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Arztbehandlung: Vorauszahlung als außergewöhnliche Belastung abziehbar?

Arztbehandlung: Vorauszahlung als außergewöhnliche Belastung abziehbar?

Krankheitskosten, z.B. Zahnarztkosten, können steuerlich als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden (§ 33 EStG), soweit sie nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Die Aufwendungen sind gemäß § 11 Abs. 2 EStG in dem Jahr abziehbar, in dem sie bezahlt worden sind. Die außergewöhnlichen Belastungen wirken sich nur aus, wenn und soweit die Aufwendungen die zumutbare Belastung übersteigen. Dieser Eigenanteil wird mit einem Prozentsatz vom Gesamtbetrag der Einkünfte ermittelt. Die Höhe des Prozentsatzes ist abhängig vom Familienstand.

Es ist somit vorteilhaft, wenn (Zahn-)Arztkosten (insbesondere wenn sie hoch sind) in einem Kalenderjahr bezahlt werden, damit die zumutbare Belastung nur einmal abgezogen wird. Bei einer Verteilung der Kosten auf zwei Jahre ist die zumutbare Belastung in jedem Jahr abzuziehen.

Da es grundsätzlich auf den Zeitpunkt der Zahlung ankommt, kann es sinnvoll sein, ggf. eine Vorauszahlung auf die zu erwartenden Behandlungskosten zu leisten. Voraussetzung ist, dass es für diese Vorauszahlungen einen wirtschaftlich vernünftigen Grund gibt, z.B. einen Preisvorteil bei den Zahnersatzkosten.

Beispiel:

Ein Patient leistete im Monat Dezember aufgrund eines Kostenvoranschlags (u.a. für mehrere Implantate) eine Vorauszahlung von 25.000 € an seinen Zahnarzt. Bei der Vorauszahlung handelt es sich um den Eigenanteil des Patienten. Die Behandlung und endgültige Abrechnung erfolgte in den ersten Monaten des Folgejahres. Der Patient machte die Vorauszahlung in seiner Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend. Die Vorauszahlungen hatte er geleistet, weil er ab dem Folgejahr Rentner wurde und nur noch eine geringere Einkommensteuer zu zahlen hatte. Bei einer Zahlung im Folgejahr wäre die Steuerentlastung deshalb wesentlich geringer ausgefallen. Das Finanzamt und das FG München haben die Vorauszahlung als Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten angesehen (Urteil vom 5.5.2014, Az. 7 K 3486/11) und daher steuerlich nicht anerkannt.

Tipp: Vorauszahlungen sind also nur sinnvoll, wenn dafür ein wirtschaftlich vernünftiger Grund vorhanden ist. Wenn der Zahnarzt einen Preisvorteil gewährt, liegt ein wirtschaftlich vernünftiger Grund vor. Laut FG München soll der Steuervorteil allein nicht ausreichen. Diese Rechtsauffassung muss nicht zutreffend sein. Wer aber nicht bereit ist, selbst den Klageweg zu beschreiten, wird Schwierigkeiten haben, die Zahlungen im Vorauszahlungsjahr geltend zu machen.

Stand: 08.03.2016 10:14