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Lärm am Arbeitsplatz vermeiden durch Raumakustik

Lärm am Arbeitsplatz vermeiden durch Raumakustik

Büroräume die akustisch gut und durchdacht gestaltet sind, unterstützen eine Arbeitsatmosphäre in der ruhig und konzentriert gearbeitet werden kann. Dies führt bei den Beschäftigten zu einer höheren Arbeitszufriedenheit, die sich positiv auf die Produktivität, die Motivation und letztendlich auf den Unternehmenserfolg auswirkt.

Rein ins Büro, Fenster auf, Computer an, Kaffee geholt, einen kurzen Plausch mit den Kollegen und dann geht’s los. Zunächst die E-Mails abrufen. Das Meiste ist schnell erledigt oder kann später bearbeitet werden. Wichtiger ist jetzt der Projektbericht. Auf Seite zwei ist aber erst einmal Schluss mit der Konzentration. Der Straßenlärm nervt. Deshalb die Frage in die Runde: Kann ich die Fenster schließen?
Die anderen hätten diese zwar lieber offen gelassen, aber alle haben Verständnis. Also Fenster zu und weitergemacht. Um nicht zu stören, verlassen zwei Kollegen den Raum.  Sie wollen sich über das weitere Vorgehen zur Abwicklung eines Großauftrags abstimmen. Die Besprechung verlagern sie kurzerhand auf den Flur. Das ist ausgesprochen rücksichtsvoll. Inzwischen ist es 9.15 Uhr. Weitere 20 Seiten sind noch zu bearbeiten.
Das müsste bis zur Mittagspause zu schaffen sein. Eine Viertel Stunde später: Ein Telefon klingelt. Warum geht keiner ran? Sind jetzt alle gegangen? Das Klingeln hört auf. Eine weitere halbe Stunde konzentriert arbeiten. Dann kommen die Kollegen wieder herein. Mit einer kurzen Entschuldigung gruppieren sie sich um einen Schreibtisch und versuchen möglichst leise miteinander zu sprechen. Stören tut es trotzdem. Der halbe Vormittag ist inzwischen nutzlos verflogen. Die morgendliche Motivation leider auch.

Lärm ist bei der Büroarbeit die Störquelle Nummer 1

So oder so ähnlich erleben viele Beschäftigte im Bürobereich ihre Arbeit. Jeder fünfte fühlt sich laut einer aktuellen Forsa-Umfrage häufig oder gar sehr häufig durch Lärm bei der Arbeit belästigt. Weitere 22% leiden zumindest gelegentlich unter einer zu lauten Umgebung. Ganz oben auf der Liste der Störquellen stehen Gespräche der Kollegen und Telefonklingeln. Dabei spielen eine ganze Reihe akustischer Faktoren eine Rolle. Ausgangspunkt ist die Lautstärke.

Diese wird in Dezibel (dB) gemessen. 0 dB kennzeichnen die Hörschwelle, ab der Menschen Schall wahrnehmen können. Normale menschliche Sprache liegt bei ca. 60 dB, geflüstert wird mit rund 30 dB und ein Drucker arbeitet je nach Größe und Qualität mit 35 bis 55 dB. Häufig wird auch die Bezeichnung dB(A) verwendet. Dann ist in die Lautstärkenangabe bereits eine Bewertung eingeflossen. Das menschliche Ohr ist nämlich nicht für alle Tonhöhen gleich empfindlich. Töne im Frequenzbereich der menschlichen Sprache werden als lauter empfunden als höhere oder tiefere Töne mit gleichem Schalldruck.

Eine weitere Kenngröße ist die Nachhallzeit. Diese drückt vereinfacht gesagt aus, wie lange ein Schallereignis, beispielsweise ein gesprochenes Wort, benötigt, um unhörbar zu werden. Gemessen wird sie in Sekunden. Ist die Nachhallzeit zu lang, wirkt ein Raum hallig. Ist sie zu kurz, klingt der Raum dumpf. Beides kann das Zuhören deutlich erschweren. Besonders problematisch wird eine schlecht eingestellte Nachhallzeit, wenn Texte in einer fremden Sprache verstanden werden sollen.

Auch hörgeschädigte und ältere Menschen haben Probleme, wenn ein Raum zu viel Nachhall produziert. Betroffen sind fast die Hälfte aller Beschäftigten, denn bereits ab einem Alter von 40 bis 45 Jahren nimmt das Hörvermögen nach und nach ab.

Für alle Arten von Büros gleichermaßen wichtig: Schallpegel und Nachhallzeit

Um gute Bedingungen für die Büroarbeit zu schaffen, empfehlen Experten daher zunächst den Hintergrundschallpegel und die Nachhallzeit zu optimieren. Dabei bezeichnet der Hintergrundschallpegel die Lautstärke, die herrscht, wenn in einem Büro nicht gesprochen wird und kein Telefon klingelt. Für kleine Büroeinheiten sollte der Hintergrundgeräuschpegel 30 bis 40 dB(A) nicht überschreiten. In Großraumbüros darf er auch schon einmal bei 45 dB(A) liegen.

Die Empfehlungen für die Nachhallzeit sind von dem Raumvolumen und der Nutzung abhängig. Für den Bürobereich sind in der Regel 0,5 bis 0,8 Sekunden bis zum völligen Abklingen von Schall akzeptabel. In einem Konferenzraum wären 0,8 bis 1,2 Sekunden sinnvoll. Zum Vergleich: Kirchen haben üblicherweise eine Nachhallzeit von 4,0 bis 8,0 Sekunden.

Was tun, wenn diese Werte nicht erreicht werden? Dann hilft nur der Einsatz sogenannter Absorber. Ungebremst verliert der Schalldruck nämlich nur langsam an Kraft. Treffen die Schallwellen jedoch auf poröse Materialien oder große Flächen, die schwingen können, bremsen diese die Schallwellen ab. Abgehängte Decken oder Deckensegel können hierfür ebenso genutzt werden wie Verkleidungen von Wänden sowie Schränke und Raumgliederungselemente mit speziellen, schallabsorbierenden Fronten oder Füllungen. Lediglich ein Teppichboden genügt leider nicht.

Wichtig für Mehrpersonenbüros: Die Sprachverständlichkeit reduzieren

Unser Bürobeispiel zeigt jedoch: Die Lautstärke und die Nachhallzeit allein sind es nicht, die stören. Die Kollegen allein können noch so leise flüstern und man ist dennoch abgelenkt. Das liegt daran, dass unsere Ohren sozusagen auf menschliche Sprache geeicht sind. Was nach Worten klingt, macht uns zu Zuhörern, ob wir das wollen oder nicht. Besonders deutlich beschreibt dies der sogenannte Cocktailparty-Effekt.

Wird der eigene Name erwähnt, hören wir diesen selbst wenn wir vermeintlich voll und ganz auf anderes konzentriert waren. Bei der Gestaltung von Mehrpersonenbüros kommt daher ein weiterer Faktor ins Spiel: die Sprachverständlichkeit. Auch diese kann objektiv gemessen werden. Die Angaben erfolgen anhand des Sprachverständlichkeitsindex (STI). Dieser wird zwischen 0 und 1 angegeben. In Besprechungsund Konferenzräumen, wo eine sehr gute Sprachverständlichkeit gewünscht ist, sollte er mindestens bei 0,75 liegen. In Büroräumen kann eine gute Sprachverständlichkeit innerhalb eines Teambereichs gewünscht sein, während verschiedene Gruppen möglichst wenig voneinander hören sollen. Um dies zu erreichen, sollten Barrieren zwischen den Arbeitsgruppen aufgestellt werden. Infrage kommen hierfür wiederum frei im Raum aufgestellte Schränke oder Raumgliederungswände. Vorausgesetzt, sie sind mindestens 1,50 Meter hoch oder höher.

Die Investition in raumakustische Planung lohnt sich

Dem Fachplaner stehen darüber hinaus noch eine Reihe anderer Kenngrößen und Empfehlungen zur Verfügung, so zum Beispiel die räumliche Abklingrate oder der Ablenkungsabstand und der Vertraulichkeitsabstand. Diese verdeutlichen, wie erfolgreich die vorab beschriebenen Maßnahmen waren. Manchmal helfen aber auch schon ein paar einfache, organisatorische Maßnahmen. Auch wenn es bequem ist, Drucker müssen nicht direkt an den Arbeitsplätzen stehen. Oft kann man sie in separate Räume verbannen oder zumindest in einen zentralen Bereich, der durch Raumgliederungs- und Trennwände abgeschirmt ist. Ähnliches gilt auch für Besprechungsbereiche. Hätten die Kollegen in unserem Beispiel eine akustisch wirksam abgeschirmte Besprechungszone gehabt, hätten sie nicht auf dem Flur stehen müssen.

In fast jedem Bürogebäude finden sich noch wenig genutzte Bereiche, die mit etwas Fantasie und oftmals kleinem Geld in solche Kommunikationszonen verwandelt werden können. Akustisch versierte Büroeinrichter achten daher nicht nur auf die einschlägigen Kennzahlen, sondern nehmen auch die Arbeitsprozesse und die räumliche Verteilung der Arbeitsplätze unter die Lupe.

Erste Anlaufstelle für eine solche akustische Beratung sind der Büroeinrichtungsfachhandel und dort die Fachberater mit einer Quality Office-Zertifizierung. Lohnen wird sich eine solche Beratung allemal. Denn wie einschlägige Studien zeigen, leisten Menschen unter Bürolärm nicht nur weniger, sie machen auch mehr Fehler und bewegen sich weniger, was wiederum schlecht für ihre Gesundheit ist. Lediglich in Sachen Straßenlärm hilft die raumakustische Beratung nichts. Hier heißt es auch in Zukunft „Fenster schließen“.

 

barbara schwaiboldBarbara Schwaibold
Sprecherin des buero-forum im bso Verband Büro-,
Sitz- und Objektmöbel e. V., Wiesbaden
www.buero-forum.de

 

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