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Häusliches Arbeitszimmer: Was Sie jetzt tun müssen, damit Ihnen keine Nachteile entstehen

Häusliches Arbeitszimmer: Was Sie jetzt tun müssen, damit Ihnen keine Nachteile entstehen

Ein oder mehrere Räume sind als häusliches Arbeitszimmer einzustufen, wenn sie nach ihrer Lage, Funktion und Ausstattung in die häusliche Sphäre eingebunden sind, vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Arbeiten dienen und ausschließlich bzw. nahezu ausschließlich zu betrieblichen und/oder beruflichen Zwecken genutzt werden.
Nach Auffassung der Finanzverwaltung können Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur dann als Werbungskosten abgezogen werden, wenn der Raum ausschließlich oder fast ausschließlich beruflich genutzt wird. Das heißt, dass nur eine untergeordnete Mitnutzung als unschädlich angesehen wird. Wenn aber die private Nutzung mehr als 10% beträgt, lehnt die Finanzverwaltung den Werbungskostenabzug insgesamt ab. Diese Auffassung, dass ein Werbungskostenabzug nur möglich ist, wenn die private Mitnutzung von untergeordneter Bedeutung ist, wird auch vom Finanzgericht Baden-Württemberg (Urteil vom 2.2.2011, Az. 7 K 2005/08) und vom Sächsischen Finanzgericht (Urteil vom 11.1.2012, Az. 2 K 1854/11) nach wie vor vertreten, obwohl der BFH das Aufteilungs- und Abzugsverbot aufgegeben hat (BFH-Entscheidung vom 21.9.2009, GrS 1/06).
Im Anschluss an diese BFH-Rechtsprechung wird von einigen Finanzgerichten die Auffassung vertreten, dass auch die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer aufgeteilt werden können. Es kommt also nicht mehr darauf an, dass ein Raum ausschließlich oder fast ausschließlich beruflich genutzt wird. Wird ein Raum in der Wohnung beruflich und privat genutzt, können die Aufwendungen aufgeteilt werden. Aus diesem Grund kann es auch nicht mehr darauf ankommen, ob das häusliche Arbeitszimmer zum privaten Bereich hin abgeschlossen ist oder als Durchgangszimmer genutzt wird.
Die entscheidende Frage ist vielmehr, welcher Teil der Aufwendungen als Werbungskosten abziehbar ist. Je nach Lage des Raums innerhalb der Wohnung kann eine Schätzung schwierig sein, sodass eine hälftige Aufteilung infrage kommen kann (entsprechend dem BFH-Urteil vom 24.2.2011, Az. VI R 12/10, zum Sprachkurs im Ausland).

Praxis-Beispiel:

Ein Arbeitnehmer hat ein häusliches Arbeitszimmer, das über eine offene Wendeltreppe erreichbar ist. Die Aufwendungen, die auf diesen Raum entfallen, betragen 4.320 €. Wegen der fehlenden Trennung vom Wohnbereich wurden diese Aufwendungen in der Vergangenheit steuerlich nicht berücksichtigt. Der Arbeitnehmer kann in diesem Fall die Hälfte der Kosten (4.320 € : 2 = 2.160 €, ggf. begrenzt auf 1.250 €) abziehen.

Zunächst muss geklärt werden, welcher Teil der Aufwendungen beruflich veranlasst ist. Danach ist zu prüfen, inwieweit diese Aufwendungen abziehbar sind. Die beruflich veranlassten Aufwendungen können

– in vollem Umfang (zu 100%) abgezogen werden, wenn das Arbeitszimmer Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ist, oder
– bis zu 1.250 € im Jahr, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, oder
– überhaupt nicht abgezogen werden, wenn die Tätigkeit im Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ausmacht und an einem anderen Arbeitsplatz ausgeübt werden kann.

Tipp: Bevor Sie sich als Arbeitnehmer mit dem Finanzamt streiten, sollten Sie zunächst prüfen, ob Sie vom Abzug der Aufwendungen gemäß § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG völlig ausgeschlossen sind. Ist das nicht der Fall, dann ziehen Sie die beruflich veranlassten Aufwendungen ab. Erkennt das Finanzamt den Abzug nicht an, legen Sie unter Hinweis auf die Revisionsverfahren beim BFH Einspruch ein. Gleichzeitig sollten Sie beantragen, das Einspruchsverfahren bis zur Entscheidung durch den BFH auszusetzen (BFH-Az. X R 32/11, Az. IX R 23/12 und GrS 12/14).

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