. Gehen nun Container verloren, steht der asiatische Importeur in der Verantwortung.

Nicht immer kann der deutsche Ex- oder Importeur die „Incoterms“ bestimmen, also die eigenen Wunschlieferbedingungen durchsetzen. „Deshalb gilt: Je mehr Verantwortung für den Transport der Ware bei ihm liegt und je mehr von einer pünktlichen und unversehrten Lieferung für ihn abhängt, desto sorgfältiger muss er die Spedition auswählen und die Verträge gestalten“, empfihlt Navarro Rubio.
Zudem rät der Experte, bei jedem Geschäft die Liefer- mit den Zahlungsbedingungen zu verhandeln. Zwar kann niemand den Verlust eines Containers ausschließen – aber sehr wohl die fianziellen Risiken reduzieren. Ob die Ware nun, wie in den allermeisten Fällen, ankommt oder, wie im Fall der 350 Container in der Nordsee, eben
nicht: „Entscheidend für den Exporteur ist es, an sein Geld zu kommen“, betont Navarro Rubio, „und für den Importeur, im Fall des Warenverlusts nicht auch noch finanzielle Verluste zu erleiden.“
Die Sparkasse KölnBonn unterstützt und berät ihre international tätigen Firmenkunden nicht nur rund um den Auslandszahlungsverkehr und das dokumentäre Geschäft, sondern bietet im Rahmen der seit vielen Jahren angebotenen „Internationalen Aktionswochen“ zahlreiche Grundlagen- und Aufbauworkshops zu den verschiedenen Themenbereichen an.

 

 

Internationales Geschäft Fachbetreuung:
Miguel Angel Navarro Rubio
Hahnenstraße 57, 50667 Köln
Tel. 0221 226-92089
miguel.angel.navarro.rubio@sparkassekoelnbonn.de

Stand: 11.03.2019 08:30