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Flexible Arbeitszeitmodelle – Pro und Contra

Flexible Arbeitszeitmodelle – Pro und Contra

Die Flexibilisierung in der Arbeitswelt hat einerseits in der Wirtschaftskrise über Kurzarbeit den Erhalt von Beschäftigung ermöglicht. Andererseits führt sie oftmals zu prekärer Beschäftigung, mehr Leistungsdruck und zur Aufhebung der Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben.

Derzeit finden tiefgreifende Transformationen in der Arbeitswelt statt, die das Arbeiten von 9 to 5, inklusive Mittagspause um 12h, fast schon als Ausnahmemodell erscheinen lassen. Die Teilzeitquote hat sich gegenüber dem Jahr 1992 mittlerweile verdoppelt und beträgt nun 27%. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Arbeitszeit-Report des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, der letzte Woche beim WSI-Forum in Düsseldorf vorgestellt wurde.

Dabei betonten die Forscher, dass eine gesetzliche und tarifliche Gestaltung der neuen flexiblen Arbeitszeitmodelle dringend notwendig sei – denn die Flexibilisierung der Arbeitszeiten habe nicht nur zu positiven Ergebnissen geführt, wie etwa beim Erhalt von Beschäftigung durch Kurzarbeitszeit während der Finanzkrise, sondern es gebe auch einige negative Entwicklungen durch die neuen Arbeitszeitmodelle.

So kritisierten die Forscher, dass derzeit überwiegend die Arbeitgeber von der Flexibilisierung profitierten, etwa durch Tarifverträge, die ihnen Spielraum von den vereinbarten Arbeitszeiten im Rahmen eines Korridors, befristeter Kurzarbeit, saisonal unterschiedlicher Arbeitszeit, Arbeit am Wochenende oder Schichtdienst böten.

Die Arbeitnehmer hingegen würden in den seltensten Fällen Arbeitszeitfreiheit gewinnen; stattdessen wachse der Leistungsdruck. 37% der Beschäftigten leisten unbezahlte Mehrarbeit, da sie auch außerhalb der normalen Arbeitszeit telefonisch oder per Mail erreichbar sein müssen. Ergebnisorientierte Formen der Leistungssteuerung wie Umsatzvorgaben, kennziffernorientierte Zielvereinbarungen oder Projektarbeit erhöhen den Druck; Arbeitnehmer arbeiten mittlerweile zum Teil länger als zehn Stunden am Tag. Die Folge: Arbeitnehmer unterlaufen Regelungen zum Schutz ihrer Gesundheit. Dies geschieht vor allem in Betrieben mit Zielvereinbarungen (41%), aber auch in Betrieben ohne Zielvereinbarungen (34%).

Die Arbeitszeitdauer ist infolge des Ausbaus der flexiblen Arbeitszeitmodelle in Deutschland im Durchschnitt gesunken, während die Zahl der Erwerbstätigen von 37,7 Millionen im Jahr 1995 auf 41,6 Millionen im Jahr 2012 gestiegen ist. Dadurch, dass diese Beschäftigungsexpansion im Wesentlichen auf Arbeitsumverteilung zurückzuführen sei, sei dieser Erfolg durch eine Fortschreibung der Geschlechterungerechtigkeit erkauft worden, so die Forscher. Die wöchentliche Arbeitszeit der weiblichen Beschäftigten ging von 34 auf 30,5 Stunden zurück, während die der männlichen Beschäftigten zwar auch sank, jedoch von 41,8 auf 39,9 Stunden. Die Arbeitszeitkluft zwischen Männern und Frauen vergrößerte sich also von 7,8 auf 9 Stunden – für die Forscher ein alarmierendes Ergebnis, da sie betonen, dass Arbeitszeiten zusammen mit dem Lohnniveau darüber bestimmen, ob Beschäftigte von ihrer Erwerbstätigkeit leben können und ob sie bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder im Alter ausreichend abgesichert sind.

Um dieser Prekarisierung weiblichen Arbeitens entgegenzuwirken wird seit einiger Zeit das Modell der Familienarbeitszeit diskutiert, das eine einkommensabhängige Lohnersatzersatzleistung beinhaltet, wenn beide Partner Arbeitszeit reduzieren. Derartige Modelle könnten dabei helfen, die derzeitige Transformation der Arbeitswelt zu gestalten und Arbeit und soziales Zusammenleben entsprechend zu organisieren. ik

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