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Firmenwagenüberlassung – Übernahme einzelner Kosten durch den Arbeitnehmer aus steuerlicher Sicht

Firmenwagenüberlassung – Übernahme einzelner Kosten durch den Arbeitnehmer aus steuerlicher Sicht

Überlässt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer einen Firmenwagen, ist der geldwerte Vorteil der privaten Nutzung als Arbeitslohn zu erfassen. Kosten, die der Arbeitnehmer trägt, mindern dann den geldwerten Vorteil, wenn es sich um ein Nutzungsentgelt handelt und nicht um die Übernahme einzelner Kosten. Es kommt also auf die zutreffende Abgrenzung an. Als geldwerter Vorteil sind entweder
– die anteiligen tatsächlichen Kfz-Kosten oder
– pro Monat 1% des inländischen Bruttolistenpreises zuzüglich Sonderausstattung im Zeitpunkt der Erstzulassung anzusetzen.
Neben der Nutzung zu privaten Fahrten sind ggf. auch die Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte (erster Tätigkeitsstätte) und zu Heimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung als Arbeitslohn zu erfassen.
Die Zahlungen oder die Übernahme von Kosten durch den Arbeitnehmer sind steuerlich unterschiedlich zu behandeln. Es ist danach zu unterscheiden, ob der Arbeitnehmer ein Nutzungsentgelt zahlt oder laufende Kfz-Kosten (z.B. Benzinkosten) selber trägt.
Zahlt der Arbeitnehmer an den Arbeitgeber ein Nutzungsentgelt für die außerdienstliche Nutzung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs, mindert dieses Nutzungsentgelt den geldwerten Vorteil, der gemäß R 8.1 Abs. 9 Nr. 4 LStR anzusetzen ist. Das gilt auch dann, wenn die Zahlung des Arbeitnehmers auf Weisung des Arbeitgebers an einen Dritten (z.B. das Leasingunternehmen) zur Erfüllung seiner Verpflichtung erfolgt (abgekürzter Zahlungsweg).
Es ist gleichgültig, ob das Nutzungsentgelt pauschal oder entsprechend der tatsächlichen Nutzung des Kraftfahrzeugs bemessen wird (R 8.1 Abs. 9 Nr. 4 LStR). Nutzungsentgelt in diesem Sinne
– ist ein arbeitsvertraglich oder aufgrund einer anderen arbeits- oder dienstrechtlichen Rechtsgrundlage vereinbarter nutzungsunabhängiger pauschaler Betrag (z.B. eine Monatspauschale),
– ist ein arbeitsvertraglich oder aufgrund einer anderen arbeits- oder dienstrechtlichen Rechtsgrundlage vereinbarter an den gefahrenen Kilometern ausgerichteter Betrag (z.B. eine Kilometerpauschale) oder
– sind die arbeitsvertraglich vom Arbeitnehmer übernommenen Leasingraten.
Die vollständige oder teilweise Übernahme einzelner Kraftfahrzeugkosten (z.B. Treibstoffkosten, Versicherungsbeiträge, Wagenwäsche) durch den Arbeitnehmer ist kein Nutzungsentgelt, das nach der tatsächlichen Nutzung bemessen wird (R 8.1 Abs. 9 Nr. 1 LStR). Dies gilt auch für einzelne Kraftfahrzeugkosten, die zunächst vom Arbeitgeber verauslagt und anschließend dem Arbeitnehmer weiterbelastet werden oder, wenn der Arbeitnehmer zunächst pauschale Abschlagszahlungen leistet, die zu einem späteren Zeitpunkt nach den tatsächlich entstandenen Kraftfahrzeugkosten abgerechnet werden.
Es handelt sich nur dann um ein Nutzungsentgelt, das den Nutzungswert mindert, wenn es arbeitsvertraglich oder aufgrund einer anderen arbeits- oder dienstrechtlichen Rechtsgrundlage arbeitsvertraglich für die Gestellung des betrieblichen Kraftfahrzeugs vereinbart worden ist. Es darf nicht die Weiterbelastung einzelner Kraftfahrzeugkosten vereinbart werden.
In Höhe des Nutzungsentgelts ist der Arbeitnehmer nicht bereichert, und die gesetzlichen Voraussetzungen des § 8 Abs. 1 EStG in Verbindung mit § 19 Abs. 1 EStG sind nicht erfüllt. Sollte das Nutzungsentgelt im Einzelfall den Nutzungswert übersteigen, führt der übersteigende Betrag weder zu negativem Arbeitslohn noch zu Werbungskosten.
Wendet der Arbeitgeber bei der Ermittlung der privaten Nutzung die 1%-Regelung an, bleiben einzelne Kosten, die der Arbeitnehmer übernimmt, unberücksichtigt.
Anstelle des pauschalen Nutzungswerts können die Kosten, die auf die außerdienstlichen Fahrten entfallen, mit den tatsächlichen Aufwendungen angesetzt werden. Mithilfe eines ordnungsgemäß geführten Fahrtenbuchs können dann die außerdienstlichen und die dienstlichen Fahrten aufgeteilt werden. Das heißt, der Arbeitgeber kann den Anteil an den Gesamtkosten, der auf die außerdienstliche Nutzung entfällt, konkret ermitteln.
Das Finanzgericht Düsseldorf vertritt die Auffassung, dass die Übernahme einzelner Kfz-Kosten durch den Arbeitnehmer sich auch bei der 1%-Methode steuermindernd auswirken müsste (Urteil vom 4.12.2014, Az. 12 K 1073/14E). Gegen dieses Urteil ist Revision beim BFH eingelegt worden (Az. VI R 2/15). Jeder, der sich in einer vergleichbaren Situation befindet, sollte Einspruch einlegen und die Aussetzung des Einspruchsverfahrens bis zur Entscheidung durch den BFH beantragen.

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