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GmbH-Jahresabschluss: Neue Bilanzrichtlinie bringt Erleichterungen für kleine Gesellschaften

Zwecks Umsetzung einer neuen EU-Bilanzrichtlinie hat das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz den Entwurf eines Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetzes (BilRUG) vorgelegt. Das Gesetz, mit dessen Verabschiedung Anfang 2015 zu rechnen ist, bringt verschiedene Erleichterungen für die Jahresabschluss-Publizität von Gesellschaften in der Rechtsform der GmbH und GmbH & Co. KG.

Das Handelsgesetzbuch (HGB) sieht für Kleinst-, kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften sowie für Kapitalgesellschaften & Co. verschiedene größenabhängige Erleichterungen vor. Gesetzlich definiert sind die Größenklassen und deren Umschreibung (Bilanzsumme, Umsatzerlöse, Anzahl der Arbeitnehmer) in § 267 HGB. Durch das BilRUG kommt es abermals zu einer Anhebung der Schwellenwerte für Bilanzsumme und Umsatzerlöse – für kleine Gesellschaften sogar um ca. 24 Prozent, für mittelgroße Unternehmen um ca. 4 Prozent. Damit hat sich der Gesetzgeber an den neuen EU-Obergrenzen orientiert. Eine Anpassung des Merkmals „Anzahl der Arbeitnehmer“ wurde vom Gesetzgeber (wieder) nicht vorgenommen. Auch erfolgt keine Anpassung der Größenmerkmale für Kleinstgesellschaften.

Insgesamt bringt die Anpassung der Schwellenwerte Vorteile für viele Kapital- und KapCo-Gesellschaften, da z.B. durch den Abstieg in die Kategorie „kleine Kapitalgesellschaft“ zukünftig noch einmal deutlich mehr mittelständische Gesellschaften (laut BMJV ca. 7.000 Unternehmen) von der bisher bestehenden Pflicht zur Jahresabschlussprüfung und zur Erstellung eines Lageberichts befreit werden. Außerdem gibt es Erleichterungen für die Aufstellung des Anhangs, bei der Offenlegung sowie hinsichtlich der verlängerten Frist zur Aufstellung des Jahresabschlusses.

Bürokratie und Formalismus werden für solche Gesellschaften weiter deutlich reduziert. Die neuen Schwellenwerte weist die nachfolgende Übersicht aus.

Übersicht: Bisherige und neue Schwellenwerte

A. Kleine Kapitalgesellschaften (& Co.)

1.   Bilanzsumme bislang       4.840 TEUR
Bilanzsumme neu               6.000 TEUR
2.   Umsatzerlöse bislang      9.680 TEUR
Umsatzerlöse neu             12.000 TEUR
3.   50 Arbeitnehmer
Mindestens zwei der drei Merkmale werden nicht überschritten.

B. Mittelgroße Kapitalgesellschaften (& Co.)

1.   Bilanzsumme bislang     19.250 TEUR
Bilanzsumme neu              20.000 TEUR
2.   Umsatzerlöse bislang     38.500 TEUR
Umsatzerlöse neu               40.000 TEUR
3.   250 Arbeitnehmer
Mindestens zwei der drei Merkmale werden nicht überschritten.

C. Große Kapitalgesellschaften (& Co.)

Mindestens zwei der drei Merkmale für mittelgroße Gesellschaften werden überschritten.

Mindestens zwei der drei Merkmale müssen an zwei aufeinander folgenden Stichtagen überschritten/unterschritten sein, um in die nächste Größenklasse auf- bzw. abzusteigen (vgl. § 267 Abs. 4 Satz 1 HGB).

Die neuen Schwellenwerte sind bereits erstmals für Geschäftsjahre anzuwenden, die nach dem 31.12.2013 beginnen. Die durch das BilRUG geänderten Schwellenwerte gelten gemäß Gesetzesbegründung jedoch auch für die Beurteilung, ob am 31.12.2014 die Schwellenwerte an zwei aufeinander folgenden Abschlussstichtagen erfüllt sind.

Das heißt, die neuen Werte sind für die Beurteilung der Merkmale sowohl auf den 31.12.2013 als auch auf den 31.12.2014 anzuwenden. Somit gilt für die erstmalige Anwendung der neuen Schwellenwerte die Zweijahresfrist rückwirkend, sodass bereits für das am 31.12.2014 endende Geschäftsjahr die Erleichterungen aufgrund des „Abstiegs“ in die kleine/mittelgroße Gesellschaft genutzt werden können.

Beispiel:

Eine GmbH mit einem Jahresumsatz in den Geschäftsjahren 2013 und 2014 von jeweils ca. 11 Mio. Euro, einer Bilanzsumme von jeweils ca. 4 Mio. Euro und einer Arbeitnehmeranzahl von jeweils ca. 80 unterlag nach bisher geltenden Schwellenwerten als mittelgroße Kapitalgesellschaft der Pflicht zur Prüfung des Jahresabschlusses. Bei gleichen Merkmalen entfällt die Prüfungspflicht bereits ab dem Geschäftsjahr 2014, da die neuen Werte rückwirkend auch auf den Stichtag 31.12.2013 anzuwenden sind. Die GmbH ist aufgrund des mindestens zweimaligen Unterschreitens zweier Merkmale (Umsatzerlöse und Bilanzsumme) also schon ab dem Jahr 2014 als kleine Gesellschaft einzustufen und folglich – neben vielen anderen Erleichterungen – von der Prüfungspflicht befreit.

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