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gmbhchef Ausgabe 03-2013 Bonn

Personal & Weiterbildung Diebstahl, Schummeleien und Unterschlagung Wenn die Loyalität fehlt Wenn Mitarbeiter stehlen, gehen sie das Risiko einer Kündigung ein – und das oft für kleinste Beträge. Rational lässt sich das Verhalten kaum erklären. Das menschliche Gehirn folgt seiner eigenen Logik. 36 | Juni · Juli 2013 gestellt, würden sie sich aber kaum als Kriminelle einstufen. Das menschliche Gehirn ist erstaunlich gut darin, geltende Regeln nach eigenem Ermessen ein kleines bisschen zurechtzubiegen. Hürde für die Redlichkeit: Unerfüllbare Anforderungen Niemand ist gefeit. Jeder Leser möge sich selbst fragen, wie er in den folgenden Beispielen gehandelt hätte: Fall 1: Ein Geschäftsreisender kommt zum Fahrkartenautomaten und stellt fest, dass er zu wenig Kleingeld mitgenommen hat. Seinen 20-Euro-Schein nimmt der Automat nicht an. Vielmehr soll er 4,80 Euro in Münzen und Scheinen bis zehn Euro zahlen. 20 Euro sind heute nicht mehr allzu viel Geld. Die Zeit wird knapp und der Reisende will pünktlich zu seinem Kunden. Eigentlich will er ja zahlen – aber er kann nicht, weil der Automat lebensfremde An- Im Einzelhandel gehen jährlich 3,8 Millionen Euro verloren. So hoch ist der Betrag der verzeichneten Inventurdifferenzen. 35 Prozent davon sind dem Konto der Mitarbeiter zuzurechnen. Das zumindest sagt das Centre of Retail Research in seiner Untersuchung „Das globale Diebstahlbarometer 2011“. Es sind aber nicht nur die kleinen Angestellten, die sich illegal bereichern. Nach einer KPMG-Studie von 2012 ist der typische Wirtschaftskriminelle ein langjähriger Mitarbeiter in einer vertrauensvollen Position. Mitarbeiter stehlen nicht etwa deshalb, weil sie den Gewinn höher einschätzen als die mögliche Strafe. Ein Paket Papier mitzunehmen, lohnt sich so gesehen niemals. Mitarbeiter stehlen oder betrügen, weil sie glauben, ein Recht auf den Vorteil zu haben. Natürlich wissen Mitarbeiter genau, dass es falsch ist, Zahlen zu fälschen oder Gegenstände mitgehen zu lassen. Zur Rede forderungen stellt. Darf er dann Schwarzfahren? Lüge und Betrug finden dort ihren Nährboden, wo Anforderungen als unrealistisch, unerfüllbar oder zu hoch erscheinen. Eine unerfüllbare Anforderung kann zum Beispiel eine Umsatzvorgabe für den Vertrieb sein. Die Erfüllung der Zielvorgabe entscheidet nicht nur über die Ausschüttung des Bonus. Auch das Ansehen der Mitarbeiter und die Chancen auf Beförderung hängen davon ab oder sogar der Arbeitsplatz an sich. Spätestens da, wo Existenznot um sich greift, ist die Versuchung für Betrug groß. Wird einfach ignoriert: Scheinbarer Unsinn Fall 2: Ein Cabrio-Fahrer kommt zurück zu seinem Wagen und stellt fest, dass dieser gestohlen worden ist. In seinem Bericht an die Versicherung gibt er an, dass der Wagen


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