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Andreas Chalupa schützt sein Lebenswerk mit dem Notfallkoffer: Falls der Chef länger ausfällt

Andreas Chalupa schützt sein Lebenswerk mit dem Notfallkoffer: Falls der Chef länger ausfällt

Je kleiner der Betrieb, desto mehr hängt vom Inhaber ab. Fällt er krankheitsbedingt länger aus, droht der Betrieb abzustürzen. Andreas Chalupa hat sich darüber zwar immer mal Gedanken gemacht, eine Lösung aber länger vor sich hergeschoben. So geht es vielen GmbH-Geschäftsführern: Immer ist das Tagesgeschäft wichtiger. Außerdem besitzt die Vorsorge für Firma und Familie den Charme und die Verständlichkeit einer Steuererklärung.

Zu seinem Glück lernte der 48-jährige Gründer von Chalupa Solartechnik vor vier Jahren auf einem Unternehmertreffen Thomas Schleicher kennen. Der 43-jährige Unternehmer-Berater entwickelt seit 2012 gemeinsam mit seinen Kunden individuelle Notfallkoffer, die in Katastrophenfällen für klare Verhältnisse sorgen, denn es geht um mehr als die finanzielle Absicherung mit ein paar Versicherungen. Fällt der Chef aus, geht es um das aufeinander abgestimmte Zusammenspiel von betrieblichen und persönlichen Finanzen, rechtlichen Regelungen in Verträgen und Dokumenten, schnellem Zugriff auf Geschäftsunterlagen und Informationen – und um die Frage, wer die unternehmerische Führung des Betriebs übernimmt. Nach mehr als 450 Beratungen stellt der Chef der Sorgen Los GmbH aus Schwäbisch Hall fest: Eine Person kann den Chef eines Unternehmens selten ersetzen.

Neue Strukturen im Unternehmen

„Ich hatte das Glück mit 15 Mitarbeitern schon ein kleiner Mittelständler zu sein, der alltägliche Aufgaben bereits mehr oder weniger klar geregelt hatte“, sagt Chalupa. Die Beschäftigung mit dem Notfallkoffer hat ihn gezwungen, weitere Strukturen zu schaffen, diese aufzuschreiben und gegenüber allen transparent zu machen. „Das hat im gesamten Betrieb für Klarheit und unbeabsichtigt für zusätzlichen Energieschub gesorgt.“ So deckt seine Schwester Birgit Knapp als Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement seit der Unternehmensgründung 2001 die kaufmännische Seite ab. Der Elektromeister Jürgen Noe sammelt seit mehr als zehn Jahren weitere Erfahrungen mit Photovoltaikanlagen und besucht regelmäßig Weiterbildungen und Produktschulungen. „Er weiß über die Technik inzwischen mehr als ich“, gibt Chalupa unumwunden zu. Und schließlich arbeitet mit Manuel Mendel ein weiterer Elektromeister im Betrieb, der seine kommunikativen Fähigkeiten in der Akquise einsetzt. Fällt Chalupa langfristig aus, leiten die drei das operative Geschäft.

Die Gründung eines Notfallbeirats

Doch damit sich der Betrieb bei einer langfristigen Krisensituation weiterentwickeln kann, hat der Geschäftsführer zusätzlich einen Notfallbeirat gegründet, der den unternehmerischen Blickwinkel einnimmt und die drei Führungskräfte bei strategischen Entscheidungen unterstützt. Dazu gehört ein befreundeter Unternehmensberater sowie ein Kollege aus der Solarbranche. „Das ist ein gutes Team mit Management- und Fachwissen“, urteilt er.

Unternehmern ist ihre Selbstbestimmung besonders wichtig – deshalb gehört im Krisenfall auch dazu, die Handlungsfähigkeit rechtlich zu sichern. Also einem Notfallteam die rechtliche Basis zu verschaffen, dass einer entscheiden darf. Ist das nicht schriftlich geregelt, fällt es gemäß § 1896 Abs. 1 Bürgerliches Gesetzbuch einem Richter am Betreuungsgericht zu festzulegen, wer Entscheidungen trifft. Möglicherweise wird ein Betreuer eingesetzt, den der Unternehmer nicht gewählt hätte.

Speziell bei GmbH-Geschäftsführern achtet Schleicher darauf, dass das Zusammenspiel zwischen Notfallteam und den daraus abgeleiteten Vertretungsvollmachten zu den im GmbH-Gesellschaftsvertrag vorhandenen Vertretungsregelungen in der Gesellschafterversammlung passt. Ist dies nicht aufeinander abgestimmt, zählt, was im GmbH-Vertrag steht – und lässt im ungünstigsten Fall selbst eine notarielle Generalvollmacht ins Leere laufen.

„Etwas mühsam war der sechsmonatige Prozess“, urteilt Chalupa, schließlich erfolgte dieser parallel zum Tagesgeschäft. Manche Thematik musste der Elektrotechniker erst durchdenken, statt vorschnell aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Deshalb war er dankbar, dass ihn Thomas Schleicher strukturiert und schrittweise durch den Dschungel geführt hat: „Ich habe enorm von seiner Erfahrung und seiner ruhigen Art profitiert“. Gemeinsam und schrittweise haben sie Lösungen erarbeitet, die genau zu seiner GmbH passen. Sein Resümee: „Letztlich bin ich vor allem erleichtert, dass dieses manchmal lästige Thema eindeutig geklärt ist, mein Unternehmen mich im schlimmsten Fall überlebt und meine Familie finanziell weiterhin gut versorgt ist.“

Zu den Personen
Thomas Schleicher ist Gesellschafter-Geschäftsführer der Sorgen Los GmbH in Schwäbisch Hall. Er begleitet mit seinem Team Unternehmer*innen beim „Packen ihres Notfallkoffers“. Der Artikel wurde von dem Journalisten und Kommunikationsberater Jens Gieseler verfasst.
www.mein-sorgen-los.de
www.jens-gieseler.de

Stand: 02.11.2021 09:52