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Vermögensmanagement für Geschäftsführer: Geld in Zeiten des Nullzinses

Vermögensmanagement für Geschäftsführer: Geld in Zeiten des Nullzinses

Viele Unternehmer sind vermögend. Wobei für viele von ihnen die eigene Firma den größten Vermögenswert darstellt. Das sollte aber nicht die einzige Anlageklasse sein. Es ist wichtig, das Portfolio zu streuen und in Zeiten ausfallender Zinsen neu über Anlageformen nachzudenken.

Die gute Nachricht lautet: Die Niedrigzinsphase ist vorbei. Die schlechte: Jetzt gibt es gar keine Zinsen mehr. Zumindest keine spürbaren. Für eine zehnjährige Bundesanleihe bekäme man bei Redaktionsschluss dieser gmbhchef-Ausgabe 0,02% Zinsen. Für eine neunjährige Anleihe hingegen müsste man sogar draufzahlen. Stichwort: Negativzins.

Vermutlich wird der, der lange genug sucht, auf irgendein Tagesgeld-Angebot stoßen, bei dem es noch so etwas wie spürbare Zinsen gibt, doch widerspricht die Ausnahme nicht der Regel. Und die lautet: Die extrem expansionistische Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wird aller Voraussicht nach noch mindestens fünf weitere Jahre für Niedrig-, Null- oder gar Negativzinsen sorgen. Ein Ende der Zinsflaute ist nicht in Sicht. Viele klassische Sparanlagen lohnen sich deshalb kaum noch.

Für den Auf- und Ausbau des Vermögens ist es deshalb umso wichtiger, die positive Entwicklung der Märkte zu berücksichtigen. So stieg etwa der Dow Jones, eines der wichtigsten Börsenbarometer der Welt, seit Ende 2011 von gut 11.000 auf über 18.000 Punkte. Ein sattes Plus von zirka 60%. Der deutsche Leitindex DAX, der die Entwicklung der 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen widerspiegelt, legte im selben Zeitraum von 6.000 auf über 10.600 Punkte zu, was einem Zuwachs von rund 75% entspricht.

Natürlich ist an den Börsen immer mit Schwächephasen und Rücksetzern zu rechnen. Das wirkt sich besonders bei einem kurzfristigen Anlagehorizont aus. Doch auf lange Sicht verspricht ein Börsenengagement Erfolg – zumal mit Investmentfonds, da sie das Risiko breit streuen.

Langfristig orientierte Anleger können zudem das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts umschiffen: Investieren Fondssparer regelmäßig, profitieren sie vom Durchschnittskosteneffekt. In schwachen Börsenphasen kaufen sie mehr, in starken Börsenphasen weniger Anteile – dadurch sinkt der durchschnittliche Einstiegspreis. Nach Berechnungen des Branchenverbands BVI erzielten Anleger mit einem Wertpapiersparplan auf einen deutschen Aktienfonds in den vergangenen 30 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 6,6%. Gute Gründe, die für ein Engagement in Wertpapiere sprechen.

Unternehmer mögen das Risiko. Auch beim Geld?
Eigentlich müssten es die Firmenkundenberater der Banken und Sparkassen also leicht haben. Unternehmer gelten ja gemeinhin als entscheidungsstark und Risiken gegenüber zumindest nicht abgeneigt. Welches Risiko könnte größer sein, als ein eigenes Unternehmen zu gründen? Mit Millionenkrediten werden Produktionshallen errichtet, Maschinen angeschafft und Arbeitsverhältnisse besiegelt. Solche Risiken sind erheblich – und gehören doch zum Alltag eines Mittelständlers. Also, so die Logik, müsste jedem Unternehmer auch einleuchten, dass er sein Vermögen in diesen Zeiten nur auf- und ausbauen kann, wenn er bereit ist, ein Risiko einzugehen. Keine Rendite ohne Risiko, lautet die einfache Formel.

Doch so einfach ist es offenbar nicht. „Wir beobachten eine starke Vorsicht und Zurückhaltung bei Anlageentscheidungen“, berichtet etwa Carsten Wölki vom Vermögensmanagement für Firmenkunden der Sparkasse KölnBonn. „Die Risikomentalität und Entscheidungsfreude aus dem Unternehmensalltag erstreckt sich nicht unbedingt auf das Anlageverhalten.“

Anders ausgedrückt: Im Anlageverhalten unterscheiden sich Unternehmer erstaunlicherweise kaum von den durchschnittlichen deutschen Sparern. Und die gelten im Vergleich etwa zu Briten oder US-Amerikanern als besonders risikoscheu. „Die Gründe dafür liegen in unserer Vergangenheit“, erklärt Prof. Dr. Detlef Fetchenhauer. „Denkt man nur an die 1920er-Jahre mit ihrer dramatischen Geldentwertung, die Einführung einer neuen Währung 1948 oder die jüngsten Finanzkrisen.“ Das habe bei uns eine Art Urangst entstehen lassen, dass man sein Geld verlieren könnte“, ist der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln überzeugt. Deshalb ist für die Deutschen Kapitalerhalt ein so wichtiges Anliegen. Wichtiger als hohe Renditen.

Vielleicht ist für viele Geschäftsführer das unternehmerische Risiko auch eine notwendige Pflicht, die rational sinnvoll erscheint. Beim Geld hingegen endet oft die Bereitschaft, ein weiteres Risiko einzugehen.

Das Vermögen auf den Prüfstand stellen
Wie dem auch sei: Experten wie Carsten Wölki raten Mittelständlern in diesen Zeiten dringend dazu, ihr Vermögen auf den Prüfstand zu stellen und ihr Anlageverhalten einer ehrlichen Revision zu unterziehen. Oft stellt allein schon das Unternehmen selbst einen beträchtlichen Wert da – allerdings in gewisser Weise auch einen recht abstrakten, denn aus einer Firma lässt sich nicht so einfach Kapital schlagen.

„Deshalb legen wir gerade Unternehmern besonders ans Herz, ihr Vermögen breit aufzustellen und auf mehrere Anlageklassen zu verteilen“, betont Wölki. Zumal die Zusammenhänge komplex sind. Denn die geschäftliche und private Sphäre sind für Unternehmer eng miteinander verbunden: Betriebliche Entscheidungen wirken sich auf ihre privaten Pläne aus, eine Veränderung der persönlichen Lebenssituation beeinflusst ihr unternehmerisches Handeln. Dies gilt in besonderem Maße für die Finanz- und Vermögensangelegenheiten.

Nun sind Unternehmer und Geschäftsführer es gewohnt, strategische Entscheidungen zu treffen und das Unternehmen insgesamt zu steuern, dabei jedoch in vielen fachlichen Belangen auf die jeweiligen Spezialisten im Management zu vertrauen. Kaum ein Geschäftsführer ist in gleichem Maße mit Vertriebsdingen, technischen Belangen, dem Einkauf, Controlling und Rechtsfragen vertraut. Weshalb also nicht auch das Vermögensmanagement outsourcen?

Um das Bild einer Dienstreise zu verwenden: Natürlich muss der Unternehmer vorgeben, wohin er will. Sagen wir: von Köln nach Mailand. Auch die Entscheidung, wann er gerne dort wäre, muss er selbst treffen. Alles andere könnte er jedoch getrost Reiseprofis überlassen. Die Wahl des Verkehrsmittels, eventuell die Buchung einer Übernachtung, bei der Pkw-Fahrt die beste Route – und gerne auch Tipps für ein ungewöhnliches Restaurant am Wegesrand.

Das Vermögensmanagement großer Banken und Sparkassen ist im Grunde ein solcher Reiseprofi. Bloß geht die Reise nicht nach Mailand, sondern an die Geld- und Kapitalmärkte. Das Reiseziel lautet: ein sinnvoll strukturiertes Anlagekonzept für den Vermögensauf- und -ausbau.

Wichtig: ganzheitliche Betrachtung der Vermögensverhältnisse
Der Weg dorthin: eine ganzheitliche Betrachtung der Vermögensverhältnisse und Planungen, und zwar geschäftlich ebenso wie privat. In den Blick nehmen die Experten diese drei Bedarfsfelder:
 Zweckgebundenes Vermögen (Ansparbetrag oder Anlage für ein bekanntes Ziel)
 Liquidität (jederzeit frei verfügbares Geldvermögen; außerdem Sicherung der Zahlungsbereitschaft für unkalkulierbare Ausgaben)
 Ungebundenes Vermögen (frei verfügbares Geldvermögen; keine Verwendung absehbar)

Und auch das ist Gegenstand jeder Beratung: das Mantra der Risikostreuung, der Diversifizierung in mehrere Anlagenklassen. „Es gilt unbedingt, jegliches Klumpenrisiko zu vermeiden“, unterstreicht Carsten Wölki vom Vermögensmanagement der Sparkasse KölnBonn. „Wir empfehlen, maximal 5% des Vermögens in einem einzelnen Unternehmenswert anzulegen“, so Wölki, „dann wären im schlimmsten Fall, einer Insolvenz, ‚nur‘ 5% Kapital verloren.“
Keinesfalls gehört das gesamte Kapital in nur einen Unternehmenswert. Es sollte kein zu starkes Übergewicht erlangen. Das wäre fahrlässig.

„Wer streut, rutscht nicht aus“
„Wer streut, rutscht nicht aus“, rät Wölki und denkt dabei nicht in erster Linie an den nahenden Winter. Ein ausgewogenes Portfolio sollte aus Aktien, Anleihen, Beteiligungen, Immobilien(fonds) sowie Renten- und Lebensversicherungen bestehen, also einen Mix darstellen. Auch Edelmetall ist eine Option. Die Gewichtung sollte sich an der persönlichen Risikoneigung orientieren.

Falls die allerdings gegen null tendiert, muss sich der Unternehmer im Klaren darüber sein, dass er sein Vermögen weder ausbauen noch erhalten kann. „Real wird der Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit sinken, wenn auf risikobehaftete Geldanlagen gänzlich verzichtet wird“, erklärt der Vermögensmanager.

Und damit sind wir wieder bei den Aktien, also Anteilen an anderen Unternehmen. „Was das eigene Unternehmen betrifft oder dasjenige, das ich auf Zeit steuere, gehe ich als kluger Geschäftsführer doch äußerst weitsichtig vor“, überlegt Wölki. „Wenn Langfristigkeit im Unternehmensleben also eine wichtige Rolle spielt, dann müssten Unternehmern und Geschäftsführern auch im Vermögensaufbau langfristige Strategien behagen.“ Mit anderen Worten: Dann müssten sie sich doch von der langfristigen Performance der Aktienmärkte überzeugen lassen und bereit sein, das entsprechende Risiko auf sich zu nehmen. Wölki glaubt fest daran. Wer will schon Negativzinsen?

Carsten Wölki
Abteilungsleiter im Vermögensmanagement für Firmenkunden der Sparkasse KölnBonn

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