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Mezzanine-Kapital: Für Wachstum und mehr Sicherheit

Mezzanine-Kapital: Für Wachstum und mehr Sicherheit

Ob für Investitionen und Wachstum oder die Absicherung von Risiken: Unternehmen benötigen Kapital. Dabei gibt es Situationen, in denen weder klassisches Eigenkapital noch herkömmliches Fremdkapital weiterhelfen. Als Lösung bietet sich dann eine Mischform an: das sogenannte Mezzanine-Kapital.

Szenario Nummer 1: Ein Unternehmen könnte weiter wachsen, organisch oder durch den Erwerb eines passenden anderen Unternehmens. Aufgrund der Eigenkapitalausstattung des Unternehmens können oder wollen die Finanzierungspartner aber kein weiteres Fremdkapital zur Verfügung stellen. Die Folge: Das Unternehmen die sich bietenden Gelegenheiten zum Wachstum nicht nutzen.

Szenario Nummer 2: Wegen wirtschaftlicher Turbulenzen verliert ein Unternehmen einen langjährigen Geschäftspartner und mit ihm eine hohe Forderung. Sowohl die Liquidität als auch das geschützte Eigenkapital des Unternehmens werden durch den Forderungsausfall nachhaltig belastet. Das Unternehmen gerät ohne eigenes Verschulden in die Krise.

Beiden Szenarien ist gemeinsam: Die negativen Auswirkungen auf die weitere Entwicklung des Unternehmens hätten durch eine frühzeitige Aufnahme von Mezzanine-Kapital verhindert oder zumindest deutlich abgeschwächt werden können.

Mischung aus Eigen- und Fremdkapital
Bei Mezzanine-Kapital handelt es sich um eine hybride Finanzierungsform, die je nach vertraglicher Gestaltung unterschiedliche Merkmale von Eigen- und Fremdkapital enthält.

Wesentlicher Bestandteil aller Mezzanine-Finanzierungsformen ist die Haftungsfunktion. Der Mezzanine-Kapital-Geber gibt gegenüber allen Gläubigern außer den Eigenkapitalgebern eine Nachrangerklärung ab – dies stärkt die Haftungsmasse und somit die Eigenkapitalausstattung des Unternehmens. Zugleich sorgt eine Finanzierungsdauer von mindestens fünf Jahren samt endfälliger Tilgung dafür, dass die mittelfristige und damit eigenkapitalnahe Verweildauer in voller Höhe der Finanzierung über die Laufzeit sichergestellt ist.

Weiteres Plus: Da Mezzanine-Kapital ohne Sicherheiten gewährt und die Haftungsmasse aufgrund der Laufzeit mittelfristig verbessert wird, erhöht sich auch die Bonität des Unternehmens. Das kann nachhaltig den Spielraum für die Aufnahme weiteren Fremdkapitals verbessern. Außerdem schützt die begebene Nachrangerklärung das gesetzlich geschützte Stamm- bzw. Grundkapital des Unternehmens und kann damit das Insolvenzrisiko aufgrund einer Unternehmensüberschuldung mindern.

Die Vorteile von Mezzanine-Kapital im Einzelnen:

  • Erhöhung der Haftungsmasse durch Nachrangerklärung gegenüber den anderen Gläubigern und Stärkung der Eigenkapitalposition;
  • Verbesserung von Bilanzstrukturkennzahlen und damit der Bonität;
  • Erhöhung der Liquidität des Unternehmens ohne Stellung von Sicherheiten;
  • in der Regel steuerliche und handelsrechtliche Abzugsfähigkeit der Vergütungszahlungen;
  • Stärkung der Eigenkapitalposition, ohne die Eigentumsverhältnisse oder die operative Unabhängigkeit des Unternehmens zu verändern;
  • in der Regel geringere Finanzierungskosten als bei der Zuführung von echtem Eigenkapital;
  • individuelle Anpassung der vertraglichen Gegebenheiten an die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens;
  • Rückführung der eigenkapitalnahen Mittel nach der Zielerreichung aufgrund der befristeten Überlassung möglich, ohne dass es weiterer gesellschaftsrechtlicher Schritte bedarf.

Ebenfalls vorteilhaft: Aufgrund des derzeitigen Zinsniveaus sind für Unternehmenskunden mit guter Bonität Konditionen für Mezzanine-Kapital im einstelligen Bereich darstellbar, was für eigenkapitalnahe Produkte bis vor wenigen Jahren undenkbar war.

Bedarfs- und risikogerechte Kapitallösungen
Ein typischer Mezzanine-Kapital-Geber für Firmen ist die Sparkasse KölnBonn. Sie unterstützt seit vielen Jahren mittelständische Unternehmenskunden auf deren Wachstumspfad – mit Eigenkapitallösungen ihrer Tochtergesellschaft S MittelstandsKapital KölnBonn GmbH. Die gesellschaftsrechtliche Trennung versetzt die Sparkasse in die Lage, ihren Unternehmenskunden gleichzeitig sowohl Eigen- als auch Fremdkapital zur Verfügung zu stellen.

Die S MittelstandsKapital KölnBonn GmbH bietet mittelständischen Unternehmenskunden mit etabliertem Geschäftsmodell und nachhaltig positivem Cashflow bedarfs- und risikogerechte Eigenkapitallösungen in Form von Mezzanine-Kapital an. Je nach vertraglich vereinbarter Haftungsqualität wird das Kapital dabei in den Produktvarianten „S NachrangKapital“ – alternativ auch als „S Stille Beteiligung“ darstellbar – oder „S GenussrechtsKapital“ bereitgestellt. Dabei sind in Abhängigkeit vom bereits vorhandenen Eigenkapital Finanzierungsvolumen zwischen 200.000 € und 5 Mio. € möglich.

„S NachrangKapital“ ist wirtschaftliches Eigenkapital und wird in der Regel zwischen Eigen- und Fremdkapital in einem eigenen Posten bilanziert. „S GenussrechtsKapital“ gilt als bilanzielles Eigenkapital und wird auch im Posten Eigenkapital bilanziert. Aufgrund des höheren Risikos des Kapitalgebers bei der Vergabe von bilanziellem Eigenkapital ist der Vergütungsanspruch für dieses Produkt entsprechend höher als bei der Vergabe von wirtschaftlichem Eigenkapital.

„Nach unseren Erfahrungen, kann die überwiegende Mehrheit der Unternehmenskunden bereits durch die Bereitstellung von wirtschaftlichem Eigenkapital die gewünschte Ausweitung des Finanzierungsspielraums bei gleichzeitiger Stabilisierung oder Verbesserung der Bonität erreichen“, so Günther Kleinow, Leiter Beteiligungen und Strukturierte Finanzierungen der Sparkasse KölnBonn.

Märkte, Modernisierung, Akquise
Doch für welche Maßnahmen bietet sich überhaupt eine Finanzierung mit Mezzanine-Kapital an? „Im Mittelpunkt steht die Finanzierung von Maßnahmen zur weiteren Erschließung von Märkten und zur Ausweitung oder Modernisierung der Produktion, insbesondere bei sprungfixen Kosten“, erläutert Kleinow. „Aber auch Finanzierungen von Akquisitionen oder Unternehmensnachfolgen enthalten üblicherweise Mezzaninekapital im Finanzierungsmix, um eine angemessene Bilanzstruktur gewährleisten zu können.“

Eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Vergabe von Mezzanine-Kapital ist, dass das Unternehmen bereits über ein tragfähiges Geschäftsmodell mit nachhaltig positiven operativen Cashflows sowie Wachstumspotenzial bei Umsatz und Ertrag verfügt. Ein kompetentes Management in Verbindung mit einem der Unternehmensgröße angemessenen Berichts- und Planungswesen ist ebenfalls zwingend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. „Ausgeschlossen ist die Finanzierung von Ausschüttungen oder der Rückführung von Gesellschaftermitteln“, unterstreicht Frank Küpers, Geschäftsführer der S MittelstandsKapital KölnBonn GmbH, „da für uns gerade das gemeinsame Commitment mit den Gesellschaftern zur Fortentwicklung des Unternehmens wichtig ist!“ Diese Haltung findet ihren Ausdruck auch darin, dass die S MittelstandsKapital KölnBonn GmbH Mezzanine-Kapital in der Regel nur in Höhe des bereits im Unternehmen befindlichen Eigenkapitals gewährt. Zudem gilt: Die Finanzierung von Unternehmensgründungen erfolgt nur in seltenen Ausnahmefällen. Beispiel hierfür sind Ausgründungen aus bereits bestehenden Unternehmen.

Vertrag: zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten
Sobald sich ein Unternehmen im Klaren darüber ist, dass eine Mezzanine-Finanzierung der passende Weg sein könnte, geht es in die detaillierte Beratung  und die Vertragsgestaltung. Zu den wesentlichen Vertragsbestandteilen gehören:

  • die Definition des Finanzierungsanlasses,
  • die Vereinbarung der Nachrangabrede,
  • die Festsetzung der Finanzierungs- und Vergütungshöhe sowie der Laufzeit der Finanzierung und
  • die Bestimmung von Informations- und Zustimmungsrechten für den Kapitalgeber.

Gerade die Zustimmungsrechte sind sehr wichtig. Sie stellen sicher, dass die bereitgestellten Mittel allein entsprechend dem vereinbarten Finanzierungsanlass verwendet werden. „So ist im Umkehrschluss die Weitergabe der Mittel ohne Zweckbindung, zum Beispiel an Tochtergesellschaften, oder eine Änderung des Unternehmensgegenstandes ohne Zustimmung der Kapitalgeber nicht möglich“, betont Küpers.

Als Fazit lässt sich festhalten: Mezzanine-Kapital kann eine attraktive Finanzierungsalternative sein und je nach Zielsetzung eine sinnvolle Beimischung für die künftige Finanzierungsstruktur eines Unternehmens darstellen. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund der durch Basel III angestoßenen risikoorientierten Kreditvergabepolitik der Banken, die auf das Individualrisiko des jeweiligen Unternehmens abstellt.

„Tatsache ist: So weit ein Unternehmen die grundlegenden Voraussetzungen für die Bereitstellung von Mezzanine-Kapital erfüllt, sind aufgrund des aktuellen Zinsniveaus derzeit sehr gute Konditionen realisierbar“, betont Kleinow.

Tatsache ist allerdings auch: Bei einer Finanzierung mit Mezzanine-Kapital ist eine professionelle Beratung bei der Wahl und Ausgestaltung der Mittel dringend zu empfehlen.

Günther Kleinow, Leiter Beteiligungen und Strukturierte Finanzierungen der Sparkasse KölnBonn

Frank Küpers, Geschäftsführer der S MittelstandsKapital KölnBonn GmbH

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