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Gewinnfaktor BGM: Kosten senken, Mitarbeiter motivieren
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Gewinnfaktor BGM: Kosten senken, Mitarbeiter motivieren

Viele kleine und mittelständische Unternehmen scheuen nach wie vor das Thema Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Die folgenden Gründe werden dafür besonders häufig genannt: Das Tagesgeschäft habe Vorrang, der Bedarf sei unbekannt, Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) sei zu kostspielig und Wissen bezüglich der Umsetzungsmöglichkeiten fehle.

Kleine und mittelständische Unternehmen stehen aktuell vor großen Herausforderungen: Globalisierung, Digitalisierung, Industrie 4.0 und demografischer Wandel sind nur einige der Stichworte, die den sich beschleunigenden Strukturwandel beschreiben. Doch der ausschließliche Fokus auf das Tagesgeschäft hat einen hohen Preis. Unternehmen erleben massive Herausforderungen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter: Die Zahl psychisch bedingter Ausfallzeiten steigt. Der Altersdurchschnitt der Erwerbstätigen steigt.

Die wachsenden Anforderungen hinsichtlich Komplexität/Multitasking/Multiswitching, Erreichbarkeit und Mobilität erhöhen schleichend den Druck auf Mitarbeiter und Führungskräfte und senken gleichzeitig die Produktivität. Unterschiedliche Wertvorstellungen verschiedener Generationen (Babyboomer vs. Generation Y) führen zu Konflikten in Teams und zu Problemen in der Mitarbeiterführung. Der „War of Talents“ wird härter.

Unbekannter Bedarf

Psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Mehr als jede dritte Frau und ein Fünftel der Männer wird aufgrund einer psychischen Erkrankung behandelt. Fast jede dritte Berufsunfähigkeit ist auf psychische oder psycho-somatische Erkrankungen zurückzuführen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis 2030 Depression Volkskrankheit Nr. 1 sein wird. Die Bewältigung psychosozial bedingter Erkrankungen stellt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit dar.

Der steigende Altersdurchschnitt der Erwerbstätigen wird die Kosten aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen bereits in den nächsten fünf bis zehn Jahren massiv steigen lassen. Ein Beispiel: Sie haben zehn Mitarbeiter im Alter von 40 bis 44 Jahren. Diese sind im Schnitt 12,8 Tage pro Jahr krank. In fünf Jahren werden diese Mitarbeiter im Schnitt schon 14,6 Tage pro Jahr krank sein, nochmal fünf Jahre später bereits 16,4 Tage. Die Ursache dafür liegt jedoch nicht im Alter(n), sondern in den eingangs genannten Herausforderungen, die körperlich und psychisch ihren Tribut fordern.

Der moderne Mensch wird jeden Tag mit über 34 GB an Wortinformationen geflutet. Die Folgen dieser Dauerbelastung sind Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, kompensiert durch einen steigenden Konsum von Energydrinks, Kaffee und anderen Aufputschmitteln, die langfristig zu erheblichen körperlichen Beschwerden führen können. Ein durchschnittlicher Mitarbeiter kann ca. eine Minute und 15 Sekunden konzentriert an einem Projekt arbeiten, bis er das erste Mal gestört wird: ein Kollege kommt rein, ein Anruf, eine SMS/WhatsApp, eine Facebooknachricht oder ein Tweet. Danach dauert es wieder einige Minuten, um sich in das vorherige Thema wieder einzufinden. Arbeiten dauern dadurch bis zu 50% länger und die Fehlerwahrscheinlichkeit steigt ebenfalls auf bis zu 50%. Die verminderte Konzentrationsfähigkeit eines Mitarbeiters kostet ein Unternehmen 12% bis 25% des gesamten Personalaufwands. Bei einem Durchschnittseinkommen von 36.000 € entspricht das Kosten in Höhe von bis zu 9.000 € pro Mitarbeiter pro Jahr. Die Kosten dieser Probleme sind für Unternehmen immens.

Doch das ist noch nicht alles: Die Ausfälle kranker Kollegen gehen meist auf Kosten der „gesunden“ Mitarbeiter, die dadurch ein höheres Arbeitspensum zu bewältigen haben und irgendwann ihrerseits krank werden. Umgekehrt schaden übermotivierte Mitarbeiter, die trotz Krankheit zur Arbeit erscheinen (sogenannter Präsentismus) dem Unternehmen ebenfalls. Absentismus (Fehlen wegen Krankheit) und Präsentismus zusammen kosten deutsche Unternehmen im Schnitt 3.591 € jährlich pro Arbeitnehmer.

Folgende drei Fragen ermöglichen eine erste grobe Kalkulation, welche Kosten durch ein fehlendes Betriebliches Gesundheitskonzept bereits jetzt in einem Unternehmen bestehen:

Wie viel Prozent der Mitarbeiter/Führungskräfte arbeiten nicht mit 100% ihrer vollen Leistungsfähigkeit?

Wie hoch ist der geschätzte Verlust pro Jahr, der durch die Differenz entsteht?

Wie hoch wäre der Gewinn, wenn eine Leistungssteigerung der Mitarbeiter von 5% bewirkt werden könnte (z.B. von 75% auf 80%)?

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Zu kostspielig in der Umsetzung

Es sollte klar geworden sein, dass es viel kostspieliger ist, den Kopf in den Sand zu stecken und weiter zu machen wie bisher. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin geht davon aus, dass 30% bis 40% der Arbeitsunfähigkeitszeiten durch eigene Maßnahmen der Unternehmen vermeidbar sind. Jeder Euro, der in betriebliche Prävention investiert wird, zahlt sich auf volkswirtschaftlicher Ebene mit
fünf bis 16 € aus – je nach Art und Umfang der Maßnahme. Die betriebliche Gesundheitsförderung als Teil einer nachhaltigen Unternehmensstrategie rückt damit zunehmend in den Vordergrund.

Mitarbeiter und Führungskräfte müssen in die Lage versetzt werden, die mit den vielfältigen Veränderungsprozessen verbundenen Herausforderungen gesund bewältigen zu können und den sich ständig wandelnden Arbeitsanforderungen gerecht zu werden. Nur dann bleibt die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens erhalten. Dafür muss jedoch die Arbeit so gestaltet werden, dass sie dem Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit, Gesundheit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerecht wird.

Fehlendes Wissen bezüglich der Umsetzungsmöglichkeiten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als einen „Zustand völligen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein als das Freisein von Krankheit oder Schwäche.“

Folgt man dieser Idealdefinition, wird schnell klar, dass ein einzelner Gesundheitstag, eine Rückenschule oder ein Stressmanagement-Programm allein dieser Idee nicht gerecht werden können. Hier sind ganzheitliche Konzepte gefragt, die langfristig und nachhaltig den Gesundheitsgedanken immer wieder neu ins Bewusstsein rufen, ausgerichtet an den Zielen und Werten des Unternehmens. BGM ist kein Selbstzweck. Es sollte allen Beteiligten (Unternehmern und Mitarbeitern) dazu dienen, ihr volles Potenzial zu entfalten.

Eigene Mitarbeiter zur Organisation des BGM freizustellen ist für kleinere Unternehmen oft nicht möglich. Externe Partner sind hier die bessere Alternative. Neben den Krankenkassen gibt es zahlreiche „freie“ Anbieter, die ihre Fachkompetenzen den Unternehmen anbieten. Außerdem gibt es Förderprogramme wie die Potenzialberatung oder unternehmenswert Mensch, die genutzt werden können, um ein Betriebliches Gesundheitsmanagement erfolgreich im Unternehmen zu etablieren.

Win Silvester
M.A. Gesundheitsmanagement (Univ.)
Ayurveda Gesundheitscoach (IHK)
www.win-silvester.de