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Entfernungspauschale: Kann ein Vermietungsobjekt  eine erste Tätigkeitsstätte sein?

Entfernungspauschale: Kann ein Vermietungsobjekt eine erste Tätigkeitsstätte sein?

Kosten für Fahrten zu einem oder mehreren Vermietungsobjekten können auch bei den Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung auf die Entfernungspauschale beschränkt sein (Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 11.2.2015, Az. 7 K 7084/13).

Das Finanzgericht ging in seiner Urteilsbegründung von einer regelmäßigen bzw. ersten Tätigkeitsstätte aus, weil sich der quantitative und qualitative Mittelpunkt bei den jeweiligen Vermietungsobjekten befunden habe. Folgende Überlegungen leiteten die Richter:

  • Auch ein Vermietungsobjekt kann eine regelmäßige Tätigkeitsstätte sein.
  • Ob eine erste Tätigkeitsstätte vorliegt, hängt davon ab, wie häufig  der Vermieter   zum Vermietungsobjekt fährt.
  • Des Weiteren kommt es auf die Art der Tätigkeit an.

Jeder Vermieter sollte dafür sorgen, dass er seine Fahrten zum Vermietungsobjekt in voller Höhe als Werbungskosten abziehen kann. Die Fahrtkosten sind voll abziehbar, wenn

  • der Vermieter für die Verwaltung seiner Immobilien ein eigenes Büro hat, das allerdings kein häusliches Arbeitszimmer sein darf,
  • der Vermieter ein häusliches Arbeitszimmer hat, in dem er die Verwaltung, Abrechnungen usw. bearbeitet, sodass er nur gelegentlich vor Ort ist, um sich z.B. um Reparaturen zu kümmern,
  • wenn insgesamt pro Vermietungsobjekt wenige Fahrten anfallen, wobei die Fahrten pro Vermietungsobjekt getrennt betrachtet werden.

Verwaltungsarbeiten müssen nicht im Vermietungsobjekt erledigt werden. Werden gezielt nur die notwendigen Fahrten unternommen, dann sind alle Fahrten zum Vermietungsobjekt als auswärtige Tätigkeiten einzustufen.

Selbst wenn sich der Vermieter um Reparaturen, den Garten und die Pflege des Objekts kümmert, sollte er seine Fahrten uneingeschränkt geltend machen und nicht nur in Höhe der Entfernungspauschale. Ob bei Vermietungseinkünften überhaupt von Fahrten zu einer ersten Tätigkeitsstätte ausgegangen werden kann, ist noch nicht höchstrichterlich entschieden. Erkennt das Finanzamt nur die Entfernungspauschale an, sollte Einspruch eingelegt werden, weil unter dem Az. IX R 18/15 beim BFH ein entsprechendes Verfahren anhängig ist.

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