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gmbhchef Ausgabe 03-2013 Bonn

Wirtschaftlich kann das Unternehmen bei vollständiger Verlustnutzung im Zeitablauf durch die Wahl eines günstigen Zeitpunkts für steuerliche Teilwertabschreibung einen positiven Zinseffekt erreichen. Die durch die Verschiebung der Teilwertabschreibung entstehende Differenz zwischen Handels- und Steuerbilanz löst in der Handelsbilanz eine aktive latente Steuer aus (im Beispiel: 24.000 Euro), für deren Ansatz ein Wahlrecht in der Handelsbilanz besteht. Die aktive latente Steuer führt zu einem höheren Gewinn- und Eigenkapitalausweis in der Handelsbilanz 2012. Geänderter Herstellungskostenbegriff in der Steuerbilanz Nach der Einkommensteuerrichtlinie 2012 sollen zukünftig auch verpflichtend die Kosten für allgemeine Verwaltung und die Aufwendungen für freiwillige soziale Leistungen und die betriebliche Altersversorgung in die Herstellungskosten einbezogen werden. In der Handelsbilanz besteht nach BilMoG weiter ein Einbeziehungswahlrecht für diese Kosten. Für die Produktions- und Dienstleistungsunternehmen, die die vorgenannten Kosten bisher nicht in den Herstellungskosten in der Handelsbilanz berücksichtigt haben und die im Jahr 2012 steuerliche Verluste von mehr als eine Million Euro erleiden und denen im Jahr 2013 die Folgen der Mindestbesteuerung (steuerlicher Gewinn größer als eine Million Euro) drohen, kann es sich lohnen, zumindest in der Steuerbilanz die höheren Herstellungskosten anzusetzen. Durch die Ergebnisverschiebung kommt es auch hier zu einer früheren Verlustnutzung und damit zu einem Zinsvorteil fürs Unternehmen. Aktive latente Steuern in der Handelsbilanz aus Differenzen zur Steuerbilanz Auch wenn die latenten Steuern gemeinhin als unverständlich gelten, lohnt es sich in Bezug auf die Abbildung von Ertrags- und Vermögenslage der GmbH, nicht nur die passiven latenten Steuern als notwendiges Übel (Bilanzierungspflicht) hinzunehmen, sondern auch die aktiven latenten Steuern (Bilanzierungswahlrecht) in die Bilanzgestaltung einzubeziehen. Neben den oben bereits angeführten aktiven latenten Steuern Recht & Steuern aus Gestaltungen auf der Aktivseite der Bilanz infolge von unterlassenen Teilwertabschreibungen können auch Differenzen auf der Passivseite (positive) aktive latente Steuern auslösen. Dazu ein Beispiel für Drohverlustrückstellungen: In der Handelsbilanz sind Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften zu bilden, während in der Steuerbilanz ein Passivierungsverbot besteht. Durch Ausübung des Wahlrechts zur Bildung aktiver latenter Steuern in der Handelsbilanz kann eine zur Drohverlustrückstellung gegenläufige aktive latente Steuer in Abhängigkeit von der Steuerentlastung (rund 30 Prozent) gebildet werden. In der Gewinn- und Verlustrechnung und im Eigenkapital wirkt sich der Ansatz der Drohverlustrückstellung nur noch mit 70 Prozent aus. Der Ansatz von aktiven latenten Steuern auf Verlustvorträge sei hier nur als weiteres Gestaltungsmoment zur Verbesserung des Eigenkapitalausweises genannt. Unabhängig davon, ob man sich für oder gegen eine freiwillige Bilanzierung von aktiven latenten Steuern in der Handelsbilanz entscheidet, gehört es zu einer nicht nur kurzfristig orientierten steuerlichen Gestaltung immer dazu, die passiven und aktiven latenten Steuern (gegenläufigen Effekte) im Auge zu behalten. ■ mentation in laufend zu führenden Verzeichnissen. Die steuerlichen Dokumentationspflichten sind ernst zu nehmen, damit es bei einer späteren Betriebsprüfung keine Überraschungen gibt. Wahlrecht für Teilwertabschreibungen in der Steuerbilanz In der Handelsbilanz sind im Anlagevermögen außerplanmäßige Abschreibungen (Teilwertabschreibungen) bei einer dauernden Wertminderung eines Vermögensgegenstands (Wirtschaftsgut) vorzunehmen. Für das Umlaufvermögen gilt das strenge Niederstwertprinzip, das heißt, es müssen immer Abschreibungen auf den am Bilanzstichtag beizulegenden Wert (niedrigeren Teilwert) vorgenommen werden. In der Steuerbilanz besteht dieser Zwang zur Abschreibung auf den niedrigeren Teilwert nicht. Es besteht ein steuerliches Wahlrecht unabhängig von der handelsrechtlichen Bilanzierung. Dieses steuerliche Wahlrecht sollte gezielt zur Gestaltung des steuerlichen Ergebnisses eingesetzt werden, indem eine Teilwertabschreibung in der Steuerbilanz nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen wird. Ein Beispiel zur Vermeidung der Mindestbesteuerung: In der Handelsbilanz 2012 entsteht in Folge dauernder Wertminderung ein Abschreibungsbedarf auf ein Grundstück A in Höhe von 200.000 Euro. Bei entsprechender Bilanzierung in der Steuerbilanz entsteht zusammen mit anderen Verlusten insgesamt ein steuerlicher Verlust von 1.200.000 Euro. Im Folgejahr 2013 ist aufgrund des Verkaufs eines Grundstücks B ein steuerlicher Gewinn in Höhe von 1.200.000 Euro zu erwarten. Ohne Verzicht auf eine Teilwertabschreibung in der Steuerbilanz kommt es 2013 zu einer Steuerlast infolge der Mindestbesteuerung, obwohl ein Verlustvortrag von 1.200.000 Euro aus dem Jahr 2012 besteht. Es werden 2013 durch die Mindestbesteuerung rund 24.000 Euro Ertragsteuern ausgelöst. Nimmt man die Teilwertabschreibung von 200.000 Euro in der Steuerbilanz nicht 2012, sondern erst 2013 vor, entsteht keine Ertragsteuer in 2013. Der Gewinn in 2013 von 1.000.000 Euro kann vollständig durch den Verlustvortrag aus 2012 steuerfrei gestellt werden. Arno Abs Wirtschaftsprüfer Steuerberater, Partner DHPG Dr. Harzem & Partner KG, Bonn www.dhpg.de Definition Latente Steuern Zukünftige Steuerbelastungen (passive) und Steuerentlastungen (aktive), die aus unterschiedlichen Ansatz- und Bewertungsvorschriften in Handels- und Steuerbilanz resultieren. Mindestbesteuerung Beschränkung der Nutzung von steuerlichen Verlustvorträgen oberhalb eines zu versteuernden Gewinns von einer Million Euro auf 60 Prozent des übersteigenden Betrags. Juni · Juli 2013 | 19


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