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gmbhchef Ausgabe 03-2013 Bonn

Titelthema Unternehmensfinanzierung vorhaltung der Kreditinstitute stellen wird. Das beschneidet den Ertrag der Institute und macht es für sie teurer, Darlehen mit langfristigen Zinsbindungen zur Verfügung zu stellen. Gerade also die Investitionsfinanzierung auch für den Mittelstand könnte darunter leiden. Ein guter Ausweg wird die verstärkte Inanspruchnahme der öffentlich geförderten Kredite der Kfw- Mittelstandsbank und der NRW.BANK als Landes-Förderbank sein. Mittelständler sollten diese Möglichkeiten selber aktiv in die Kreditgespräche einbringen. Die Schlussfolgerungen für den Mittelstand gehen in vier Richtungen: 1. Mit den eigenen Banken darüber sprechen, inwieweit diese ihre Kreditpolitik speziell im Mittelstand durch Basel III verändern werden. Zu befürchten ist allerdings, dass die meisten Banken und Sparkassen dazu wenig bis gar nichts sagen werden. Daher die Frage dann anders stellen: „Was muss ich als Unternehmer tun, um für Sie ein attraktiver Kreditkunde zu sein/zu bleiben/zu werden?“ 2. Kreditgespräche noch besser vorbereiten und systematisch führen. Vor jedem Kreditgespräch abfragen, welche Unterlagen erforderlich sind und diese umfassend, aussagefähig und in einem Paket den Banken im Vorfeld des Gesprächs zum vereinbarten Termin übersenden. 3. Auf jeden Fall nicht nur von einer kreditgebenden Bank oder Sparkasse abhängig sein, sondern zwei in etwa gleich starke Hausbankverbindungen haben oder aufbauen. 4. Auch alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie Leasing, Factoring, Kapitalbeteiligungen mit in die eigenen Überlegungen systematisch einbeziehen. ■ Impuls für die Standortbestimmung. Mit einem Gespräch über das Rating „verkaufen“ die Banken und Sparkassen sozusagen eine „Bonitätsberatung“. Was kommt mit Basel III neu auf die Mittelständler zu? Die Ratingverfahren nach Basel II werden durch Basel III nicht verändert. Was sich ändern kann und bei vielen Banken und Sparkassen auch ändern wird, ist die Geschäftspolitik im Kreditgeschäft. Basel III verlangt, dass die Kreditinstitute zukünftig ihre Kreditgeschäfte mit mehr Eigenkapital „unterlegen“. Bereits heute schreibt der Gesetzgeber vor, dass Banken und Sparkassen für jeden Kredit einen bestimmten Prozentsatz der Kreditsumme an Bank-Eigenkapital bereithalten (unterlegen) müssen. Dieser Prozentsatz ist abhängig von der Bonität des Kunden, also dem Rating. Diese Prozentsätze werden durch Basel III steigen. Kreditinstitute benötigen daher mehr Eigenkapital. Speziell Sparkassen und Genossenschaftsbanken, also vielfach die Bankverbindungen im Mittelstand, können zusätzliches Eigenkapital nur aus versteuerten Gewinnen bilden. Volks- und Raiffeisenbanken haben noch die Möglichkeit, zusätzliche Genossenschaftsanteile anzubieten. Es kommt also auf die Ertragskraft der Bank an. Eine Bank kann auf drei Wegen Erträge steigern: Zins- und Provisionseinnahmen erhöhen, Kosten senken, Risiken reduzieren. Die Banken werden alle drei Wege beschreiten. Und das heißt eben auch: Die Institute werden bei der Vergabe von Krediten noch intensiver auf das mögliche Risiko schauen, noch kritischer werden, noch mehr Informationen und Unterlagen verlangen – und letztlich öfter als bisher Kreditanfragen nicht bedienen. Und das wird Auswirkungen für die Unternehmen haben: Der Wettbewerb um die Kredite der Banken und Sparkassen wird zunehmen. Denn wenn Kreditinstitute risikoscheuer werden – man kann auch sagen: wählerischer werden – kommt es darauf an, das eigene Unternehmen für Kreditgeber attraktiv zu halten oder zu machen. Oder anders ausgedrückt: Es kommt darauf an, dass das eigene Unternehmen eine attraktive Adresse für Kreditinstitute, Leasing- und Factoring-Gesellschaften ist und bleibt. Hinzu kommt, dass Basel III auch zusätzliche Anforderungen an die Liquiditäts- Mehr Informationen zum Thema ◆ Wer sich außerhalb des Bankenkontakts zu den Ratinganalysen der Banken informieren will, findet die Fragen zur kaufmännischen Unternehmensführung der deutschen Kreditwirtschaft im Internet unter www.strategiebaum.de. ◆ Ein weiterer guter Zugang zu dem Thema ist die Unternehmenssoftware der Genossenschaftsbanken MinD.business. Diese leistet eine umfassende Zahlenanalyse und erlaubt auf der Basis des Fragenkatalogs des Ratings der Genossenschaftsbanken eine Stärken-Schwächen Analyse. Die Software ist bei jeder Volks- oder Raiffeisenbank zu kaufen. Informationen unter www.min-d.de. ◆ Unternehmen, die eine Stärken-Schwächen Analyse mit Unterstützung eines neutralen, externen Begleiters durchführen wollen, finden solche unter anderem beim Verband „Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e.V.“. Unternehmen können für eine solche Unterstützung Förderung aus dem Beratungsförderungsprogramm des Bundes in Anspruch nehmen. Die Mitglieder des KMU-Beraterverbands sind per Mitgliedschaft zu diesem Programm zugelassen. www.kmu-berater.de. Buchtipp „Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln – Praxisleitfaden zur Bankenkommunikation für Unternehmer und Berater“ Im Buch unseres Autors finden sich viele weitere Details, Handlungsempfehlungen und Praxistipps. Das Buch ist in unserem Onlineshop auf www.vsrw.de erhältlich. Carl-Dietrich Sander UnternehmerBerater, Neuss www.cd-sander.de Juni · Juli 2013 | 9


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