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Welche Gewinnbeteiligung des stillen Gesellschafters ist steuerlich angemessen?

Welche Gewinnbeteiligung des stillen Gesellschafters ist steuerlich angemessen?

Ist eine stille Beteiligung an einer GmbH zivilrechtlich wirksam zustande gekommen, muss außerdem die Gewinnbeteiligung des stillen Gesellschafters angemessen sein, wenn sie vom Finanzamt anerkannt werden soll.
Wird die stille Gesellschaft steuerlich nicht anerkannt, stellt sich die Frage, wie die Leistungen zwischen Gesellschaft und vermeintlich stillem Gesellschafter zu behandeln sind. Zu unterscheiden ist die Nicht-Anerkennung der stillen Gesellschaft als solcher und die Nicht-Anerkennung der vereinbarten Gewinn- und Verlustbeteiligung. Eine unüblich hohe Gewinn- und Verlustbeteiligung ist grundsätzlich nicht schädlich für die steuerliche Anerkennung der stillen Gesellschaft als solche. Es kommt nur zu Kürzungen der Gewinn- bzw. Verlustbeteiligung des stillen Gesellschafters auf ein fremdübliches Maß. Als Maßstab für eine angemessene Gewinnbeteiligung des stillen Gesellschafters sind neben der reinen Rendite der Einlage des Stillen weitere Kriterien wie Verlustbeteiligung, Arbeitseinsatz oder das Verhältnis des Unternehmenswerts der GmbH zu der Kapitaleinlage des „Stillen“ heranzuziehen.

Die Rechtsprechung hat für die Beteiligung von nahen Angehörigen folgende durchschnittliche Renditen als angemessen eingestuft, wobei jeweils zwischen schenkweiser eingeräumter Beteiligung und aus Eigenmitteln erworbener Beteiligung mit oder ohne Verlustbeteiligung zu unterscheiden ist (vgl. auch H 15.9 (5) EStR):

(1) Die stille Beteiligung wurde schenkweise eingeräumt.

Die durchschnittliche Rendite kann mit Verlustbeteiligung bis zu 15 Prozent und ohne Verlustbeteiligung bis zu 12 Prozent betragen.

(2) Die stille Beteiligung wurde aus Eigenmitteln erworben.

Die durchschnittliche Rendite kann mit Verlustbeteiligung bis zu 35 Prozent und ohne Verlustbeteiligung bis zu 25 Prozent betragen.

Rendite ist dabei das Verhältnis des Gewinnanteils des stillen Gesellschafters zum Nominalwert seiner stillen Beteiligung (Einlage).

Beispiel:

V ist zu 100 Prozent Gesellschafter der X-GmbH. Er schenkt seinem volljährigen Sohn S einen Geldbetrag in Höhe von 50.000 Euro, den dieser als typisch stiller Gesellschafter in die GmbH einlegt. Der zivilrechtlich wirksame Vertrag über die stille Gesellschaft sieht eine Gewinnbeteiligung des typisch stillen Gesellschafters in Höhe von 20 Prozent seiner Einlage vor, eine Verlustbeteiligung ist ausgeschlossen. Das handelsrechtliche Ergebnis der GmbH beträgt für das Wirtschaftsjahr 2014 100.000 Euro.

10.000 Euro (20 Prozent von 50.000 Euro) werden dem stillen Gesellschafter als Gewinnanteil zugerechnet.

Lösung: Die stille Gesellschaft zwischen der X-GmbH und S ist anzuerkennen. Nach den Maßstäben der Rechtsprechung wäre in diesem Fall einen Gewinnbeteiligung von bis zu 6.000 Euro (12 Prozent von 50.000 Euro) als angemessen zu sehen, da es sich um eine schenkweise eingeräumte stille Beteiligung handelt und die Verlustbeteiligung ausgeschlossen ist. Der unangemessene Teil der Gewinnbeteiligung in Höhe von 4.000 Euro ist als verdeckte Gewinnausschüttung anzusehen. Diese darf das zu versteuernde Einkommen der X-GmbH nicht mindern und ist dem V als Kapitalertrag nach § 20 Abs. 1 EStG zuzurechnen.

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