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gmbhchef Ausgabe 03-2013 Bonn

Titelthema Unternehmensfinanzierung Wachstum. Mit der zusätzlichen Übernahme des Debitorenmanagements durch den Factor werden damit alle zuvor beschriebenen möglichen Problemfelder abgedeckt. Weitere vorteilhafte Effekte sind die Verbesserung der Eigenkapitalquote sowie die Möglichkeit, Debitoren längere Zahlungsziele einräumen zu können. Ihre These lautet „Professionalisierung des Forderungsmanagements schafft Unabhängigkeit“ – welche Unabhängigkeit meinen sie konkret? Durch ein professionelles Forderungsmanagement lässt sich das Risiko von Liquiditätsengpässen infolge von Zahlungsverzögerungen oder -ausfällen deutlich reduzieren. Mithilfe zum Beispiel eines Factorings wird dieses sogar vollständig durch den 100-prozentigen Forderungsausfallschutz beseitigt. Je höher das Maß an Sicherheit in Bezug auf die selbst erwirtschaftete Liquidität ist, desto größer ist die Selbstfinanzierungskraft des Unternehmens und damit die Unabhängigkeit von Banken und teuren Kreditlinien. Ein Factoringverfahren kann diese Unabhängigkeit sogar so weit ausbauen, dass es eine kostengünstigere Alternative oder Ergänzung zu Kontokorrentlinien darstellt. Die Unabhängigkeit von Banken wird zukünftig einen immer höheren Stellenwert einnehmen, da die Banken aufgrund ihrer zwangsweisen strategischen Neuorientierung im Kreditgeschäft durch Basel III die Finanzierungskonditionen sehr viel differenzierter auswählen müssen. Mit einem professionellen Forderungsmanagement steigt die Unabhängigkeit von negativen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen. So können Unternehmen potenzielle Schieflagen bei Geschäftspartnern und Kunden früh erkennen und präventive Maßnahmen einleiten und so Dominoeffekte vermeiden. ■ Zur Person und Unternehmen Rudolf Gellrich ist Geschäftsführer der BFS finance GmbH aus Verl. Das Unternehmen ist eine Tochter von arvato infoscore, einem Unternehmensbereich der Bertelsmann SE & Co. KGaA. BFS finance bietet seit 1961 Dienstleistungen für Finanzierung und Forderungsmanagement. sonellen Ressourcen für den Aufbau einer solchen Lösung häufig knapp sind, besteht die Option, eine entsprechende Beratungsleistung am Markt einzukaufen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass auch hier spätestens im Anschluss an die Beratungs und Implementierungsphase genügend Personal für die adäquate Ausführung der unterschiedlichen Aufgabenstellungen zur Verfügung stehen muss. Eine weitere und sehr viel personal- und oft auch kostenschonendere Alternative besteht in der Auslagerung einzelner Elemente oder des gesamten Forderungsmanagementprozesses an spezialisierte Dienstleister. Durch spezielle Instrumente können sie dem Forderungsmanagement vorteilhafte Bausteine hinzuzufügen, die intern nicht zur Verfügung stehen. Diese Dienstleister besitzen neben eigenen Informationen Schnittstellen zu Wirtschaftsauskunfteien und arbeiten daher mit sehr zuverlässigen Bonitätsbeurteilungs- und -monitoring-Instrumenten. Aufkommende Zahlungsschwierigkeiten bei Debitoren werden somit frühzeitig erkannt und präventive Maßnahmen eingeleitet. Droht dennoch ein Zahlungsausfall, wird die Zahlungswahrscheinlichkeit durch einen effizienten Inkasso-Prozess maximiert. Der Leitgedanke lautet dabei stets: Risiken minimieren und gleichzeitig Geschäftsbeziehungen erhalten. Unternehmen, die professionelle Dienstleister einsetzen, profitieren von diesen Instrumenten und reduzieren gleichzeitig Personal- und Sachkosten. Zudem ist oft festzustellen, dass Debitoren durch die Einschaltung eines auf das Forderungsmanagement spezialisierten Dritten ihre Rechnungen schneller bezahlen. Allein aus diesem Aspekt ergibt sich eine Verkürzung der durchschnittlichen Forderungslaufzeiten und damit ein Liquiditätsgewinn. Wie lassen sich Liquiditätsrisiken ganz vermeiden? Beispielsweise durch Factoring: Der Verkauf offener Forderungen sorgt neben der garantierten Absicherung vor Forderungsausfällen dafür, dass die Liquidität zum Zeitpunkt der Forderungsentstehung direkt zur Verfügung steht. Dadurch werden liquide Mittel zu einer planbareren Größe und schaffen so die Grundvoraussetzung für Investitionen und letztendlich für unternehaus Sorge vor Auftragseinbußen verdrängen. Wie stark diese Probleme die betriebliche Liquidität jedoch belasten können, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Forderungsausfälle eine der häufigsten Ursachen von Unternehmensinsolvenzen darstellen. Insbesondere mittelständische Unternehmen können bereits bei wenigen verspätet zahlenden Kunden schnell ernsthaft in Gefahr sein. Warum legen Unternehmen trotz dieser Gefahren häufig nicht genügend Wert auf ihr Forderungsmanagement? Gerade mittelständische Unternehmer wissen sehr wohl um diese Gefahren. Durch den Wettbewerbsdruck sowie globale und gesetzliche Herausforderungen sind sie jedoch zeitlich so eingespannt, dass ihnen oftmals die Zeit fehlt, sich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen. Um vor unvorhersehbaren Liquiditätsengpässen zumindest ein Stück weit geschützt zu sein und ein Mindestmaß an Flexibilität sicherzustellen, sehen viele den einzigen Ausweg darin, sich über die Ausweitung von Kreditlinien ein Sicherheitspolster zu verschaffen. Diese Lösung erscheint auf den ersten Blick schnell und unkompliziert zu sein. Nicht selten wird aufgrund teurer Konditionen allerdings eine unerwartete Kostenspirale in Gang gesetzt, die im schlimmsten Fall sogar ein unternehmensbedrohliches Ausmaß annehmen kann. Im Gegensatz zu dieser eher reaktiven Lösung setzt ein professionelles, aktives Forderungsmanagement bereits weit vor der möglichen Entstehung von Liquiditätsproblemen an. Dabei stehen mittelständischen Unternehmen meistens weder die dafür erforderlichen systemtechnischen Monitoring und Risikoinstrumente als auch die entsprechend fachkundigen Mitarbeiter für die Umsetzung zur Verfügung. Dadurch wirkt dieser Ansatz weit entfernt und mit viel Aufwand verbunden, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Wie lässt sich das Forderungsmanagement denn professionalisieren? Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass Unternehmen nicht nur einzelne Teile des Forderungsmanagements isoliert betrachten, sondern ein ganzheitliches, aufeinander abgestimmtes System aufbauen. Da sowohl die zeitlichen als auch die fachkundigen permerisches Juni · Juli 2013 | 11


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