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New Work: Arbeitskultur im Wandel
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New Work: Arbeitskultur im Wandel

Die Erwartungen an die schöne neue Arbeitswelt sind groß: Flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit zur Arbeit im Homeoffice, mobiles Arbeiten, eine gute Work-Life-Balance, Selbstverwirklichung und eine positive Arbeitsatmosphäre, die von flachen Hierarchien und einer offenen Führungskultur geprägt ist. Die Arbeit der Zukunft soll demnach nicht nur die Arbeit selbst, sondern auch das Leben erleichtern.

Auch wenn die Zeichen des Umbruchs der Arbeitswelt schon länger erkannt wurden und etliche Unternehmen anfangen, ihre Arbeitskultur anzupassen, so sind die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens oder der Arbeit im Homeoffice noch längst nicht so verbreitet, wie es den Anschein erwecken könnte. Die Präsenz- oder Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz ist in Deutschland nach wie vor sehr hoch. Gerade einmal ein Drittel der deutschen Unternehmen ermöglicht es seinen Angestellten, Arbeiten auch im Homeoffice zu erledigen. Der Wunsch der Beschäftigten einzelne Tage von zu Hause aus zu arbeiten, ist groß. Verständlich, wo die Wege zur Arbeit – gerade in Zeiten explodierender Mietpreise in den Städten – immer länger werden und auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – insbesondere für Frauen – eine immer größere Rolle spielt. Arbeitnehmer stellen die  starre Arbeitsumgebung durch die neuen Möglichkeiten der Kommunikation und Vernetzung immer häufiger infrage.

Mobiles Arbeiten

Die Digitalisierung trägt zu den weitreichenden Veränderungen der Arbeitswelt bei. Mobiles Arbeiten wird dadurch erleichtert und verankert sich so immer mehr in den Köpfen der Arbeitnehmer. Einer Studie zufolge, die das Fraunhofer IAO zusammen mit dem Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT durchgeführt hat, wurde die Möglichkeit zur mobilen Arbeit in den letzten Jahren erhöht. Trotzdem ist es auch heute noch der Fall, dass diese Form der Flexibilität aufgrund spezifischer Betriebs- und Tätigkeitsmerkmalen nicht überall umsetzbar ist. Der Grad der Umsetzung ist vor allem durch die Unternehmenskultur geprägt – jungen Start-ups fällt diese Art der Arbeitskultur demnach deutlich leichter als traditionellen, mittelständischen Betrieben. Die fehlenden technischen Voraussetzungen und die ablehnende Haltung der Geschäftsführung gehören zu den Hauptgründen, warum mobiles Arbeiten nicht realisiert wird.

Berührungsängsten begegnen

Ein Großteil der Beschäftigten steht dem mobilen Arbeiten positiv gegenüber und erkennt viele Vorteile. Dennoch gibt es auch die Befürchtung, dass diese Flexibilität mit einem Anstieg der Arbeitszeiten und mit Mehrarbeit verbunden ist. Diese Sorge resultiert vor allem daraus, dass die Messbarkeit der eigenen Arbeitsleistung infrage gestellt wird und Beschäftigte dazu verleitet werden könnten, die fehlende Anwesenheit im Büro durch Mehrarbeit bzw. längere Arbeitszeiten auszugleichen. Arbeitgeber haben hingegen die Befürchtung, dass mobiles Arbeiten die Face-to-Face-Kommunikation unter den Mitarbeitern reduziert und dadurch der Austausch von Erfahrungen und Kompetenzen verhindert wird. Aus Arbeitgebersicht könnte das dazu führen, dass Ideen und Innovationen wegen fehlender direkter Kommunikation im Keim erstickt werden.

Perspektivendivergenz

Arbeitgeber und Beschäftigte haben ganz offensichtlich eine unterschiedliche Auffassung zum Thema flexibles Arbeiten. Steht für den Beschäftigten die Selbstbestimmung und die gute Balance aus Beruf und Privatleben im Vordergrund, kommt es für die Arbeitgeber hauptsächlich darauf an, dass die Leistung stimmt und die wirtschaftliche Performance nicht zu kurz kommt. Dass sich diese beiden Aspekte nicht ausschließen müssen, soll hier ausdrücklich betont werden. Studien belegen bereits, dass Mitarbeiter im Homeoffice häufig produktiver arbeiten und auch bereit sind, weit über die normalen Bürozeiten hinaus, E-Mails zu beantworten oder Telefonate entgegenzunehmen. Bedingung für ein funktionierendes (flexibles) Arbeitsverhältnis ist nach wie vor Vertrauen.

Die perfekte Arbeitsumgebung

Weder die Beschäftigten noch die Arbeitgeber sollten sich der Illusion hingeben, dass es den einen perfekten Arbeitsplatz gibt. Im Grunde sagt das Wort flexibel diesbezüglich schon alles. So unterschiedlich wie die Mitarbeiter oder die Aufgaben, sind auch deren Anforderungen an das „perfekte“ Arbeitsumfeld. Je mehr Einfluss ein Arbeitnehmer auf die Gestaltung seines Arbeitsplatzes hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass er motiviert ist und seine bestmögliche Leistung abruft. Eine flexible Arbeitsumgebung ist dabei nicht mit einer kompletten Auflösung traditioneller Bürostrukturen gleichzusetzen und vor allem nicht mit einem Wegfall des Austauschs. Viel mehr unterstützt mobiles Arbeiten dabei, Projekte kreativer und vernetzter zu realisieren. Grundsätzlich gilt,  dass die Gestaltung des Arbeitsplatzes immer den Anforderungen des Unternehmens und des Mitarbeiters entsprechen sollte.

Wettbewerbsfaktor nutzen

In ihrer Zurückhaltung in Bezug auf die Neugestaltung von Arbeitsumgebungen, sollten Unternehmen sich bewusst machen, dass sie dadurch entscheidende Wettbewerbsvorteile ungenutzt lassen. Ein modernes und flexibles Arbeitsumfeld fördert nicht nur die Arbeitsatmosphäre und die Arbeitsmotivation – was sich positiv auf den Unternehmenserfolg auswirkt –, sondern spielt auch bei der Gewinnung und Bindung von Arbeitnehmern eine nicht zu unterschätzende Rolle. In vielen Unternehmen besteht derzeit noch erheblicher Nachholbedarf, wenn zukünftig (örtlich) flexibles, selbstbestimmtes Arbeiten ermöglicht werden soll. Wie realistisch die zügige Umsetzung ist, bleibt abzuwarten, da die Meinungen, ob und in welchem Umfang Handlungsbedarf besteht bei den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern oftmals auseinandergehen.

Stand: 06.11.2018 08:00